Bahnlinie, Strasse, Wanderweg und Fluss liegen bei Punt Ota eng beieinander.

Wanderung Crap Alv - Preda - Bergün

Weisser Fluss, grüner Wald, rote Züge

  • Crap Alv

  • Lai da Palpuogna

  • Preda

  • Punt Ota

  • Bergün


REGION: Graubünden
MARSCHZEIT: 3 h 30 min
AUFSTIEG: 180 m
TIEFSTER PUNKT: 1360 m
VERPFLEGUNG: Rastplätze/Feuerstellen am Weg
ANREISE: Mit dem Rufbus nach Preda/Crap Alv
MERKMALE: Themenweg / Familientauglich / Am Wasser
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 11,7 km
Abstieg: 970 m
Höchster Punkt: 2179 m
Ideale Jahreszeit: Anfang Juni bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Bergün mit der Bahn
   

Zwischen Preda und Bergün überwindet die Rhätische Bahn mit zahlreichen Viadukten und Kehrtunnels einen beachtlichen Höhenunterschied. Der «Bahnerlebnisweg» gibt Einblick in diese kunstreiche Anlage. Der Pfad führt teils der Bahnlinie, teils dem Talfluss Albula entlang. Beginnt man die Wanderung noch etwas weiter oben, so kommt man auch am malerischen Palpuognasee vorbei. Durchwegs Naturbelag.

Mehr als zwölf Kilometern lang ist die Strecke der Rhätischen Bahn (RhB) von Bergün nach Preda. Dabei misst die Luftlinie zwischen den beiden Dörfern nicht einmal fünf Kilometer. Die auffällige Differenz gründet in der Topografie und in der Bahntechnik: Der Abschnitt liegt in einem relativ engen Tal mit teilweise sehr steilen Flanken und überwindet dabei eine Höhendifferenz von über 400 Metern; weil beim Bau des RhB-Streckennetzes grundsätzlich auf Zahnradabschnitte verzichtet wurde, musste eine ausserordentlich komplexe Linie gewählt werden, die von zahlreichen Schlaufen und Richtungswechseln geprägt ist.
Neun Viadukte sowie fünf Kehr- und Spiraltunnels waren notwendig, damit das Gefälle unterhalb von 35 Promille lag. Dieser Schwellenwert war beim Bau der Bahnstrecke vorgegeben worden, damit die ursprünglich eingesetzten Dampflokomotiven auch längere Züge auf der Albulalinie befördern konnten. Die kühnen Kunstbauten sind eine Meisterleistung der beteiligten Ingenieure, Maurer und Mineure. Heute stehen Dampfloks nur noch bei Nostalgiefahrten im Einsatz – das Netz der RhB ist längst elektrifiziert. Mittlerweile dominieren luxuriöse Panoramazüge. Seit 2008 ist die Albulalinie von der Unesco als Weltkulturerbe klassiert.
Nicht nur aus der Sicht der Fahrgäste ist die Strecke interessant. Wer das Gebiet zu Fuss durchstreift, erhält einen umfassenden Eindruck von der Komplexität der Linienführung. Dafür eignet sich der Talweg, der Preda und Bergün verbindet. Die Route ist als «Bahnerlebnisweg» ausgeschildert. Zehn Informationstafeln entlang der Strecke geben Einblick in die Technik und Geschichte der Albulalinie. Der Themenweg wird unterhalb von Bergün bis Filisur fortgesetzt; der obere Teil ist jedoch landschaftlich vielseitiger.
Die relativ kurze Wanderung von Preda nach Bergün lässt sich optimal ergänzen, wenn man den Ausgangspunkt etwas höher oben gegen den Albulapass setzt. Die Rufbus-Haltestelle Crap Alv liegt weit oberhalb der Baumgrenze an der Passstrasse. Ein steiniger Bergweg führt in einem grossen Bogen durch Geröllhalden und über karges Weideland hinunter zur Alp Crap Alv. Nach der Überquerung der Passstrasse setzt sich der Abstieg auf einem schönen Pfad im Wald fort, bis man den Lai da Palpuogna erreicht.
Der Bergsee ist ein hübsches Juwel im grünen Lärchenwald. Von Zuschauern des Schweizer Fernsehens wurde er 2007 gar zum «schönsten Flecken Schweiz» erkoren. Die Wahl mag etwas übertrieben erscheinen, zumal sicher auch die leichte Zugänglichkeit eine Rolle spielte (der See liegt direkt an der Passstrasse), doch der Schauplatz ist tatsächlich sehr idyllisch – insbesondere im Mündungsdelta des Bergbachs Ovel Alv auf der Südseite. Sitzbänke zwischen den Bäumen mit Blick auf das Wasser laden zur Rast und zum Verweilen ein, mehrere befestigte Feuerstellen stehen zum Bräteln zur Verfügung.
Für den Abstieg nach Preda gibt es zwei Varianten (die Verzweigung liegt wenige Gehminuten unterhalb des Sees). Die linke Route führt an einem wunderschönen Wasserfall vorbei; einige Passagen sind etwas ausgesetzt und hangseitig mit einer Kette gesichert. Deutlich weniger steil ist die rechte Route.
Unterhalb des Bahnhofs Preda beginnt der Bahnerlebnisweg. Er verläuft auf dem ersten Kilometer (bis zum Dörfchen Naz) auf einem Schottersträsschen, danach auf einem fast durchwegs schmalen Fusspfad. Das Gelände ist stellenweise ordentlich steil und ruppig, dann wieder flach und lieblich, insbesondere dort, wo der Weg direkt dem Talfluss Albula («die Weissliche») entlangführt. An manchen Stellen stehen auf der Hangseite Ketten zur Sicherung zur Verfügung. Wirklich exponiert ist die Strecke nicht; auch Kinder ab Schulalter können sie meistern.
Der wohl spektakulärste Streckenabschnitt sowohl des Wanderwegs als auch der Bahnlinie befindet sich im Raum Punt Ota. Von einer balkonartigen Aussichtswarte hat man hier freie Sicht auf mehrere Bahnabschnitte, die in unterschiedlicher Höhe liegen. Kurz vor dieser Schlüsselstelle, beim Steg über die Albula im Gebiet Plaz Verd, gibt es übrigens einen wunderschön gelegenen Picknickplatz. Ein weiterer Rastplatz befindet sich bei Plan digls Bouvs. Von da an verläuft die Wanderung wieder mehrheitlich auf einem breiten Kiesweg. Stets auf der linken Seite der Albula bleibend, erreicht man das Sägewerk von Bergün. Dort wechselt man auf die andere Flussseite. Über den zentralen Dorfplatz gelangt man zum Bahnhof.