Das Flederhaus

«Wollen Sie nicht ein schönes Haus fotografieren statt diese Bruchbude?» fragt mich ein älterer Mann, als ich in Wegenstetten die Kamera zücke und die Alte Trotte fotografieren will. Das Gebäude wurde 1804 als Gasthaus erbaut, später als Bauernhaus genutzt, verlotterte zusehends und stand seit 15 Jahren leer. Dann wurde es von Pro Natura erworben und zusammen mit der Stiftung Ferien im Baudenkmal sanft renoviert. Ein Teil des Bauwerks kann nun als Ferienwohnung gemietet werden. Sein Hauptzweck ist aber ein anderer: Im Dachstock der angebauten Scheune nistet eine Kolonie der Grossen Hufeisennase. Die Fledermausart ist selten geworden: In der ganzen Schweiz gibt es nur noch drei Populationen.
Schönheit ist relativ. In Wegenstetten kann man sich wie anderswo etlichen architektonischen Agglo-Plunder zu Gemüte führen. Die Alte Trotte hingegen leuchtet seit der Sanierung in frischem Glanz.

«Fort damit»: Fortschritt in Schwyz

Oje, diese schlimmen Berner. Wie die Vampire saugen sie ihren Miteidgenossen den Finanzausgleich aus der Tasche und verplempern die Kohle für allerlei unnötigen Quatsch. Zum Beispiel für ein flächendeckendes und leistungsfähiges Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln. Was für ein Luxus, wenn Wanderer im Halbstundentakt nach Innertkirchen, Stechelberg oder Grindelwald fahren können. Die Sache lässt sich nämlich auch ganz anders bewerkstelligen.

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Begegnungen im Puschlav

Dem Licht des Südens und einigen interessanten Menschen begegneten wir auf einer Recherche-Tour im Puschlav. So zeigte mir Wanderleiter und Bergführer Romeo Lardi das wunderschöne und kaum bekannte Val dal Saent. Lardi lebt in Le Prese im Talboden und berichtete wiederholt von einem Lago di Le Prese. Als er meinen verständnislosen Blick bemerkte, ergänzte er, auf den Landeskarten heisse das Gewässer fälschlicherweise Lago di Poschiavo. Ein wahrer Lokalpatriot!
Zu Le Prese gehört auch der Weiler Canton, den zur Vegetationszeit ausgedehnte Blumen- und Kräuterbestände umgeben. Im gesamten Puschlav ist der Anteil an Bio-Produktion so hoch wie nirgends sonst in der Schweiz; neun von zehn Bauern verzichten auf chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel.

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Sommerhitze am Kältepol

Wenn man’s nicht wüsste, dass man im Jura ist, bräuchte man bloss die Speisekarte der Dorfbeiz zu konsultieren. In der Auberge «Au Loup Blanc» empfehlen sie Froschschenkel. Auf der anderen Seite des Dorfplatzes, neben der Kirche, hängt am Gemeindehaus eine Temperaturanzeige. «+18» heisst es dort an diesem Frühsommermorgen. Auch am Kältepol der Schweiz (wo es im Winter gut und gerne minus 30 oder noch kühler werden kann) ist heute ein heisser Tag zu erwarten.

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Ur-Comics in Zillis

Wenn man die Kirche St. Martin in Zillis (das Dorf liegt am Weg durch die Viamala-Schlucht) betritt, fallen einem sogleich die Holzkisten auf, die an zwei Kirchenbänken befestigt und mit Handspiegeln gefüllt sind. Spiegel in der Kirche - was soll denn das!? Wird hier etwa weltlichem Tand, Kosmetik und Hoffart gefrönt? Oder handelt es sich um eine archaische Möglichkeit, sein eigenes Gesicht als Selfie zu betrachten? Das Rätsel klärt sich, wenn man den Blick in die Höhe richtet.

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Zerschleunigung

Während alle Welt von Nachhaltigkeit und Achtsamkeit spricht, scheinen sich die Hamsterräder weltweit immer schneller zu drehen. Da ist es wunderbar, einige Zeit an einem Ort zu verbringen, der hoch über den Niederungen des getakteten Alltags liegt.

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Kraftkater

An einem der letzten goldenen Herbsttage des Jahres traf ich am Lauenensee Sabine Kunz, die dort regelmässig Yoga praktiziert. Der See gilt als sog. Kraftort, und ich wollte von ihr wissen, was damit eigentlich gemeint ist. Meine Auffassung, dieser Begriff sei Geschwätz, unterstützte sie diskret. Später liess ich mir von ihr unvorsichtigerweise einige Yogaübungen zeigen. Anderntags hatte ich seit vielen Jahren erstmals wieder einen kräftigen Muskelkater in den Beinen…
Die entsprechende Reportage ist im Magazin WANDERN.CH erschienen.

Aktiver Dung

Wer ist schuld, wenn Fido sein Geschäft auf der Wiese verrichtet und die Hinterlassenschaft, wie es seiner Natur gemäss ist, einfach liegen lässt – er selbst oder sein Besitzer? Weder noch! Diese Meinung vertritt man jedenfalls in der Baselbieter Gemeinde Ettingen. Dort wird nämlich der Kot selbst verpflichtet, sich vom Boden aufzuheben. Übrigens: Der eigenartigen Tafel begegnet man auf dem Rebenweg Aesch.

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