Auf dem Weg von der Alp Tumpriv zur Alp Nursin, Blick zurück ins Schams

Wanderung Mathon - Piz Beverin - Mathon

Die 3000er-Marke ritzen

  • Mathon

  • Libisee

  • Piz Beverin

  • Mathon


REGION: Graubünden
MARSCHZEIT: 8 h 20 min
AUFSTIEG: 1630 m
TIEFSTER PUNKT: 1539 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit dem Postauto nach Mathon/Dorf
MERKMALE: Rundwanderung / Aussichtsberg
Schwierigkeit: T3 Bergwandern
Streckenlänge: 19,8 km
Abstieg: 1630 m
Höchster Punkt: 2998 m
Ideale Jahreszeit: Mitte Juli bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Mathon/Dorf mit dem Postauto
   

2998 m hoch ist der Piz Beverin. Für einen erwachsenen Menschen fehlt damit noch eine Armlänge, um die 3000er-Grenze zu knacken. Unbesehen von solcher Zahlenhuberei ist der Gipfel ein überaus lohnendes Wanderziel: Abgesehen von zwei kurzen, etwas heiklen Passagen ist der Aufstieg unproblematisch; die Rundsicht oben ist grandios. Praktisch durchwegs Naturwege.

In zwei Schlaufen, die sich beim Alpweiler Mursenas kreuzen, führt die vorliegende Route von Mathon auf den Gipfel des Piz Beverin und wieder zurück zum Ausgangspunkt. In der hier vorgestellten Abfolge bietet die Tour maximalen Landschaftsgenuss bei relativ geringen technischen Schwierigkeiten. Man kann die einzelnen Elemente aber nach Belieben anders kombinieren, indem man beispielsweise einfach direkt von Mathon über Mursenas und Beverin Pintg zum Gipfel hochsteigt und auf gleichem Weg wieder ins Tal zurückkehrt; dann schafft man die Tour in gut sechs Stunden.
Zum Auftakt lohnt es sich, einen Blick ins Dorfkirchlein von Mathon zu werfen. Die kleine Orgel ist ein Unikat ohnegleichen. Das Instrument wurde bereits im 18. Jahrhundert gebaut, 1822 dann nach Mathon transferiert und von einem unbekannten, naja, Künstler auf etwas unbeholfene, ja brutalistische Weise verziert.
Die Wanderung beginnt gemächlich: Ein schmaler Pfad führt durch Wiesland und Bergwald ins Nachbardorf Lohn, wo im Wald ein kleiner Rundgang namens Klanggarten (bzw. Klangwald) angelegt ist. Klangkörper aus Holz, Stein und Metall laden zum Spielen und Pröbeln ein – für Kinder ebenso wie für Erwachsene ein anregendes Vergnügen. In Lohn befindet sich übrigens auch der Bio-Bauernhof Lichthof, dessen Produkte unter anderem im angegliederten Café Fortuna erhältlich sind. Im Lokal (nur dienstags und samstags geöffnet) wirkt die aus den Medien bekannte «Naturköchin» Rebecca Clopath, die auf unkonventionelle Weise Hofprodukte und Ingredienzien aus der Natur kombiniert; im Angebot stehen neben frischen Knödeln und anderem Hefeteiggebäck auch ausgefallen Köstlichkeiten wie Arvenholzsorbet.
Den einzigen Hartbelagsabschnitt der Route bringt man rasch hinter sich: Auf einem Strässchen, dessen Oberfläche bald einmal in Kies übergeht, gelangt man nach Nutschias, wo sich eine prachtvolle Ausicht auf das Schamsertal öffnet. In weiterhin mässigem Anstieg geht es weiter zum Libisee. Am Ufer steht ein Picknickplatz mit befestigter Feuerstelle bereit, während ganz in der Nähe der Mündungsbereich des Bergbachs zum Planschen und Stauen lockt.
Unterdessen sind die Wanderbeine richtig aufgewärmt, so dass der kleine Zwischenabstieg nach Mursenas ein entspannendes Intermezzo ist. Getrübt wird der Genuss einzig von der etwas dubiosen Wegoberfläche: Zwischen zwei betonierten Fahrspuren ist ein schmaler Grasstreifen angelegt – für Wanderer ein fauler Kompromiss, aber sie brauchen ja nicht nebeneinander zu marschieren, und die Bauern werden für das Alibi-Gras wohl trotzdem noch Flächenbeiträge kassieren.
In leichtem Aufstieg (und nunmehr wieder auf Kies) geht es hinüber zur Wegverzweigung «Alp Tumpriv/Parkplatz». Von da an nimmt die Steigung zu. Anfänglich auf Wiesenpfaden und über (zuweilen vernässte) Weiden, später dann durch karg bewachsenes, von deutlichen Erosionsspuren gezeichnetes Gelände geht es zur Beverinlücke hoch. Immer steiniger und rutschiger wird der Boden. Die letzte halbe Stunde bis zum Gipfel verläuft auf einem sehr steilen Zickzackweg. An einzelnen besonders abschüssigen Stellen erleichtern Stricke und Ketten den Aufstieg. Es ist eine der typischen Passagen, die man lieber berg- als talwärts bewältigt.
Die Kuppe des Beverin bildet eine breite, runde Ebene. Sie gewährt eine grandiose Rundsicht auf eine endlose Kette von Alpengipfeln sowie Tiefblicke ins Domleschg, Schamsertal und Safiental. Der Abstieg ist weniger steil und verläuft auf kompakterem Grund als die Aufstiegsroute. Es gibt allerdings eine Schlüsselstelle zu bewältigen, die für manche Berggänger etwas herausfordernd sein dürfte: Eine senkrechte Wand von bröckligem Kalkfels wird mit einer acht Meter hohen Metallleiter überwunden. Etwas irritierend: Wer abwärts wandert, hat das Hindernis aufwärts zu bewältigen. Das ist für unsichere Berggänger meist einfacher, als wenn sie umgekehrt eine solche Himmelsleiter hinuntersteigen müssten. Daher empfiehlt es sich, die Strecke Piz Beverin – Beverin Pintg abwärts zu beschreiten.
Der kleine Vorgipfel Pintg bietet nochmals eine schöne Aussicht ins Schams. Nach einem kurzen Stück durch eine schroffe Steinhalde geht es auf steilen Wiesenpfaden zum Wanderweg-Kreuzungspunkt Mursenas. Von dort gelangt man in direktem Abstieg zurück nach Mathon.