Die einstige Klause des Niklaus von Flüe ist seit Jahrhunderten eine Wallfahrtskapelle.

Wanderung Flüeli-Ranft

Unterwegs mit einem sperrigen Heiligen

  • Sarnen

  • Kerns

  • Flüeli-Ranft

  • Sachseln


REGION: Zentralschweiz
MARSCHZEIT: 4 h
AUFSTIEG: 510 m
TIEFSTER PUNKT: 471 m
VERPFLEGUNG: Restaurant Alpenblick, St. Niklausen
ANREISE: Mit der Bahn nach Sarnen
MERKMALE:
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 13,7 km
Abstieg: 510 m
Höchster Punkt: 803 m
Ideale Jahreszeit: Mitte März bis Mitte Dezember
Rückreise: Ab Sachseln mit der Bahn
   

Zwei Seen verbindet diese Wanderung im Kanton Schwyz. Der Weg führt grösstenteils über Alpweiden und offenes Gelände, so dass man immer wieder wechselnde Aussicht hat. Das Stöcklichrüz, die geografisch höchste Stelle der Route, ist auch ein landschaftlicher Höhepunkt. Ausserhalb des Siedlungsgebiets praktisch durchwegs Naturwege.

Dank der milden Höhenlage eignet sich die Gegend um den Sarnersee fast während des ganzen Jahres für leichte Wanderungen. Lohnend ist etwa eine Frühlings-Tour auf den Spuren von Bruder Klaus. Am Weg liegen verschiedene Kirchen, Kapellen und Bildstöcke. Ausgangspunkt ist Sarnen. Vom Bahnhof aus wird der Obwaldner Hauptort in südöstlicher Richtung bis zur Melchaa durchquert. Von dort steigt man im Wald nach Chalcheren auf der aussichtsreichen Hochebene von Kerns hoch. Im Dorfzentrum schwenkt man bei der Kirche hangwärts ab und gelangt in mässigem Anstieg zur Kapelle St. Antoni.
Von jetzt an verläuft die Wanderung auf dem Bruder-Klausen-Weg, der von Stans herkommend nach Flüeli führt. Über aussichtsreiche Hügelkuppen geht es nach Bethanien und weiter nach St. Niklausen. Oberhalb des Dörfchens befindet sich die sehenswerte St.-Nikolaus-Kapelle mit freistehendem Turm und gotischen Wandmalereien.
Höhepunkt der Wanderung ist das Zwischenziel Flüeli-Ranft. In der abgelegenen Waldschlucht verbrachte der Obwaldner Staatsmann, Seelsorger und Asket Niklaus von Flüe die letzten 20 Jahre seines Lebens. Nach seinem Tod entwickelte sich die einfache Klause rasch zu einer der wichtigsten Pilgerstätten der Schweiz.
Nach Einschätzung der Historiker ist es einzig Niklaus von Flüe zu verdanken, dass die 1481 am Rand eines Bürgerkriegs stehende Eidgenossenschaft nicht zerfiel: Er liess den miteinander rivalisierenden Stadt- und Landkantonen eine Botschaft zukommen, die zu einer Lösung des Konflikts in Form des Stanser Verkommnisses führte. In Verkennung seiner universalen Sichtweise wurde (und wird) Niklaus von Flüe gerne politisch instrumentalisiert. Vielleicht erklärt dies, weshalb er heute, im Unterschied etwa zum Heiligen Jakob, kaum als Richtschnur für zeitgeistige Wallfahrten dient. Und dennoch übt dieser sperrige Heilige auch heute eine eigentümliche Anziehungskraft aus.
Vom Dörfchen Flüeli oberhalb der Bruder-Klaus-Kapelle steigt man auf dem «Visionen-Weg» an den Sarnersee ab. Der Themenweg beginnt beim Geburtshaus von Bruder Klaus in Flüeli und endet bei der Grabkapelle in Sachseln. Die Strecke wird von einer Reihe von Metallplastiken gesäumt, welche die religiösen Visionen des Einsiedlers aufgreifen.