Raufreif und frischer Schnee am Saane-Uferweg

Winterwanderung Rougemont-Saanen

Über den Raquette-Graben

  • Rougemont

  • Vanel-Brücke

  • Saanen


REGION: Berner Oberland / Westschweiz
MARSCHZEIT: 2 h 35 min
AUFSTIEG: 130 m
TIEFSTER PUNKT: 970 m
VERPFLEGUNG: Verschiedene Gaststätten in Saanen
ANREISE: Mit der Bahn nach Rougemont
MERKMALE: Auch/nur im Winter / Am Wasser
Schwierigkeit: W1 Winterwandern
Streckenlänge: 4,7 km
Abstieg: 110 m
Höchster Punkt: 1013 m
Ideale Jahreszeit: November bis März
Rückreise: Ab Saanen mit der Bahn
   

Leichte Wanderung aus dem Pays-d'Enhaut über die Sprachgrenze hinweg ins Saanenland. Besonders reizvoll ist die Route im Winter, wenn der Saane-Uferweg verschneit ist und eine dicke Raureifschicht die Bäume am Fluss überzieht.

Ob es einen Röstigraben gibt, ist zweifelhaft, und selbst die Frage, ob er jemals existierte, dürfte ungeklärt sein. Heute wirkt das Bild einer Bratkartoffelschlucht ohnehin obsolet. Längst gibt es andere Kategorien, um die imaginäre Kulturgrenze zwischen der Deutschschweiz und den lateinischen Landesteilen zu beschreiben. Dazu gehört erstaunlicherweise das Winterwandern. In der Form, wie es in der Deutschschweiz praktiziert wird, kennt man es in der Romandie kaum.
Westlich der Saane ist höchstens ein halbstündiger Spaziergang im Schnee gemeint, wenn von einer Winterwanderung die Rede ist. Sobald die flachen und maschinell präparierten Pisten verlassen werden und es in etwas steileres und einsameres Gelände geht, fängt dort offenbar wildes Gelände an. Jedenfalls sind dann rasch Schneeschuhe – Raquettes – zur Hand. Wer in der Westschweiz von Winterwandern spricht, meint deshalb häufig etwas anderes, nämlich Schneeschuhwandern. In diesem Sinne müsste man wohl eher von einem Raquette-Graben zwischen den Landesteilen sprechen.
Wie fühlt es sich an, wenn man diese imaginäre Grenze überschreitet? Zunächst einmal: Es tut nicht weh, sondern ist recht angenehm und interessant. Davon kann man sich überzeugen, wenn man zum Beispiel von Rougemont nach Saanen wandert. Bei der Bahnstation Rougemont gibt es zwar verschiedene Wanderwegweiser, pinkfarbige Winterwander-Signale sucht man allerdings vergeblich. Das ist nicht weiter schlimm, aber vermutlich ein bisschen bezeichnend für die Winterwander-Kultur diesseits des Raquette-Grabens.
Zunächst marschiert man einige Schritte ostwärts, unterquert dann die Bahnlinie und folgt der Saane auf dem südlichen Ufer flussaufwärts. Die Route ist insgesamt relativ kurz lang, die Höhendifferenz zwischen Ausgangs- und Zielort beträgt nur gerade 20 m. Doch weil sich die Saane in diesem Gebiet in ein zuweilen unzugängliches Bett gegraben hat, weist der Weg zumindest in der ersten Hälfte verschiedene Auf- und Abstiegspassagen auf.
Die Kantonsgrenze überschreitet man, ohne davon Notiz zu nehmen. Beim Standort Vanel-Brücke ist man bereits in bernischem Gebiet. Der Empfang ist eher unerfreulich, denn der Wanderweg führt an geruchsintensivem Terrain vorbei: Die Kläranlage stösst Duftschwaden in die Bergluft, der Kamin der Kehrichtverbrennungsanlage tut sein Übriges.
Durch schönen Auenwald geht es nun direkt der Saane entlang. Nach einer Weile wird ans nördliche Ufer gewechselt. Der Geruch wird anders, aber nicht unbedingt besser, zudem ist er nun mit Lärm gewürzt: Vom nahen Flugfeld Saanen stossen startende und landende Privatjets von unvorstellbar bedeutsamen Menschen ihre Kerosinwolken aus. Am Ende des Promi-Frachthafens liegt das Routenziel, die Bahnstation Saanen.