Schloss Greyerz

Wanderung Gruyères-Corbières

Im Reich der Kakao-Dynastie

  • Gruyères

  • Broc

  • Villarvolard

  • Corbières


REGION: Westschweiz
MARSCHZEIT: 4 h 20 min
AUFSTIEG: 520 m
TIEFSTER PUNKT: 676 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit der Bahn nach Gruyères
MERKMALE: Am Wasser
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 13,5 km
Abstieg: 580 m
Höchster Punkt: 821 m
Ideale Jahreszeit: Anfang März bis Ende November
Rückreise: Ab Corbières/Pont de Corbières mit dem Bus
   

Milch und Wasser sind die zentralen Säulen der Wirtschaft im Greyerzerland. In veredelter Form haben sie eine überregionale, ja internationale Ausstrahlung, Die Wanderung entlang der Sarine führt durch eine reizvolle, doch gleichwohl stark von Menschenhand geprägte Landschaft. Ausserhalb des Siedlungsgebiets meist Naturbelag.

Er ist eine Frucht des Zweiten Weltkriegs, der Greyerzersee. Für die Schweiz war es ein bedrückendes Erlebnis, sich von fachistischen Diktaturen umzingelt zu sehen, die ihr, wenn sie wollten, nach Belieben jegliche Waren- und Energiezufuhr abdrehen konnten. Aus dieser Erfahrung entstand ein unbändiger Wille zur Autarkie. Man rief zur Anbauschlacht – sogar mitten in den Städten begann man Korn anzubauen. Während dies eine vorübergehende Kuriosität war, zeigten andere Veränderungen wesentlich nachhaltigere und auch gravierendere Folgen. So wurden unzählige Feuchtgebiete trockengelegt, damit zusätzliche Produktionsflächen erschlossen werden konnten.
Auch im Energiesektor kam es zu einem dramatischen Wettrüsten. In allen Ecken des Landes wurden Stauseen konzipiert und gebaut. Das halbe Engadin wollte man unter Wasser setzen – glücklicherweise ohne Erfolg. Im Greyerzerland hingegen gelang ein vergleichbares Flutungsprojekt. Dort erstreckt sich jetzt der längste Speichersee der Schweiz. Mit dem 13,5 km langen Greyerzersee konnte das Wasser der Saane für die Stromproduktion nutzbar gemacht werden.
Schon lange vor der Nutzung der Wasserkraft war das Greyerzerland für eine andere Flüssigkeit bekannt – nämlich für die Milch der schwarz-weiss gefleckten Kühe, die dort auf saftigen Wiesen weiden und das Landschaftsbild prägen. Als Frischgetränk genoss sie natürlich höchstens lokale Bedeutung, doch als neuartige Zutat zu einer fremdländischen Süssspeise erlangte sie von der Mitte des 19. Jahrhunderts an internationale Bekanntheit. Damals hatte der Westschweizer Unternehmer und Schokoladenfabrikant Daniel Peter eine zündende Idee: Er reicherte Schokolade mit Milchpulver an und machte sie damit sowohl feiner als auch günstiger.
Die Schweizer Schokoladeindustrie erhielt dadurch einen kräftigen Schub mit nachhaltiger Wirkung. Das schlug sich auch im Betrieb von Peters Schwiegervaters François-Louis Cailler nieder. Der Pionier hatte bereits 1819 bei Vevey die erste moderne Schokoladefabrik der Schweiz eingerichtet. 1898 wurde der Betrieb nach Broc im Greyerzerland verlegt. Unter Caillers Söhnen boomte die Unternehmung weiter, geriet dann aber im Ersten Weltkrieg ins Schlingern und schloss sich schliesslich mit der Firma Nestlé zusammen.
Das riesige Fabrikationsgebäude liegt am Wanderweg von Gruyères nach Corbières. Die Route teilt sich in zwei ganz unterschiedliche Abschnitte. Der erste Teil führt historischen Städtchen Gruyères zum «Pont qui branle» (Wackelbrücke) und der Saane entlang durch Auenwäldchen nach Broc. An der Schokoladefabrik vorüber (sie kann im Rahmen eines kostenpflichtigen Rundgangs besichtigt werden) geht es zur Wegverzweigung Broc Fabrique.
Auf beiden Seiten des Stausees sind Wanderwege angelegt. Die Variante im Westen verläuft auf breiten Kiessträsschen durch weitgehend flaches Gelände; sie ist auch ein Eldorado für Velofahrer. Ganz anders ist die östliche Route: Ein schmaler Fusspfad zieht sich den Hang entlang und weist immer wieder Auf- und Abstiege auf. Das ist sehr abwechslungsreich und interessant, aber natürlich etwas anstrengender als die Route am gegenüberliegenden Ufer. Stichwege zweigen vom Uferweg ab nach Botterens und Villarvolard. Das Routenziel liegt auf dem Pont de Corbières; die Brücke überquert den See etwa in der Mitte an seiner schmalsten Stelle.