Bienenhaus zwischen Wallenried und Chandossel

Wanderung Courtepin-Murten

Perlen an der Asphalt-Diagonale

  • Courtepin

  • Chandossel

  • Clavaleyres

  • Greng

  • Murten


REGION: Westschweiz
MARSCHZEIT: 3 h 10 min
AUFSTIEG: 120 m
TIEFSTER PUNKT: 433 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit der Bahn nach Courtepin
MERKMALE: Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 13 km
Abstieg: 250 m
Höchster Punkt: 590 m
Ideale Jahreszeit: Ganzjährig begehbar
Rückreise: Ab Murten mit der Bahn
   

Der Wanderweg «Fribourg en diagonale» – immerhin eine regionale SchweizMobil-Route – ist eine Art Schnapsidee, jedenfalls was den nördlichsten Teil betrifft: Zwei Drittel der Strecke verlaufen nämlich auf Asphalt. Doch selbst ein solch hässliches Entlein birgt unter seinen Fittichen Perlen.

Der Blick auf die Landeskarte macht stutzig: Zwischen dem Schiffenensee und dem Murtensee gibt es praktisch keine signalisierten Wanderwege, ebenso im benachbarten Dreieck zwischen Avenches, Payerne und Neuenburgersee. Die Gegend wird intensiv landwirtschaftlich genutzt und scheint wie geschaffen für das Herumfahren mit Traktoren und Velos. Wanderer haben hier kaum etwas verloren. Wer einigermassen asphalttolerant ist, kann es trotzdem versuchen. In drei Etappen durchquert der Weitwanderweg «Fribourg en diagonale» den Kanton Freiburg. Die Etappen sind sehr unterschiedlich lang (zwischen 2,5 und 9,5 Stunden), weshalb man sich sein Menü besser nach eigenem Gusto zusammenstellt. Die hier vorgeschlagene Route führt von Courtepin bis an den Murtensee.
Der Einstieg ist industriell: Es geht an einem riesigen Fabrikareal vorbei, auf dem die Migros Abertausende von Hühnern zu Geflügelbouillon und anderen Produkten verarbeitet. Danach führt die Route dem Golfplatz Wallenried entlang, den sie später auch durchquert. Zwischendurch verläuft die Wanderung für einige hundert Meter über Wiesen und Kieswege, doch rasch geht es wieder zurück auf den Asphalt und an mächtigen Bauernhöfen vorbei.
Im Raum Les Bois wird es recht hübsch: Ein schöner Naturweg zieht sich durch Weideland und Waldgebiet. Das ist Wandern pur – Stille, Naturlandschaft, Sonnenschein. Das Idyll währt allerdings nicht lange. Nach einem kurzen Abstieg erreicht man die Strasse, die dem Ruisseau des Echelles entlang nach Chandossel führt. Von dort geht es gleich wieder ein Stück aufwärts und – erfreulicherweise erneut auf Naturbelag – durch bewaldetes Gebiet nach Hindere Hubel. Ab hier bis zum Murtensee gibt es nur noch Asphalt. Das ist widerwärtig, doch zur Entschädigung erwarten einen zwei Überraschungen am Weg.
Die erste davon ist Clavaleyres. Das Dörfchen gehörte seit der Reformationszeit zu Bern und war damit während Jahrhunderten eine bernische (und deutschsprachige) Exklave in freiburgischem (und französischsprachigem) Gebiet. Mit einer Fläche von einem Quadratkilometer und 48 Einwohnern war es Anfang des 21. Jahrhunderts eine der kleinsten Gemeinden des Kantons Bern. Nach einem gescheiterten Versuch, mit der ebenfalls bernischen Exklave Münchenwiler zu fusionieren, strebte Clavaleyres einen Kantonswechsel an, um sich mit Murten zusammenzuschliessen. Dem ungewöhnlichen Vorhaben stimmte die Stimmbevölkerung der beiden involvierten Kantone im Februar 2020 zu.
Ein Plakatkasten bildet das Dorfzentrum. Zwei Drittel der Aushangfläche nimmt der militärische Schiessbefehl ein. Man erfährt hier aber auch, dass das Wasser aus dem gemeindeeigenen Reservoir nicht mehr trinkbar ist. Ein paar Schritte weiter steht sogar ein Gemeindehaus; ein Zettel an der Tür informiert, dass die Gemeindeverwaltung jeden zweiten Mittwochnachmittag geöffnet ist. Abgesehen von diesen Einblicken in die Realität einer Mikrosiedlung hat Clavaleyres nicht viel zu bieten. Die einzige nennenswerte Sehenswürdigkeit ist der winzige, von einer Mauer und einer hübschen Baumgruppe umgebene Friedhof ausserhalb des Dorfs.
Nun folgt ein relativ unansehnlicher Abschnitt: Quer über die A1 geht es, danach noch eine Weile der Autobahn entlang. Doch dann erreicht man das zweite Bijou: Der untere Siedlungsteil der Gemeinde Greng ist ein kompaktes und anmutiges Ensemble. Um ein Schlossgut aus dem 18. Jahrhundert gruppieren sich neuere Bauten, deren Gestaltung sich am barocken Kern orientiert. Strassenseitig ist das Dorf von einer Mauer umgeben, was ihm den Anstrich eines Kleinstädtchens verleiht.
Das letzte Teilstück der Wanderung bis nach Murten führt zwar dem See entlang, leider aber nicht direkt am Ufer, sondern hinter Privatliegenschaften hindurch, so dass man vom Wasser kaum etwas mitbekommt. Sehr reizvoll ist dafür das Ziel Murten. Der mittelalterliche Stadtkern verfügt über hübsche Laubengänge und eine Ringmauer, die man begehen kann. Zudem kann man hier dem Ufer entlang promenieren und somit den Murtensee doch noch in Augenschein nehmen.
Hinweis: Die Route wurde in der Zwischenzeit verlegt und verläuft nicht mehr in der hier beschriebenen Form; Clavaleyres wird umgangen, was schade ist, auch wenn der Hartbelagsanteil dadurch wohl etwas reduziert werden konnte.