Die Spitze des Matterhorns über dem Alpweiler Zmutt

Winterwanderung Zermatt-Zmutt

Das Matterhorn spielt Tur-Tur

  • Zermatt

  • Zmutt

  • Stafelalp

  • Furi

  • Zermatt


REGION: Wallis
MARSCHZEIT: 5 h 50 min
AUFSTIEG: 650 m
TIEFSTER PUNKT: 1606 m
VERPFLEGUNG: Restaurant Z΄Mutt, Zmutt/Zermatt
ANREISE: Mit der Bahn nach Zermatt
MERKMALE: Rundwanderung / Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: W2 Winterwandern
Streckenlänge: 16,7 km
Abstieg: 650 m
Höchster Punkt: 2199 m
Ideale Jahreszeit: Dezember bis März
Rückreise: Ab Zermatt mit der Bahn
   

Die längste Winterwanderung in Zermatt führt über den malerischen Weiler Zmutt zur Stafelalp am Fuss der Matterhorn-Nordwand. Auf dem Rückweg wird die Wintersport-Drehscheibe Furi durchquert. Gleichwohl verläuft die Route meist ausserhalb des Pistengebiets.

Auch Zermatt hat eine Bahnhofstrasse. Sie ist mit denselben Mode-, Uhren- und Finanzboutiquen bestückt wie die grosse Schwester an der Limmat. Nennenswerte Unterschiede sind auf den ersten Blick bloss die Giebeldächer und die Holzfassaden. Doch sobald man auf dem Kirchplatz steht, öffnet sich die Sicht zum Matterhorn, den einzigartig geformten Berg, der das Dorf überragt und Besucher von nah und fern in seinen Bann zieht. Wie ein riesiger, elegant gekrümmter Zahn ragt es in den Himmel, der sich in leuchtendem Stahlblau über dem Tal wölbt.
Das Dorf wird zunächst der Länge nach durchquert. Nach den letzten Häusern beginnt der Weg langsam zu steigen und verläuft abwechslungsweise durch Bergwald und über verschneites Weideland mit kleinen Scheunen. Der Gipfel des Matterhorns liegt einem dabei fast durchwegs vor Augen, denn die Lärchen tragen im Winter kein Nadelkleid und lassen damit viel Licht durch.
Merkwürdigerweise büsst der Berg zusehends an Wucht und Majestät ein, je näher man ihm kommt. In dieser Beziehung erinnert er an den Herrn Tur-Tur aus dem Kinderbuch «Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer»: Aus der Ferne tritt er als gewaltiger Riese in Erscheinung, doch je kleiner der Abstand wird, umso mehr nähert sich seine Grösse dem Normalmass. Vorgelagerte Alpgebiete schränken zusehends die Sicht auf das «Horu» ein und lassen es daher vermeintlich schrumpfen.
Gleichwohl bleibt der Anblick eindrücklich. Das gilt erst recht, wenn man den Weiler Zmutt erreicht. Alte, im Laufe der Zeit von der Sonne schwarz gebrannte Holzhäuser schmiegen sich dicht aneinander. Im schmucken Dörfchen gibt es auch ein rustikales Restaurant, in dem man sich mit einfachen regionalen Köstlichkeiten stärken kann. Die Zeit scheint in dieser Idylle stillgestanden zu sein.
Etwas verstörend ist demgegenüber der Anblick, den wenig später ein riesiger, etwas verlottert wirkender Betonbau bietet. Handelt es sich um ein Schulhaus aus der Hochkonjunktur, um eine Militärkaserne oder um ein Ferienheim für Sowjetveteranen? Mitnichten, es ist bloss die örtliche Zentrale der Kraftwerksgesellschaft Grande Dixence, die Dutzende von Bergbächen zwischen dem Mattertal und dem Val de Bagnes mittels zahlreicher Stollen vernetzt hat.
Das komplexe Anlagensystem ist die Basis für die Produktion von Strom aus Wasserkraft in industriellem Massstab.
Der Betrieb kommt hier auch den Winterwanderern zugute: Die Strasse hinauf zur Stafelalp wird regelmässig gepflügt, weil sich dort ein weiteres Kraftwerk befindet, das für die Techniker zu Wartungszwecken stets erreichbar sein muss. So gelangt man zunächst durch einen kurzen Tunnel zur Staumauer des Zmuttsees. In mässigem, aber anhaltendem Aufstieg geht es danach durch den Wald zum Alpweiler Biel und zur Stafelalp hoch.
Kurz nach dem Ende des Walds verzweigen sich die gepfadeten Wege. Geradeaus geht es weiter zum Kraftwerk - trotz sonniger Lage kein sonderlich lohnendes Ziel, da es dort keine Möglichkeit zum Rasten und Ausruhen gibt. Links den Hang hinauf gelangt man hingegen in sanftem Anstieg zum Restaurant Stafelalp, das direkt an der Skipiste liegt und deshalb bei Winterwanderern und Skifahrern gleichermassen beliebt ist.
Der Rückweg führt zunächst auf gleicher Strecke zurück zur Kraftwerkszentrale. Dort behält man die Richtung bei und wandert auf der schneebedeckten Strasse weiter Richtung Furi. Für den Abstieg ins Dorf stehen mehrere Varianten zur Verfügung. Relativ kurz und direkt sind die gepfadeten Wege via Zum See bzw. via Blatten.
Länger, dafür deutlich weniger steil ist die Route auf der Strasse via Moos und Winkelmatten; diese Strecke wird auch als Schlittelabfahrt genutzt – vornehmlich von Familien mit kleinen Kindern, weil die Piste nur wenig Gefälle aufweist. Auf dem Weg dorthin gilt es zunächst die Wintersport-Drehscheibe Furi zu durchqueren, wo sich Bergbahnlinien aus verschiedenen Richtungen kreuzen. Der Winterwanderweg umrundet das Stationsgebäude auf der Nordseite und führt über Schweigmatte in den Wald; mehrere Bergrestaurants liegen am Weg. Spätentschlossene müssen leider auf eine Talfahrt mit dem Schlitten verzichten – Schlittenmiete ist nur unten im Dorf möglich. Am Ende des Abstiegs erreicht man das Quartier Winkelmatten und damit den südlichen Dorfrand von Zermatt. Über Wiestiboden geht es zur Kirche und durch das Dorfzentrum zum Bahnhof.