Picknickplatz am südlichsten Punkt der Schweiz

Wanderung Chiasso-Pedrinate

Ab in den Süden – ein Wander-Gag

  • Chiasso

  • Pedrinate

  • Moreggi

  • Pedrinate


REGION: Tessin
MARSCHZEIT: 2 h 15 min
AUFSTIEG: 360 m
TIEFSTER PUNKT: 232 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit der Bahn nach Chiasso
MERKMALE: Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 6,3 km
Abstieg: 170 m
Höchster Punkt: 548 m
Ideale Jahreszeit: Ganzjährig begehbar
Rückreise: Von Pedrinate/Paese mit dem Bus
   

Südlicher geht's nimmer: Oberhalb des Tessiner Dorfs Pedrinate liegt der südlichste Punkt der Schweiz. Der Ort fasziniert natürlich primär Geografie-Aficionados. Man kann aber auch einfach eine kleine Wanderung dorthin unternehmen. Zu Beginn ein Kilometer Hartbelag, danach durchwegs Naturwege.

Den Süden muss man sich manchmal sauer verdienen. Hier sogar sehr sauer. Der Auftakt zu dieser Wanderung ist nämlich geradezu bestürzend. Vom Hauptgebäude des Bahnhofs Chiasso geht es ein paar Dutzend Schritte nach Westen, danach muss man buchstäblich unten durch. Eine rund 200 m lange finstere Tunnelröhre unterquert die riesigen Gleisanlagen des Grenzbahnhofs. Das Loch dient vorwiegend dem motorisierten Verkehr. Wagemutigen Fussgängern steht immerhin ein schmales Trottoir zur Verfügung. Wohlan denn – es führt kein and'rer Weg nach Pedrinate!
Am Ende des Tunnels mindert sich der Schrecken, zumindest ein bisschen. Fast einen Kilometer muss man noch auf einer pfeilgeraden Strasse marschieren, die den Bahngeleisen entlangführt. Nach dem Grotto Linet ist dann jedoch Schluss mit solch wanderfeindlichem Schabernack. Jetzt geht es aufwärts und in den Wald. Viele verwinkelte und sich verzweigende Pfade und Forststrässchen ziehen sich den Hang hoch, manche davon sind als Wanderwege signalisiert – nicht immer zu Recht. Die Abzweigung Richtung «Bellavista» jedenfalls ignoriert man besser, trotz des wohlklingenden Namens. Stattdessen hält man sich konsequent ans Ziel Pedrinate. Am östlichen Ende des Dorfs schwenkt man in die Via al Laghetto und damit in die Wanderroute Richtung Seseglio (mit dem Zusatz «Via punto geografico SUD») ein.
Wenig später erscheint auf den Wegweisern das Zwischenziel Moreggi bzw. «Punto estremo Sud della Svizzera», an das man sich fortan für eine Weile hält. Kurz nach dem Picknickplatz des örtlichen Pilzvereins erreicht die Wanderung den höchsten Punkt. In sanftem Abstieg geht es nun zur Landesgrenze, die sich hier unübersehbar mit einem hohen, unansehnlichen Eisenzaun bemerkbar macht.
2’722'710/1’75'280: So lauten die Koordinaten des geografisch am weitesten südlich liegenden Punktes der Schweiz. Im Unterschied etwa zur westlichsten Landesextremität bei Genf wird diese Rekordmarke am Abhang des Moreggi-Hügels geradezu zelebriert: Ein Fahnenmast mit aufgezogener Landesflagge, Holzbänke und Tische, dahinter die Holzskulptur eines Grenzwächters zieren den Platz. Zeit also für ein Picknick mit freier Aussicht auf den Grenzzaun und jenseits davon auf italienische Bäume.
In diesem Moment und an diesem Ort wird klar, was diese Wanderung im Grunde ist: Nichts anderes als ein Gag. Maximale Südlichkeit ist eine Qualität, die sich an diesem Standort nur nach Zahlen bemisst. Doch wenig später, auf dem Weg zurück nach Pedrinate, wird das Panorama unverhofft reichhaltig, aus dem Wander-Gag wird doch noch ein richtiges Wander-Erlebnis. Die Wegschlaufe führt am südlichsten Weinberg der Schweiz vorüber. Bei klarem Wetter sieht man nicht nur zum Monte San Giorgio hinüber, sondern bis zur Gipfelkette der Piemonteser Alpen.
Danach nimmt die Wanderweg-Signalisation nochmals neckische Züge an. Wer nach Pedrinate will, muss sich an den Wegweiser mit der Aufschrift «Morbiasco/Laghetto/Dosso Pallanza» halten. Nach einigen hundert Metern klärt sich die Sache: Zunächst lautet die Zielvorgabe «Sotto le Coste», danach dann korrekt Pedrinate. Man könnte von hier noch Richtung Novazzano weiterwandern, kann aber auch einfach ein bisschen das Dorf anschauen und dann mit dem Bus nach Chiasso zurückfahren. Auf diese Weise braucht man die dortige Tunnelhölle jedenfalls nicht nochmals zu Fuss zu durchqueren.