Ausblick von Cascina Nuova hinüber ins Gotthardgebiet

Winterwanderung Airolo-Pesciüm

Winter in der Sonnenstube

  • Pesciüm

  • Val Pozzuolo

  • Pesciüm


REGION: Tessin
MARSCHZEIT: 1 h 35 min
AUFSTIEG: 140 m
TIEFSTER PUNKT: 1742 m
VERPFLEGUNG: Ristorante Pesciüm
ANREISE: Mit der Seilbahn von Airolo nach Pesciüm
MERKMALE: Rundwanderung / Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: W1 Winterwandern
Streckenlänge: 4,7 km
Abstieg: 140 m
Höchster Punkt: 1809 m
Ideale Jahreszeit: Dezember bis März
Rückreise: Ab Pesciüm mit der Seilbahn nach Airolo
   

Das nördlichste und schneesicherste Skigebiet im Tessin hat auch für Winterwanderer und Schneeschuhläufer ein Angebot vorzuweisen. Die Route ins Val Pozzuolo verläuft ohne grosse Höhendifferenzen grösstenteils abseits des Pistennetzes. Im Hochwinter liegt die Strecke durchwegs im Schatten.

Airolo hat eine glorreiche Vergangenheit. Als 1882 der Gotthard-Eisenbahntunnel eröffnet wurde, war das oberste Dorf in der Leventina die zweitgrösste Gemeinde im Kanton Tessin. Doch seit der Nationalstrassentunnel und erst recht der Eisenbahn-Basistunnel in Betrieb ist, spielt die Musik woanders. Intercityzüge halten im Bahnhof schon lange keine mehr. Wer mit der Bahn anreist, stösst im einst stolzen Eisenbahnerdorf auf einsame Perrons und baufällige Treppen und sucht vergeblich nach Rampen und Abfahrtsanzeigen. Im Bahnhof gibt es statt Billettschaltern eine Käserei, in der gemäss einer Tafel Joghurt hergestellt wird, das «Muuh» macht.
Man ist zum Wandern gekommen und nicht wegen der Milchprodukte, also macht man sich vom Sonnenhang auf, um hinüber in den schattigen Süden des Dorfs zu marschieren. Die Talstation des Skigebiets Pesciüm liegt 20 Gehminuten vom Bahnhof entfernt, und es ist kein sonderlich schöner Weg, der dort hinführt: Es geht der Kantonsstrasse entlang, über die Autobahn hinweg und unter einem Viadukt hindurch.
Die Luftseilbahn führt einen dann glücklicherweise weg von den Niederungen des motorisierten Verkehrs und bringt einen hinauf zur Station Pesciüm. Von dort gelangen Skifahrer dank weiteren Anlagen hinauf nach Sasso della Boggia. Wer zu Fuss unterwegs ist, marschiert am Berghaus vorbei zum Kinderlift, danach der breiten Anfängerpiste entlang in westlicher Richtung weiter und lässt schliesslich wenig später den Pistenraum hinter sich. Der Winterwanderweg wird jeweils nach Schneefällen maschinell gepfadet, man braucht also nicht zwingend Schneeschuhe, um ihn zu begehen. Der Verlauf der Route wird mit violetten Stangen und pinkfarbigen Tafeln angezeigt.
In leichtem Auf und Ab führt der Weg zunächst meist über offenes Gelände, später dann durch Waldgebiete zur Alp Cascina Nuova. Wer hier bereits genug hat, benützt die Schlaufe, die an der Alphütte vorbeiführt, und kehrt danach zum Ausgangspunkt zurück. Die Tour lässt sich aber auch noch etwas verlängern. Zunächst geht es leicht abwärts zum Tannenwald, dann auf einem Waldweg hinüber ins Val Pozzuolo. Von hier geniesst man einen imposanten Ausblick ins Gotthardgebiet. Eine kleine Schlaufe bildet das äusserste Ende der Tour. Danach geht es auf gleichem Weg zurück nach Cascina Nuova und anschliessend nach Pesciüm.
Die Winterwanderroute oberhalb von Airolo hat im Vergleich mit anderen Regionen im Tessin einen grossen Vorteil, der sich allerdings auch als Nachteil erweisen kann: Sie liegt im Schatten hoher Berge und ist deshalb ausgesprochen schneesicher. Im Hochwinter gibt es unterwegs kaum Sonne; erst ab Mitte Januar taucht in Pesciüm jeweils kurz vor dem Mittag für eine Weile die Sonne auf, um nach kurzer Zeit gleich wieder hinter dem Pizzo di Mezzodi und dem Poncione di Vespero zu verschwinden. Der Hauptteil der Route liegt dagegen noch mehrere Wochen im Schatten. Ab Mitte Februar taucht dann auch dort die Sonne auf.