Links: Castello Sasso Corbaro; rechts: Geisterdorf Prada

Wanderung Bellinzona-Prada

Gespenstische Stille in Prada

  • Bellinzona

  • Sasso Corbaro

  • Prada

  • Bellinzona


REGION: Tessin
MARSCHZEIT: 2 h 40 min
AUFSTIEG: 440 m
TIEFSTER PUNKT: 228 m
VERPFLEGUNG: Osteria Castello Sasso Corbaro
ANREISE: Mit der Bahn nach Bellinzona
MERKMALE: Rundwanderung / Familientauglich / Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 7,4 km
Abstieg: 440 m
Höchster Punkt: 601 m
Ideale Jahreszeit: Ganzjährig begehbar
Rückreise: Ab Bellinzona mit der Bahn
   

Bellinzona verfügt über imposante, gut erhaltene mittelalterliche Wehranlagen. Den besten Blick darauf hat man vom Castello Sasso Corbaro, das Teil des einstigen Schutzdispositivs war. Die Rundwanderung führt zudem ins Geisterdorf Prada. Ausserhalb des Siedlungsgebiets durchwegs Naturwege.

Mit drei mächtigen Burgen in Bellinzona riegelten die Herzöge von Mailand seinerzeit das Tal des Ticino-Flusses gegen Übergriffe der eroberungslustigen Eidgenossen ab. Doch dann kam die Natur und knackte die Barriere: 1513 staute ein Murgang bei Biasca einen riesigen See auf. Nach zwei Jahren brach dieser aus und riss in seinem Unterlauf alles mit sich – auch die gewaltige befestigte Brücke in Bellinzona, die Teil der Wehranlage war. Das Ereignis pflügte die Landschaft komplett um.
Weil die Eidgenossen mittlerweile in Bellinzona bereits ihre Finger im Spiel hatten, wurde darauf verzichtet, die Lücke im Schutzsystem wieder zu schliessen. Glücklicherweise wurden die Kastelle nicht geschleift, sondern konnten sich in gutem Zustand als monumentale Zeugen vergangener Zeiten bis in unsere Tage erhalten. Die beiden unteren Burgen – Castelgrande und das leicht erhöhte Montebello – flankieren die Altstadt. Sasso Corbaro hingegen, der dritte Wehrbau, thront mehr als 200 Meter über der Stadt und der Ticino-Ebene.
Ein Wanderweg führt direkt vom Bahnhof hoch. Über Quartiersträsschen und auf Treppenwegen geht es zuerst hinauf nach Artore. Etwas weiter oben verzweigen sich die Wanderwege; auf einer Strasse geht es quer hinüber zum Kastell. Am Weg zur einstigen Kriegsfestung liegt sinnigerweise das Grotto dei Pacifici. Auch in der Burg selbst gibt es ein Restaurant.
Die Wanderung lässt sich mit einer interessanten Fortsetzung ergänzen, indem man von der Burg zuerst auf gleichem Weg zur Wegverzweigung oberhalb Artore zurückkehrt. Von dort geht es dann in gemächlichem, aber stetigem Anstieg aufwärts. Bis Pian Laghetto werden Rebgebiete und Obstgärten durchquert, danach taucht man in schönen Mischwald mit stattlichen Kastanienbäumen ein. Zwischendurch säumt ein munteres Bächlein den Weg. Die kurze Rundwanderung bietet somit in kompakter Form viele Reize des Südens.
Hoch oben verflacht sich die Route allmählich. Der Lärm der Stadt liegt weit zurück. Friedvolle Stille ruht über der einsamen Waldlandschaft. Doch unvermutet kippt die Idylle in eine geradezu gespenstische Atmosphäre. Zwischen den Bäumen tauchen Schutthaufen und zerfallene Steinmauern auf. An dieser Stelle lag einst das Dorf Prada. Zwischen Überresten einfacher Hütten stehen grosszügige Mauern und stattliche Tore. Vor bald 400 Jahren wütete hier die Pest. In der Folge wurde die Siedlung aufgegeben und zerfiel. Heute sind die Ruinen ein beklemmendes und gleichzeitig berückend schönes Mahnmal der Vergänglichkeit. Tröstlich ist demgegenüber die am Rand des Geisterdorfs stehende Kapelle San Girolamo. Sie ist im Laufe der Zeit immer wieder saniert worden und zeigt sich deshalb in einem guten Bauzustand.
Der Abstieg zurück in die Stadt verläuft auf einem wunderschönen, steilen Steinplattenweg. Beim Spital San Giovanni im Stadtteil Ravecchia endet die Wanderroute. Entlang der Via Ospedale gelangt man in die Altstadt und kehrt von dort zurück zum Bahnhof.