Ein Holzsteg führt am Hüttwilersee direkt dem Ufer entlang.

Wanderung Kartause Ittingen - Stammheim

Klosterbrüder, Rittersleute und Weinbauern

  • Kartause Ittingen

  • Hüttwilersee

  • Nussbaumen

  • Stammheim


REGION: Mittelland / Ostschweiz
MARSCHZEIT: 4 h
AUFSTIEG: 270 m
TIEFSTER PUNKT: 415 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit dem Postauto zur Kartause Ittingen
MERKMALE: Familientauglich / Auch/nur im Winter / Am Wasser
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 15,7 km
Abstieg: 250 m
Höchster Punkt: 510 m
Ideale Jahreszeit: Ganzjährig begehbar
Rückreise: Ab Stammheim mit der Bahn
   

Ein altes Kloster, eine mächtige Burgruine und prachtvolle Rebberge säumen die leichte, zu jeder Jahreszeit lohnende Wanderung vom Westen des Kantons Thurgau ins Zürcher Weinland. Knapp 30 Prozent der Route verläuft auf Hartbelag.

Adel, Klerus und Bauernstand: So klar, einfach – und starr – war die Gesellschaft im Mittelalter aufgebaut. Die Ritter stellten den weltlichen Schutz sicher, die Priester gewährleisteten den himmlischen Beistand, die Bauern hatten für das leibliche Wohl zu sorgen. Historischen Spuren dieses simplen, aber jahrhundertelang effizient funktionierenden System begegnet man auf der Wanderung von der Kartause Ittingen nach Stammheim.
Gleich zum Auftakt gilt es ein Juwel des Klosterbaus in der Schweiz zu entdecken. Während rund sieben Jahrhunderten lebten und arbeiteten Mönche des Kartäuserordens in der weitläufigen Kartause Ittingen. 1848 wurde das Kloster aufgehoben. Darauf kam die Anlage in Privatbesitz. Seit 1977 wird sie von einer Stiftung getragen. Sie birgt heute ein Seminarzentrum samt öffentlichem Hotel und Restaurant, ein Behindertenwohnheim sowie das Thurgauer Kunstmuseum. Die Kartause Ittingen ist zugleich einer der grössten Landwirtschaftsbetriebe des Kantons. Im «Klosterladen» werden Brot und Gebäck, Käse, Fleischprodukte, Obst, Wein, Bier und Tee aus eigener Produktion verkauft. Wanderer brauchen somit nicht einmal ein Picknick vorzubereiten, sondern können sich gleich vor Ort mit regionalen Köstlichkeiten eindecken.
Solcherart ausgerüstet umrundet man die Klosteranlage auf der Westseite und steigt im dahinterliegenden Wald einige Dutzend Höhenmeter auf. In Sachen Höhendifferenzen war's das eigentlich schon; später geht es meist ebenen Wegs voran, unterbrochen nur von kleineren, leichten Auf- und Abstiegen.
Den Wald lässt man schon bald wieder hinter sich und betritt weites, flaches Acker- und Wiesland. An den Gehöften Vorderhorben, Grundwies und Seehof vorüber geht es bei schönen Ausblicken zu den umliegenden Wäldern und Hügeln an den Hüttwilersee. Der Wanderweg führt zwar mehrheitlich nicht direkt dem Wasser entlang, doch ein Holzsteg und die angrenzenden Passagen gestatten trotzdem schöne Einblicke in die vielfältig beschaffene Uferlandschaft. Flachufer, Riedwiesen, Moorgräben, kleine Tümpel und gestufte Waldränder wechseln sich ab und sorgen zu jeder Jahreszeit für ein buntes Mosaik von Formen und Farben.
Schon bald rückt nahe des westlichen See-Endes eine markante Kuppe ins Blickfeld, auf der eine grosse Ruine steht. Es handelt sich um die Überreste der einstigen Burg Helfenberg. Sie liegt nur einen Steinwurf von der Wanderroute entfernt. Die Burg bestand gemäss archäologischen Befunden bereits um das Jahr 1200 und wurde wohl schon vom 15. Jahrhundert an nicht mehr bewohnt. Die malerische Anlage eignet sich bestens für eine aussichtsreiche Rast: Sie ist mit einer grossen Feuerstelle ausgestattet, von der man den Gipfelkranz vom Tödi bis zu den Berner Hochalpen überblickt.
Danach gelangt man zum Nussbaumersee, an dessen Ufer es mehrere öffentliche Badeplätze gibt. Bereits zur Bronzezeit siedelten Menschen auf dem Schwemmland der heutigen Halbinsel Horn. Nachdem der Seespiegel im Zweiten Weltkrieg zwecks Vergrösserung der Anbaufläche künstlich abgesenkt worden war, traten verschiedene Fundstücke zu Tage, darunter Schmuckperlen und Keramikgefässe.
In leichtem Aufstieg geht es ins Dörfchen Nussbaumen. Nun folgt ein besonders reizvoller Abschnitt. Er führt an langen Reihen von Rebstöcken vorbei über die Kantonsgrenze ins Zürcher Weinland. Der Ausblick in die Ebene und über Hügel und Wälder hinweg zu den Alpen ist prachtvoll. Die abwechslungsreiche Wanderung endet im Weinbaudorf Stammheim, das mit seinen zahlreichen gut erhaltenen Riegelbauten über ein bemerkenswert schönes Ortsbild verfügt.