Auf dem Weg von Hellikon nach Wegenstetten

Zur Fledermaus-Kolonie im Möhlintal

  • Zeiningen

  • Chriesiberg

  • Hellikon

  • Wegenstetten


REGION: Nordwestschweiz
MARSCHZEIT: 3 h
AUFSTIEG: 340 m
TIEFSTER PUNKT: 340 m
VERPFLEGUNG: Restaurant Adler, Wegenstetten
ANREISE: Mit dem Postauto nach Zeiningen/Mitteldorf
MERKMALE: Familientauglich / Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 9,3 km
Abstieg: 250 m
Höchster Punkt: 543 m
Ideale Jahreszeit: Ganzjährig begehbar
Rückreise: Ab Wegenstetten/Oberdorf mit dem Postauto
   

Im Möhlintal zeigt sich der Aargau von einer überraschend ländlichen Seite. Wiesen und Wälder, kleine Dörfer und sanfte Hügelzüge prägen das Gesicht dieser Landschaft. Die vorliegende Wanderung beginnt beim Taleingang in Zeiningen und führt nach Wegenstetten; im hintersten Dorf des Tals befindet sich eine der bedeutendsten Fledermauskolonien der Schweiz. 1,4 auf Hartbelag im Raum Hellikon, sonst mehrheitlich Naturwege.

Zum Einstieg geht es gleich mal zackig aufwärts: In Zeiningen führt ein steiles Strässchen von der Hauptstrasse den Hang hoch zum Wald. Das war’s dann aber auch schon mit jähem Aufstieg. Im ersten Teil der Route folgen zwar noch einige weitere ansteigende Passagen, doch die Topografie ist sanft, entsprechend mässig sind die Hangneigungen.
Mild ist hier nicht nur das Terrain, sondern auch das Klima. Das Tal des Möhlinbachs ist windgeschützt und obendrein deutlich mehr von der Sonne verwöhnt als die benachbarten Regionen südlich der Jurakette. Sogar Reben werden hier angebaut. An erhöhter Lage zieht sich die Wanderroute auf einem Kiessträsschen dem Hang entlang, beidseits gesäumt von langen Reihen von Weinstöcken. Später durchquert man ausgedehnte Wiesenflächen mit unzähligen grossen Kirschbäumen – das zweite landschaftsprägende Element der Gegend. Dann geht es in den Wald. In sanftem Aufstieg zieht sich der Weg zum aussichtsreichen Chriesiberg hoch. Auf der nördlichen Seite der grünen Hochebene erblickt man ein Stück Rhein, Richtung Süden erstrecken sich Hügelwellen bis an den Horizont.
Bereits bei der Wegkreuzung im Spitzgraben passiert man eine erste befestigte Feuerstelle. Sonniger und aussichtsreicher ist der zweite Picknickplatz bei der nächsten Wegverzweigung (oberhalb der Waldlichtung Ärstel). Den dritten Rastplatz passiert man beim Ausgang der Wanderroute aus dem Frauenholz; dieser ist sogar mit einem kleinen Spielplatz ausgestattet.
Auf Quartiersträsschen gelangt man ins Dorfzentrum von Hellikon. Auf der anderen Seite der Hauptstrasse steigt man, weiterhin auf einem asphaltierten Strässchen, an der Kirche vorüber zu einem Wäldchen hoch, an dessen Ende man bereits die markante Kirche von Wegenstetten erblickt.
Das ehemalige Bauerndorf am Ende des Möhlintals ist noch heute sehr ländlich geprägt. Es birgt eine stille, aber interessante Attraktion: An der Hauptstrasse 72 befindet sich das «Flederhaus». Das stattliche Steingebäude wurde Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet und war ursprünglich als Gaststätte konzipiert, weshalb es über überraschend grosszügig dimensionierte Räume verfügt. So verfügt es beispielsweise über einen ungewöhnlich hohen Tanzboden. Später diente das Haus als Bauern- und Wohngebäude, verfiel aber im Laufe des 20. Jahrhunderts zusehends. Die Naturschutzorganisation Pro Natura konnte das Trottenhaus, wie es im Dorf genannt wurde, nach der Jahrtausendwende erwerben. Der ungewöhnliche Akt hatte einen speziellen Hintergrund: Im Dachstock der angebauten Scheune nistet im Sommer eine der letzten Kolonien der Grossen Hufeisennase, einer vom Aussterben bedrohten Fledermausgattung.
Durch behutsame Sanierungsarbeiten wurde sichergestellt, dass den Tieren dieser kostbare Lebensraum erhalten bleibt. Im Rahmen der Renovation wurde auch der Wohnteil saniert; ein Teil der Räume dient nun als Ferienwohnung. Auch nach der Sanierung verfügt das Gebäude über einen hohen Anteil an originaler Bausubstanz sowie über verschiedene historische Ausstattungsteile; es präsentiert sich damit als bedeutendes Zeugnis der regionalen Bau- und Wohnkultur.