
Wanderung Brugg - Habsburg - Wildegg
Das Anti-Rütli der Schweiz
Wanderzeit: 3 h 10 min
Schwierigkeitsgrad: T1 Wandern *
Saison: Ganzjährig begehbar
Die Wurzeln einer einstigen europäischen Grossmacht liegen auf einem Hügel im Aargau: Von der Habsburg expandierte das gleichnamige Adelsgeschlecht nach Österreich. Unweit davon befindet sich Schloss Wildegg. Eine einfache Wanderung verbindet die beiden stattlichen Burganlagen. 75% der Strecke sind frei von Asphalt.
Detaillierte Routenbeschreibung
Von wegen Mittelalterromantik: Die Wanderung ab Brugg zum Schloss Habsburg beginnt modern, und zwar auf eher unansehnliche Weise, indem man zunächst der Hauptstrasse entlang marschiert. Nach der Unterquerung der Bahnlinie wird es dann etwas ruhiger, doch noch immer kommt man nur auf Asphalt voran. Immerhin ist das Wohnquartier von Windisch, das man nun durchquert, von hübschen alten Häusern und Villen geprägt.
Unweit davon fand im frühen 14. Jahrhundert ein Mord statt, der die Schweizer Geschichte massgeblich beeinflussen sollte. Wegen eines Erbstreits wurde Albrecht V., der Graf von Habsburg, auf freiem Feld ermordet. Die Erfolgsgeschichte seiner Familie erhielt dadurch einen jähen Dämpfer. Die Habsburger waren ursprünglich eines von verschiedenen lokalen Adelsgeschlechtern, die im Mittelalter auf dem Gebiet der heutigen Schweiz herrschten. Durch geschickte Erwerbs- und Heiratspolitik gelang es ihnen, ihre Besitztümer um Gebiete im Elsass und im heutigen Österreich zu erweitern. Einen wesentlichen Grundstein zu dieser Expansion hatte Albrechts Vater Rudolf IV. von Habsburg gelegt, der seinen Aufstieg mit der Wahl zum römisch-deutschen König hatte krönen können.
Nach dem Tod seines Sohns und Nachfolgers entstand ein Machtvakuum, in das schon bald eine neue lokale Macht vorstossen sollte: Die auf dem Gebiet der heutigen Zentralschweiz von freien Bauern gegründete Eidgenossenschaft entwickelte sich zu einem Antipoden der Habsburger. Nicht zuletzt aus diesem Grund setzte das Aargauer Landadelsgeschlecht seine Expansion nicht in den Stammlanden, sondern im Osten, im heutigen Österreich, fort. Der Rest ist Geschichte: Die Habsburger bauten im Laufe der Zeit ein Imperium auf, das während Jahrhunderten Mittel- und Osteuropa dominierte.
Von Windisch ist es nicht mehr weit bis zum Schloss Habsburg. Ausserhalb des Siedlungsgebiets gelangt man in den Wald. Auf einem schmalen Pfad, später auf Schottersträsschen geht es zunächst ebenen Wegs voran, dann mässig steil ansteigend zum Dorf Habsburg. Die gleichnamige Burganlage liegt noch etwas weiter oben. Sie ist heute nur noch teilweise erhalten. Namentlich vom nordöstlich gelegenen Teil, der vorderen Burg, sind einzig Grundmauern übrig. Intakt ist hingegen die hintere Burg mit dem grossen Turm. Sie birgt neben einem Restaurant auch ein Museum, das sowohl die Bau- und Siedlungsgeschichte als auch den Aufstieg der Habsburger thematisiert. Im Burghof befindet sich der tiefste mittelalterliche Sodbrunnen der Schweiz: Fast siebzig Meter tief wurde seinerzeit gebohrt, damit die Burgbewohner mit Wasser versorgt werden konnten.
Vom Schlosshügel steigt man an einem kleinen Rebberg vorbei zu einer grasbewachsenen Ebene ab. Nachdem man diese durchquert hat, geht es eine gute Weile im Wald weiter. Die Strecke ist Teil des «Geo-Wegs». Der Themenweg stellt geologische und geomorphologische Eigenheiten der Gegend vor. So erfährt man etwa, dass am Scherzberg vom 17. bis ins 19. Jahrhundert beachtliche Mengen von Eisenerz abgebaut wurden. Der Rohstoff lag in Form von bohnenförmigen Erzknollen vor, die im Tagbau gewonnen werden konnten und einen Eisengehalt von bis zu 50% aufwiesen. Allein im 18. Jahrhundert baute man in der Gegend bis zu 4000 Tonnen Erz ab.
Zur Vegetationszeit schränkt auf diesem Abschnitt naturgemäss Blattwerk die Aussicht ein. Es gibt jedoch eine Ausnahme, und sie ist ziemlich spektakulär: Oberhalb von Schinznach fällt das Terrain gegen Westen nahezu senkrecht ab. Am äussersten Rand dieser Klippe geniesst man eine fulminante Aussicht auf die als breiter Strom dahinziehende Aare und hinüber zum Jura.
Im Gebiet Chärneberg öffnet sich die Sicht erneut. Kurz, aber steil geht es dem Waldrand entlang aufwärts, dann erreicht man den höchsten Punkt der Tour. Ein sich sanft, jedoch kontinuierlich senkender Waldpfad führt zum zweiten historischen Schlossbau an dieser Wanderroute: Schloss Wildegg wurde im 13. Jahrhundert als eine Art Filiale der Habsburg errichtet; damit wollte man den Zugang von Südwesten her kontrollieren. Die Burg wurde im 17. Jahrhundert zu einem Barockschloss umgebaut. Zur prachtvollen Anlage gehören ein parkähnlicher Nutzgarten, ein Museum sowie ein Restaurant. Ferner steht ein grosser Rastplatz mit Feuerstelle und einem angrenzenden Spielplatz zur Verfügung.
Zum Abschluss der Tour wird es nochmals etwas unansehnlich. Während der Abstieg am Schlossgarten vorbei noch ausgesprochen idyllisch verläuft, geht es anschliessend wieder einer vielbefahrenen Hauptstrasse entlang ins Dorfzentrum und zum Bahnhof von Wildegg.











