
Wanderung Kemmeribodenbad - Chüblisbüehl
Der Kemmeriboden – tiefstes Emmental
Wanderzeit: 2 h 15 min
Schwierigkeitsgrad: T1 Wandern *
Saison: Mai - November
Auf kurzer Strecke eine grosse landschaftliche Vielfalt gibt es auf der Rundwanderung vom Kemmeribodenbad nach Hinder Schönisei zu erleben. Zwei Hängebrücken über die junge Emme verleihen der Tour zusätzliche Würze. Mehr als 80% der Strecke verlaufen auf Naturbelag.
Detaillierte Routenbeschreibung
Tief im Emmental liegt das Dorf Schangnau, noch ein paar Kilometer weiter hinten befindet sich der Kemmeriboden. Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte man dort auf der Suche nach damals rarem und entsprechend wertvollem Salz zwei Mineralquellen. Ein findiger Bauer gründete in der Folge einen kleinen Gastwirtschaftsbetrieb samt Heilbad. Später wurde dem Betrieb ein Bauernhof angegliedert. Das Anwesen florierte zusehends und entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer schweizweit bekannten Institution. Auch im 21. Jahrhundert läuft der Hotelbetrieb gut, nicht zuletzt dank der Erweiterung um Seminarangebote. Hingegen musste der Badebetrieb 1988 angesichts der aufkommenden Wellness-Welle eingestellt werden.
Eine andere Tradition des Hauses hat jedoch überlebt. Um den auf dem Hof reichlich anfallenden Rahm zu verwerten, entwickelten die Wirtsleute vor dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit einem lokalen Bäcker ein Eierschnee-Gebäck, das sie ihren Gästen fortan als Dessert servierten. Die Kemmeribodenbad-Meringues geniessen noch immer Kult-Status. Die Dessertkreationen sind ziemlich üppig. Da liegt es nahe, der Verdauung durch einen vorgängigen oder nachfolgenden Spaziergang etwas auf die Sprünge zu helfen.
Dafür eignet sich etwa eine Runde, die emmeaufwärts nach Hinder Schönisei führt. Gestartet wird bei der Holzbrücke nahe des Hotels Kemmeribodenbad; der Übergang besteht seit rund 200 Jahren und wurde in dieser Zeit mehrfach von der Hochwasser führenden Emme mitgerissen, letztmals im Sommer 2022. Auf der nördlichen Seite der Emme geht es im Wald zunächst ordentlich steil aufwärts, bis man im Gebiet Hirschwendiberg auf Weideland gelangt. Hier flacht sich gleichzeitig das Trassee ab.
Bei schöner Aussicht ins Tal der jungen Emme und zur Augstmatthornkette geht es weiter zur Wegverzweigung im Gebiet Schneebärgli, wo man zum Bärselbach absteigt. Der schmale Steg, der hinüberführt, bietet einen reizvollen Tiefblick auf einen kleinen, aber eindrücklichen Wasserfall. In der Flanke des Chüblisbüels gelangt man zum Gehöft Vorder Schönisei und von dort auf einem Asphaltsträsschen hinunter nach Hinder Schönisei. Eine Hängebrücke (genannt Teufelsbrücke) überwindet dort eine malerische kleine Schlucht, durch deren Grund die Emme fliesst.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Flüsschens ignoriert man den nach links Richtung Habkern und Hohgant abgehenden Wanderweg und hält sich stattdessen an das Kiessträsschen, das sich zur Strassenbrücke bei Küblisbühl senkt. Es lohnt sich, hier einen Blick zum Zusammenfluss von Emme und Schöniseibach zu werfen. Das Wasser hat tiefe Rinnen in den Kalkstein gegraben und auf diese Weise im Bachbett bizarre Karstformationen entstehen lassen.
Nachdem man die Emme erneut überquert hat, gelangt man wieder auf den offiziellen Wanderweg, der auf dem nun folgenden Abschnitt als Skulpturenweg ausgeschildert ist. Kunstvoll und witzig ausgestaltete Figuren aus Holz, Stein und Metall säumen die Strecke. Der einfache Naturweg verläuft mehr oder weniger direkt dem Wasser entlang, quert dann auf einer weiteren Hängebrücke – der Skulpturenwegbrücke – nochmals die Emme und schlängelt sich am Ufer weiter talauswärts. Auch hier empfiehlt es sich, die abenteuerlichen Gesteinsschichtungen im Flussbett näher zu betrachten. Abgeschliffene Felsplatten, lauschige Schattenplätzchen und kleine Wasserbecken laden zum Verweilen ein.
Nach einer Weile erreicht man die Strasse, die zurück zum Hotel Kemmeribodenbad führt. Für die letzten 200 Meter lässt man den Asphalt nochmals hinter sich und schwenkt auf den Fussweg «Kemmeriboden-Bankgeheimnis» ein. An acht Stationen stehen dort hölzerne Sitzbänke und Informationstafeln, die mit grossformatigen Schwarzweiss-Fotos und anekdotischen Texten Einblick in Geschichte und Traditionen der Region geben.











