Einen Steinwurf von der Piste entfernt: Naturschutzgebiet Bachenbülacher Allmend

Wanderung Flughafen-Rundweg Kloten

Schräg und überraschend: Der Flughafen-Rundweg

  • Zürich/Flughafen

  • Himmelbach

  • Pistenende

  • Oberglatt

  • Zürich/Flughafen


REGION: Mittelland
MARSCHZEIT: 4 h
AUFSTIEG: 110 m
TIEFSTER PUNKT: 417 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit der Bahn nach Zürich Flughafen
MERKMALE: Rundwanderung / Themenweg / Familientauglich / Auch/nur im Winter / Am Wasser
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 16,8 km
Abstieg: 110 m
Höchster Punkt: 438 m
Ideale Jahreszeit: Ganzjährig begehbar
Rückreise: Ab Zürich Flughafen mit der Bahn
   

Eine der verrücktesten Wanderrouten der Schweiz führt rund um den Flughafen Zürich/Kloten. Die Stahl-Beton-Glas-Landschaft rund um die Terminals steht in einem krassen Kontrast zu den idyllischen Naturschutzgebieten am Rand des Pistenraums. Die Strecke ist durchwegs rollstuhlgängig und verläuft rund zur Hälfte auf Naturbelag.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Einstieg und der Abschluss dieser Wanderung sind grässlich. Man muss längere Zeit der Flughafenstrasse und der Flughofstrasse entlangmarschieren – vielbefahrenen Asphaltschneisen, die von brutaler Zweckarchitektur gesäumt sind. Als Fussgänger fühlt man sich hier fehl am Platz. Der Grund, solche Pein gleichwohl auf sich zu nehmen, ist das Dazwischen. Die Landschaft rund um die Terminals ist zwar mit Beton und Asphalt völlig zugekleistert, doch nordwestlich davon hat es viel freien Raum. Wo einzig gestartet und gelandet wird, gibt es reichlich Natur: Am Rand des Pistenraums formen Trockenwiesen, Auenwälder, Sümpfe und Teiche ein wunderschönes landschaftliches Mosaik. Ausgerechnet an einem der schlimmsten und lärmigsten Unorte der Schweiz konnte sich auf diese Weise ein zauberhaftes Naturparadies erhalten.
Ausgangspunkt der Rundwanderung ist der Car-Terminal direkt vor dem Eingang zum «Airport-Shopping». Ihn zu finden, ist nicht so einfach für jene, die mit dem Zug anreisen, denn für sie ist eigentlich nur eine Richtung vorgesehen – ab zu den Check-In-Schaltern und Gates. Doch wenn man sich bei den Rolltreppenaufgängen an die Aufschrift «Bus/Tram» hält, entkommt man dem Labyrinth der Läden, Restaurants und endlosen Gänge erfolgreich.
Vor dem Flughafeneingang schwenkt man nach links und passiert auf dem Trottoir der Flughafenstrasse Hotels, Parkhäuser und Gebäude mit diffuser Zweckbestimmung. Nach einer Weile taucht an einem Pfahl ein erster Wanderweg-Rhombus auf. Er ist allerdings nicht gelb, sondern weiss und zeigt in der Mitte ein Rollstuhl-Piktogramm. Der «Flughafen-Rundweg» ist eine offizielle SchweizMobil-Route, wird aber nicht in der Kategorie Wanderwege, sondern als hindernisfreier Weg aufgeführt.
Der grösste Teil der Route ist zwar gelb signalisiert, doch ein kleiner Teil liegt ausserhalb des Wanderwegnetzes; konkret betrifft dies den Anfang (vom Flughafengebäude bis an den Dorfrand von Kloten) sowie den Schluss (von der ARA Kloten zurück zum Flughafengebäude). Der Flughafen-Rundweg weist einen relativ hohen Anteil Hartbelagsabschnitte auf – rund die Hälfte der Gesamtstrecke verläuft auf Asphalt, die andere Hälfte auf Kies. Das hat immerhin den Vorteil, dass der Rundweg durchwegs sowohl rollstuhl- als auch kinderwagengängig ist.
Zu Beginn wandert man einer Autobahn entlang, die auch zweimal unterquert wird. Danach wird die Umgebung zusehends grün. Vor dem Hauptsitz der Rettungsflugwacht erstreckt sich eine grosse Wiese mit zahlreichen Obstbäumen. Auf einem breiten Kiesweg wandert man von hier an direkt dem Pistenraum entlang. Durch den hohen Sicherheitszaun sieht man die startenden und landenden Flugzeuge. Auf der anderen Seite des Wegs fliesst der Brunnbach in einem von Gras und Bäumen gesäumten Bett dahin.
Vollends idyllisch wird es im Naturschutzgebiet Bachenbülacher Allmend. Streuwiesen mit bunter Blumenvielfalt, Flachmoore und Teiche bieten zahlreichen seltenen Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. Wenn nicht gerade ein Flugzeug vorbeidonnert, kann man hier Grillen zirpen, Frösche quaken und den Kuckuck rufen hören. Mit etwas Glück bekommt man auch einen Graureiher zu Gesicht.
Am Pistenende (die Örtlichkeit ist auf den Wanderwegweisern tatsächlich so vermerkt) folgt man auf separatem Geh- und Veloweg für kurze Zeit der Strasse in Richtung Oberglatt. Bei klarem Wetter reicht die Sicht bis zu den Gipfeln der Glarner und Innerschweizer Alpen. Schon bald wandert man wieder querfeldein. Die Gegend ist ausgesprochen ländlich: Auf Wiesen weiden Kühe, am Dorfeingang von Oberglatt steht ein wunderschönes altes Riegelhaus, gegenüber stellt ein Landmaschinengeschäft Traktormodelle aus.
Bei der alten Holzbrücke in Oberglatt erreicht man die Glatt, bleibt aber diesseits des Flüsschens. Ein schnurgerades Kiessträsschen führt südwärts dem Wasserlauf entlang. Das Marschieren auf dieser Strecke (die zugleich als Veloroute genutzt wird) mag auf Dauer zwar etwas monoton sein, doch die Altläufe der Glatt, wie das Gebiet mit seinen Totarmen und Sümpfen heisst, bieten gleichwohl landschaftliche Abwechslung. Informationstafeln am Weg informieren über die Ökologie der Feuchtgebiete und die dort ansässigen Lebewesen.
Auf Höhe der ARA Kloten verlässt man den Uferweg und schwenkt auf das Trottoir ein, das entlang der Autopisten zurück zum Flughafen-Haupteingang führt.