Auf dem Limmat-Uferweg zwischen dem Kloster Fahr und Dietikon

Wanderung Zürich-Dietikon

Zürichs blaugrüne Ader

  • Zürich

  • Werdinsel

  • Kloster Fahr

  • Dietikon


REGION: Mittelland
MARSCHZEIT: 3 h 20 min
AUFSTIEG: 70 m
TIEFSTER PUNKT: 385 m
VERPFLEGUNG: Picknickplatz beim Kloster Fahr
ANREISE: Mit der Bahn nach Zürich HB
MERKMALE: Auch/nur im Winter / Am Wasser
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 13,2 km
Abstieg: 90 m
Höchster Punkt: 409 m
Ideale Jahreszeit: Ganzjährig begehbar
Rückreise: Ab Dietikon mit der Bahn
   

Die Limmat ist intensiv genutztes Naherholungsgebiet der Agglomeration Zürich. Auf dem Uferweg vom Stadtzentrum nach Dietikon gibt es gleichwohl mehrere Wander-Highlights. Dazu gehören lauschige Naturlandschaften, schöne Badeplätze und interessante Zeugen alter und neuer Baukultur. Wenig Hartbelag.

Der Blick auf die Karte ist abschreckend: Wie schwarze Krakenarme dehnen sich die Agglomerationsgebiete der grössten Schweizer Stadt in alle Himmelsrichtungen aus. Eines dieser Tentakel erstreckt sich durch das Zürcher Limmattal bis weit in den Aargau. Die Gegend ist grossflächig mit Häusern, Strassen und Schienenwegen zugepflastert. Und da sollte man durchwandern? Ja doch, unbedingt! Wie ein grünes Band schlängelt sich die Limmat durch den urbanen Dschungel. Der Fluss schlägt mit seiner Uferlandschaft gleichsam eine grüne Schneise in die Betonwüste. Wer dem Wasserlauf folgt, hat kaum je den Eindruck, eine Stadt zu durchqueren. Vielmehr streift man durch eine Auenlandschaft, die zwar zuweilen sichtbar verbaut ist, stellenweise aber noch immer ihren ursprünglichen Charakter zeigt.
Eines wird sich allerdings kaum je einstellen in dieser Gegend, nämlich das Gefühl der Einsamkeit. Die Uferwege entlang der Limmat sind städtische Naherholungszone. Sie dienen nicht nur als Spazier- und Wanderwege, sondern auch als Rollfelder für Kinderwagen und Kleinkindervelos sowie als Auslaufpisten für Jogger und Biker. Auch auf dem Wasser herrscht oft mächtig Betrieb: An Hochsommertagen tummeln sich auf der Limmat Dutzende von Schlauchbooten, deren Fahrgäste den Uferraum mit alkoholbefeuerter Partystimmung beschallen; zwischen ihnen ziehen Standup-Paddler ihre Kreise.
Der Ausgangspunkt der Wanderung liegt gegenüber dem nordöstlichen Ende der grossen Halle des Hauptbahnhofs Zürich: Zwischen dem Landesmuseum und der Limmat steht der Wegweiser, der den Einstieg in den Limmat-Uferweg signalisiert. Durch den Platzspitz-Park gelangt man zum Drahtschmidli-Steg, wo auf die rechte Seite der Limmat gewechselt wird. Nach der Einmündung der Sihl wird das Areal des Letten-Flussbads durchquert. Auf der gegenüberliegenden Flussseite steht der Swissmill-Tower. Mit 118 m Höhe gilt das Bauwerk als höchstes Getreidesilo der Welt und als zweithöchstes Gebäude der Stadt Zürich. Rund ein Drittel des in der Schweiz konsumierten Getreides wird dort verarbeitet.
Vom Hardturmsteg an verläuft auch auf der linken Flussseite ein Uferweg. Es empfiehlt sich indessen, auf der nördlichen Seite des Flusses zu bleiben. Die Werdinsel eignet sich ideal für eine Rast: Hier gibt es zahlreiche reizvolle Badestellen sowie Picknickplätze und Ruhebänke. Auf den folgenden zwei Kilometer flussabwärts ist das Bett der Limmat in den Jahren von 2013 bis 2018 mit beträchtlichem Aufwand renaturiert worden. Wo der Fluss zuvor jahrzehntelang in ein starres Korsett gezwängt war, kann er sich nun wieder deutlich freier bewegen. Das ist nicht nur für das Auge schöner, sondern hat auch Tieren und Pflanzen wertvollen Lebensraum zurückgebracht. Die Massnahmen tragen zudem zu besserem Schutz vor Hochwasser bei.
Die zweite Hälfte des renaturierten Abschnitts ist trotzdem nicht besonders lauschig. Der Wanderweg unterquert zunächst die A1 und führt danach eine Weile lang dicht der Autobahn entlang. Die mageren Gehölze schirmen zwar die Sicht auf den Strom der Autos ab und lenken den Blick auf das Wasser, doch das Getöse ist gleichwohl beträchtlich.
Beim Kloster Fahr hingegen ändert die Atmosphäre komplett. Der Klosterbezirk ist in mehrfacher Hinsicht eine Insel: Politisch ist er eine aargauische Exklave im Kanton Zürich, in religiöser Hinsicht repräsentiert er vom Protestantismus umschlossenes katholisches Hoheitsgebiet, und wirtschaftlich gesehen ticken hier die Uhren völlig anders als in den umliegenden Industrie- und Dienstleistungszonen: Die rund 20 Nonnen gestalten ihr Leben nach den Regeln des heiligen Benedikt. Eine der bekanntesten von ihnen war Schwester Hedwig, die unter ihrem bürgerlichen Namen Silja Walter auch schriftstellerisch tätig war. In einem Gedicht beschrieb sie ihr «Kloster am Rand der Stadt» als «Welt, in der sich Erd und Himmel stets begegnen».
Der Name des Klosters geht auf die Fähre zurück, die an dieser Stelle seit Jahrhunderten für die Verbindung zwischen den beiden Limmatufern sorgt. Als Wanderer könnte man somit bereits hier auf die südliche Seite des Flusses wechseln. Es empfiehlt sich allerdings, vorerst auf dem Nordufer zu verbleiben und das von der Müligiesse geschaffene Halbinselchen zu durchqueren. Danach verläuft der Wanderweg an leicht erhöhter Lage mit schönen Ausblicken auf das Wasser Richtung Dietikon. Nach der Wegverzweigung Werd führt ein Steg entlang der Autobahn hinüber zur S-Bahn-Haltestelle Glanzenberg. Weiterhin der Limmat entlang geht es zum Bahnhof Dietikon.