Idylle am Gubrist: Unterwegs in den Weininger Rebbergen

Wanderung Schlieren-Höngg

Staufrei über das Limmattaler Kreuz

  • Schlieren

  • Kloster Fahr

  • Weiningen

  • Grünwald

  • Höngg


REGION: Mittelland
MARSCHZEIT: 3 h
AUFSTIEG: 240 m
TIEFSTER PUNKT: 389 m
VERPFLEGUNG: Diverse Gaststätten in Weiningen
ANREISE: Mit der Bahn nach Schlieren
MERKMALE: Auch/nur im Winter / Am Wasser
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 10,8 km
Abstieg: 160 m
Höchster Punkt: 543 m
Ideale Jahreszeit: Ganzjährig begehbar
Rückreise: Ab Zürich/Wieslergasse mit dem Bus
   

Von der Industriezone in Schlieren über den Autobahnknoten Limmattaler Kreuz bis zum Flaschenhals am Gubrist: Die Tour im Westen der Stadt Zürich scheint eine heisse Anwärterin auf den Preis für die hässlichste Wanderroute zu sein. Aber weit gefehlt: Der Verkehr ist erträglich, der Weg verläuft durch Auenwälder und zu aussichtsreichen Rebbergen. Der Hartbelagsanteil liegt allerdings nahe bei 50 Prozent.

Es ist ein Kreuz mit der Autobahnkreuzung bei Weiningen: Praktisch jeden Tag stockt dort der Strassenverkehr. Das Limmattaler Kreuz ist als Hotspot des Verkehrsstaus national bekannt und berüchtigt. Als bahnfahrenden Fussgänger können einen die immergleichen Verkehrsmeldungen eigentlich kühl lassen. Doch eines Tages meldet sich die Versuchung, diesen Unort einmal mit eigenen Augen und im Rahmen der eigenen, nichtmotorisierten Möglichkeiten zu erleben. Das ist problemlos möglich, denn das Schweizer Wanderwegnetz ist auch hier lückenlos.
Mit der S-Bahn fährt man durch unendlich scheinende Gewerbezonen und Wohnsilos zum Ausgangspunkt der Wanderung, dem Bahnhof Schlieren. Die Wanderroute Richtung Norden verläuft erst durch ein Strassenlabyrinth, zweigt dann aber schon bald ins Grüne ab, führt gar einer ausgedehnten Kulturlandfläche entlang und danach durch Schrebergärten an die Limmat.
Der Uferweg, der den Fluss auf dessen nördlicher Seite säumt, liegt zwischen dem Wasser und den hinter Schallschutzwänden kaum hörbar dahinflitzenden Autos. Durch einen schönen Auenwaldabschnitt kommt man zur Bar Testa Rossa, einer chaotischen Mischung aus Besenbeiz, Kleintierzoo und Skulpturengarten, und erreicht danach das Kloster Fahr. Das Benediktinerinnenkloster wurde 1130 gegründet und verfügt über ein ausgedehntes Landwirtschaftsgut. Der eigentliche Klosterbezirk ist eine Exklave des Kantons Aargau.
Wieder auf Zürcher Boden geht es in leichtem Anstieg weiter durch Wiesland. Unterwegs werden die beiden Äste der Nationalstrasse A1 überquert; im Nordosten zeigt sich ein bewaldeter Hügel – der Gubrist. Tagsüber herrschen auf den Fahrbahnen meist geordnete Verhältnisse, die Staus ereignen sich zu Zeiten, da Wanderer normalerweise noch nicht oder nicht mehr unterwegs sind.
Im einstigen Bauerndorf Weiningen wird noch heute Rebbau betrieben und Wein gekeltert. Das sieht man spätestens, nachdem man den Ortskern durchquert hat und oberhalb des Dorfs in der Gubrist-Flanke Richtung Unterengstringen wandert. Vom Rebhang geniesst man einen schönen Blick hinüber zum Heitersberg und zu den Glarner Alpen. Aus der Tiefe brüllen verhalten die Motoren herauf, über den Wald hinweg schweben immer wieder Flugzeuge, die im nahen Kloten gestartet sind.
Als Unort lässt sich diese Gegend trotzdem nicht bezeichnen. Der fussgängerfreundliche Kiesweg bietet nämlich nicht nur Aussicht, sondern führt auch durch eine streckenweise ausgesprochen reizvolle Kulturlandschaft. Bemerkenswert sind etwa das ehemalige Landhaus Sparrenberg und seine Umgebung sowie der Abschnitt zwischen dem Gehöft Sonnenberg und dem Restaurant Grünwald: Weite Wiesen und stille Wälder verleihen der Landschaft einen wohltuend grosszügigen Charakter.
Schon bald wird es allerdings dezidiert städtisch. Durch eine von etlichen Hundegängern frequentierte bewaldete Spazierzone gelangt man zwischen Sportplätzen und dem Friedhof Allmend ins Quartier Höngg, das bereits Teil der Stadt Zürich ist. Von der Haltestelle Wieslergasse bringt einen der Bus direkt zum Hauptbahnhof.