
Wanderung St-Ursanne - Courgenay
Courage in Courgenay
Wanderzeit: 3 h 50 min
Schwierigkeitsgrad: T1 Wandern *
Saison: Ganzjährig begehbar
Vom engen Tal des Doubs über die weiten Höhen des Mont Terri bis in die Ebene der Ajoie führt diese Wanderung im Kanton Jura. Beim Bahnhof von Courgenay, wo die Tour endet, liegt ein Restaurant, das im Ersten Weltkrieg nationale Bekanntheit erlangte. 70% der Strecke verlaufen auf Naturwegen.
Detaillierte Routenbeschreibung
Da sassen sie also fest, im nordwestlichsten Zipfel des Landes, fern von ihren Familien und ihrem beruflichen Umfeld. Tausende von Soldaten der Schweizer Armee waren im Ersten Weltkrieg in die Ajoie verlegt worden, um dort die Grenze vor einem Einmarsch ausländischer Truppen zu schützen. Zu allem Überdruss herrschte unter ihnen noch Uneinigkeit: Während die Deutschschweizer dazu tendierten, das Deutsche Reich zu unterstützen, schlug das Herz der Romands für Frankreich.
Da trat eine Frau auf den Plan, die sowohl zu trösten als auch beherzt zu schlichten vermochte: Gilberte Montavon war als Kellnerin im elterlichen Hôtel de la Gare beim Bahnhof von Courgenay tätig. Die Herzen unzähliger Soldaten und Offiziere, die im Gasthof verkehrten, flogen der jungen Frau zu. Das veranlasste zwei Militärmusiker, ihr zu Ehren ein zweisprachiges Lied zu schreiben. «La petite Gilberte» oder «Gilberte de Courgenay», wie sie im Refrain genannt wird, sei mit 300'000 Armeeangehörigen bekannt gewesen und habe sie, vom einfachen Soldaten bis zum Major, alle miteinander «bim Zipfel und bim Ohr» gehabt.
Der Ruf als integrierende nationale Symbolfigur, den Gilberte Montavon erlangte, entfaltete etliche Jahre später erneut seine Wirkung, nun noch stärker. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die jurassische Wirtstochter zur Protagonistin eines Romans und eines sehr erfolgreichen Films, in dem besagtes Lied eine prominente Stellung einnimmt. Auf diese Weise wurde sie zu einer Schlüsselperson der Geistigen Landesverteidigung.
Das Hotel beim Bahnhof Courgenay besteht noch immer, es heisst heute allerdings anders, nämlich simpel «La Petite Gilberte». Der Bau ist weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben. Sowohl von aussen als auch im Inneren zeigt er sich etwa so wie zur Zeit, als Gilberte Montavon dort wirkte. Dennoch ist er nicht etwa ein Museumsstück, sondern eine lebendige Dorfbeiz, die sich gut für den Umtrunk zum Abschluss einer Wanderung eignet.
Eine schöne und abwechslungsreiche Tour, die sich für diesen Zweck eignet, beginnt in St-Ursanne. Ein Strässchen führt vom erhöht gelegenen Bahnhof ins Ortszentrum. Das Städtchen entstand um ein Kloster, das im Frühmittelalter gegründet worden war. Die Abtei wurde im Zuge der französischen Revolution aufgehoben, die einstige Klosterkirche dient seither als Pfarrkirche. Der malerische Stadtkern mit etlichen historischen Bauwerken liegt am Nordufer des Doubs. Der Fluss bildet hier, nachdem er aus Westen zugeflossen ist, eine Schlaufe, um danach wieder in westlicher Richtung abzufliessen.
Durch Wäldchen und über Weideland zieht sich der Wanderweg sanft aufwärts über Oisonfontaine nach Seleute. Etwas steiler geht es von dort auf dem in Richtung Porrentruy signalisierten Wanderweg weiter. Die Kehren hinauf zum Waldrand erlauben schöne Tiefblicke in die umliegende Gegend. Durch Waldgebiet erreicht man den Hügelrücken, der das Doubs-Tal von der Ajoie trennt. Dieser ist Teil des Höhenzugs des Mont Terri, der wiederum der Lomontkette angehört. Mit einer Länge von rund 100 km gilt diese als längste Kette des gesamten Juragebiets.
Für einige Minuten folgt man dem Hügelzug in westlicher Richtung, dann senkt sich der Weg in die Mulde von Vacherie-Mouillard. Der Weiler besteht aus wenigen Häusern und einer hübschen kleinen Kapelle. Auf seiner Nordseite geht es in den Wald und dort auf einem Kiessträsschen kurvenreich abwärts, bis man bei Les Longennes in der Tiefebene der Ajoie wieder offenes Gelände erreicht. Der letzte Abschnitt der Tour führt zum Bahnhof im Dorfzentrum von Courgenay und damit direkt zum einstigen Hôtel de la Gare, in dem Gilberte Montavon lebte und arbeitete.











