Auf dem Aussichtspunkt La Sombaille liegt einem La Chaux-de-Fonds zu Füssen.

Winterwanderung Le Locle - La Chaux-de-Fonds

Urbanität in der Prärie

  • Le Locle

  • La Ferme Modèle

  • La Sombaille

  • La Chaux-de-Fonds


REGION: Jura
MARSCHZEIT: 5 h 40 min
AUFSTIEG: 440 m
TIEFSTER PUNKT: 946 m
VERPFLEGUNG: Buvette du Maillard
ANREISE: Mit der Bahn bzw. mit dem Postauto nach Le Locle
MERKMALE: Auch/nur im Winter / Höhenweg
Schwierigkeit: WT1 Schneeschuhtour
Streckenlänge: 15,3 km
Abstieg: 390 m
Höchster Punkt: 1275 m
Ideale Jahreszeit: Dezember bis März
Rückreise: Ab La Chaux-de-Fonds mit der Bahn
   

Über einsame Hügelrücken führt diese Schneeschuhwanderung von Le Locle zum Aussichtspunkt Gros Crêt und danach in die zweitgrösste Stadt des Kantons Neuenburg. La Chaux-de-Fonds zelebriert urbanes Leben mitten in der grandiosen jurassischen Weite.

Auf der Nordseite des Bahnhofs Le Locle, von der eigentlichen Stadt abgewandt, steigt man erst über eine Treppe, danach auf Fusswegen und Quartiersträsschen hinauf ins Gebiet Les Monts ausserhalb des Siedlungsgebiets. Über verschneites Weideland zieht sich die mit pinkfarbigen Stangen und Fähnchen signalisierte Schneeschuhroute weiter in die Höhe. «Willkommen in Frankreich» teilen einem die Mobilfunkbetreiber oben auf der Krete mit – der Doubs und damit die Landesgrenze sind nur noch wenige hundert Meter Luftlinie entfernt.
Beim Gehöft (und Restaurant) La Ferme Modèle wechselt die Richtung von Nord nach Nordost. Die Einsamkeit der Gegend wird nur zuweilen durch einige Langläufer unterbrochen, die auf den nahen Loipen ihre Spuren ziehen. In leichtem Auf und Ab geht es über den Hügelzug des Pouillerel zum Restaurant Le Maillard. Offenes Gelände und Wald wechseln sich immer wieder ab, ebenso auf dem weiteren Weg zum Aussichtspunkt Gros Crêt. Hier wechselt die Perspektive schlagartig: Mitten in der grossartigen Weite der Juralandschaft ballen sich ellenlange Häuserzeilen und dichte Klumpen von richtigen Hochhäusern – der Anblick ist geradezu surreal.
Durch das hügelige und teilweise bewaldete Gebiet La Sombaille gelangt man an den Stadtrand. Das Schlussstück zum Bahnhof ist ein Ausflug für sich – ein Lehrstück in Sachen Urbanismus. Das Stadtbild weist eine überaus klare Grundstruktur auf: Sämtliche Hauptachsen und auch die meisten Nebenstrassen verlaufen in gerader Linie und kreuzen einander im rechten Winkel.
Das strenge Muster geht auf eine Katastrophe zurück: Ende des 18. Jahrhunderts äscherte eine verheerende Feuersbrunst den grössten Teil des einstigen Bauerndorfs ein. Die Behörden nutzten den Tiefpunkt für eine radikale Neuplanung und legten damit den Grundstein zu einer stürmischen und überaus erfolgreichen Entwicklung. Zu verdanken ist dieser Aufschwung der Uhrenindustrie und damit einem Industriezweig, der für die Region überragende Bedeutung hat.
Am prallsten ist das städtische Leben in Bahnhofsnähe. Die Hauptstrasse ist ein breiter, dicht befahrener Boulevard, der auch in Paris eine gute Figur machen würde. Anders als die Seine-Metropole ist die City in La Chaux-de-Fonds jedoch weder uferlos noch unüberschaubar: Zwei Kilometer vom Zentrum entfernt versickert die Avenue in der Prärie.