Links: Irgendwo da hinten, zwischen den Bäumen, liegt die Eisgrotte; rechts: Die Glacière de Monlési.

Wanderung Sagnettes - Glacière Monlési - Fleurier

Gletscher im Jura

  • Les Sagnettes

  • Glacière de Monlési

  • Haut de la Vy

  • Fleurier


REGION: Jura
MARSCHZEIT: 2 h 15 min
AUFSTIEG: 110 m
TIEFSTER PUNKT: 742 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit dem Postauto nach Les Sagnettes/Bifurcation Charbonnière
MERKMALE: Familientauglich
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 7,4 km
Abstieg: 480 m
Höchster Punkt: 1177 m
Ideale Jahreszeit: Anfang Mai bis Ende November
Rückreise: Ab Fleurier mit der Bahn
   

Auch im Jura gibt es Gletscher. Bloss züngeln sie dort nicht von hohen Bergen herunter, sondern verstecken sich in tiefen Erdlöchern. Der grösste von ihnen ist die Glacière de Monlési. Die Eisgrotte liegt zwar nicht an einer offiziell signalisierten Wanderroute. Mit etwas Spürsinn und gutem Kartenwerk lässt sie sich aber gleichwohl entdecken.

«Sibirien der Schweiz» steht auf einer grossen Tafel an der Strasse von Couvet nach La Brévine. Die Hochebene im Neuenburger Jura ist als Kältepol des Landes bekannt. Im Winter kann die Temperatur hier bis auf -40 Grad fallen. Selbst an heissen Sommertagen wehen kühle Winde.
Neben dem Klima ist eine geologische Laune dafür verantwortlich, dass sich in der Gegend eine kuriose Erscheinung bilden konnte: Mitten im Wald befindet sich ein nahezu kreisrundes, gut 20 m tiefes Loch. Dessen Grund ist von einer mehrere Meter mächtigen Eisschicht bedeckt, die sich unterhalb der Erdoberfläche in benachbarte Hohlräume ausdehnt. Mit einem Volumen von rund 10'000 Kubikmetern handelt es sich dabei um die grösste Glacière (Eisgrotte) des Juras und somit um den grössten Gletscher der Schweiz ausserhalb des Alpenraums.
Ein schmaler, mit einem Drahtseil gesicherter Steig sowie im untersten Teil eine Metallleiter führen in die Grotte hinunter. Um seitlich in die benachbarten Hohlräume vorzustossen, braucht man Taschenlampen, Helm, Seile und Gurtzeug. Wer nur über die übliche Wanderausrüstung verfügt, kann immerhin am Boden des Schachts die konstant kalte Luft schnuppern und einen Blick auf die Eis-Stalagmiten werfen, die sich zwischen der Gletscheroberfläche und der darüberliegenden Felsdecke gebildet haben.
Der Zugang zum Jura-Gletscher erfolgt am einfachsten von Osten her über Les Sagnettes. Von der Postautohaltestelle Les Sagnettes/Bif. Charbonnière marschiert man zunächst auf der Hauptstrasse etwa 250 Meter Richtung Couvet zurück. Danach zweigt man nach rechts ins Waldsträsschen ab, das westwärts führt. Teilweise auf begrastem Pfad, teilweise weglos erreicht man nach knapp einer Viertelstunde den Eisschacht.
Um die Tour nach dem Besuch der Grotte fortzusetzen, benötigt man nahezu pfadfinderischen Spürsinn. Am besten umrundet man die Glacière an ihrem nördlichen Rand und sucht sich zwischen den Bäumen die Spur eines schmalen, weitgehend zugewachsenen Pfads, der sich erst durch den Wald, danach am Rand der Weide sanft in die Höhe zieht. Nicht ganz einen Kilometer von der Grotte entfernt mündet die Route in den Wanderweg, der Richtung Les Charbonnières und von dort weiter nach Haut de la Vy führt. Das gleichnamige Gehöft umgeht man dem Wald entlang. Mit dem zügigen Ausschreiten über die aussichtsreiche Jura-Ebene ist es nun vorbei: Ein schmaler, steiniger Pfad führt im Wald steil nach Fleurier hinunter.