
Wanderung Alvaneu - Crap Furò - Tiefencastel
Die Bündner Mitte – eine Welt des Wassers
Wanderzeit: 4 h
Schwierigkeitsgrad: T3 Anspruchsvolles Bergwandern *
Saison: Mai - Oktober
Schwefelquellen, ein prächtiger Wasserfall und ein rauschender Gebirgsfluss säumen die Wanderung von Alvaneu Bad nach Tiefencastel. Ein Teil der Strecke verläuft auf dem «Wasserweg Ansaina». Unterwegs passiert man mit der spektakulären Felsformation Crap Furò den geografischen Mittelpunkt des Kantons Graubünden. Die Tour verläuft zu 90% auf Naturbelag.
Detaillierte Routenbeschreibung
«Pfad der Pioniere» – was für manche Ohren nach einem Jungscharen-Ausflug oder einer militärischen Übung klingt, ist die Bezeichnung einer Schweizmobil-Route, die den Nutzen von Gebirgswäldern thematisiert. Der Rundweg führt vom Bündner Bergdorf Surava in die Nordflanke des Piz Mitgel, eines Nebengipfels des Piz Ela. Das Gebiet wurde 2008 als Naturwaldreservat ausgeschieden und kann sich seither frei von menschlichen Eingriffen entwickeln. Auf kleinem Raum ballt sich dort eine überdurchschnittliche Vielfalt von verschiedenen Waldtypen. 14 Informationstafeln entlang der Strecke geben Einblick in ökologische und forstwirtschaftliche Zusammenhänge.
Der Pionierpfad braucht nicht zwingend als Rundwanderung begangen zu werden. Der interessantere Teil der Strecke verläuft an erhöhter Lage über dem Talboden der Albula; er lässt sich gut in eine Tour einbauen, die von Alvaneu talauswärts nach Tiefencastel führt. Dabei nutzt man teilweise einen weiteren Themenweg: Der «Wasserweg Ansaina» geht auf die vielfältigen und mitunter ungewöhnlichen Erscheinungsformen des Wassers in der Gegend ein.
Bereits der Auftakt der Tour erfolgt an einem besonderen Ort: In Alvaneu Bad befindet sich ein von Schwefelquellen gespiesenes kleines Thermalbad; die Anlage musste allerdings im Zuge der Corona-Pandemie aufgrund ungenügender Finanzierung ihren Betrieb einstellen. Dennoch lässt sich auf dieser Wanderung mit Leichtigkeit Schwefelduft einatmen: Vom stillgelegten Bad geht es ans gegenüberliegende Ufer der Albula und dem Golfplatz-Gelände entlang (wo sich ein grosser Rastplatz mit Spielgeräten befindet) in den Wald. Nach wenigen Minuten erreicht man ein Bächlein, das einen markanten Geruch von faulen Eiern verströmt. Das Wasser fliesst aus einem kleinen Becken, in dem die Arvadi-Quelle gefasst wird. Es weist nicht nur einen bedeutenden Schwefelgehalt auf, sondern enthält zugleich viel Eisen, wie die braunrot verfärbten Steine im Bachbett verraten.
Hinter der Quelle beginnt der Weg zu steigen. Sanft windet sich ein hübscher schmaler Pfad zwischen den Bäumen den Hang hoch. Nicht als Wanderweg signalisiert, aber als Teilstück des Wasserwegs ausgeschildert ist die Abzweigung ins Schaftobel. Der Schaftobelbach stürzt dort als prachtvoller Wasserfall über eine Felswand. Etwa 20 Minuten muss man für den (sehr lohnenden) Abstecher einrechnen. Zurück zur Abzweigung geht es auf gleicher Strecke.
Die nun folgende Aufstiegspassage ist etwas eintönig. Fast schnurgerade und in konstanter Steigung geht es dem Hang entlang voran. Bei der Infotafel Nr. 10 des «Pfads der Pioniere» hat man den höchsten Punkt der Tour schon fast erreicht. Für einen Augenblick gibt eine Lücke im Wald die Sicht frei zum gegenüberliegenden Sonnenhang des Albulatals. Die nachfolgenden einige hundert Meter verlaufen als eine Art Gratweg: Auf beiden Seiten des schmalen Pfads fällt das Terrain teilweise steil ab. Ein Aussichtspunkt bei einer schroff abfallenden Felsnadel ist zwar besonders exponiert, jedoch zugleich mit einem Kettengeländer gesichert.
Mit wenig Gefälle geht es auf gewundenem Weg durch den Bergwald weiter. Eine typische geologische Erscheinung dieser Gegend ist die Rauwacke. Dabei handelt es sich um Kalksteinblöcke, aus denen durch Verwitterungsprozesse bizarre Gebilde entstanden sind. Die eindrücklichste dieser Felsformationen ist der Crap Furò, ein nadeldünner Turm mit einem fensterartigen Loch. Er liegt etwas oberhalb des Wanderwegs; sein Fuss lässt sich auf einem schmalen, steilen Weglein erreichen. Übrigens: Der Crap Furò liegt nur wenige Meter vom geometrischen Mittelpunkt des Kantons Graubünden entfernt (diese Information ist natürlich ein bisschen unnütz, gehört aber der Vollständigkeit halber gleichwohl hierhin).
Nur wenige Minuten entfernt liegt ein Rastplatz mit Holzbänken, -tischen und einer Feuerstelle. Fortan geht es abwärts. Der Waldpfad verbreitert sich zu einem Schottersträsschen, das im Gebiet Rezgia in den Talboden der Albula mündet. Bei der Brücke über den Fluss könnte man die Tour eigentlich bereits abschliessen und in Surava das Postauto besteigen. Es empfiehlt sich jedoch, noch bis Tiefencastel weiterzuwandern. Der Abschnitt durch den Auenwald entlang der Albula ist nämlich sehr reizvoll und steht in einem interessanten Kontrast zum bisherigen Verlauf der Wanderung. Nicht stiller Bergwald bildet hier die Kulisse; der ungestüm schäumende Bergfluss ist es, der nun den Ton angibt. Gleich zu Beginn gibt es einen Rastplatz mit Spielgeräten. Später wird es einsam und wild. Zwischendurch kommt man an einer Holzbank vorbei, die direkt am Flussufer steht, ansonsten gibt es hier nur Wald und das Rauschen des Wassers.











