
Wanderung Andiast - Ruschein
Viel Sonne und Aussicht auf der Senda Sursilvana
Wanderzeit: 4 h 10 min
Schwierigkeitsgrad: T2 Bergwandern *
Saison: Mai - November
Am sonnigen Nordhang der Surselva ist die Senda Sursilvana angelegt. Das Teilstück des Höhenwegs, das Andiast und Ruschein verbindet, führt über Weideland, durch bewaldete Tobel und kleine Dörfer. Rund 60% der Wanderung verlaufen auf Naturbelag – auch ausserhalb der Siedlungsgebiete gibt es teilweise längere Hartbelagsabschnitte.
Detaillierte Routenbeschreibung
In fünf Etappen führt die Senda Sursilvana vom Oberalppass nach Chur. Die Route verläuft am Sonnenhang des Vorderrheintals und lässt sich dank feinmaschiger Erschliessung mit Bahn- und Postautolinien auf einfache Weise in massgeschneiderte Etappen gliedern. Auch das vorliegende Beispiel kann nach Belieben verkürzt oder erweitert werden, denn nicht nur der Ausgangspunkt Andiast und das Ziel Ruschein, sondern auch die dazwischen liegenden Dörfer Pigniu (Panix) und Siat sind mit Postautos erreichbar.
Von der Postauto-Endstation Andiast/vitg gelangt man auf einem Strässchen nach Sogn Giusep. Bei der winzigen Kapelle geht es ebenfalls ebenen Wegs weiter, den Hartbelag lässt man allerdings noch nicht restlos hinter sich: Zwar braucht man nicht mehr auf einer vollflächig asphaltierten Strasse zu wandern, muss dafür aber mit betonierten Spurstreifen Vorlieb nehmen, zwischen denen ein schmales Grasband angelegt ist. Solche Alibi-Naturwege waren einst in Mode, um das gesetzliche Verbot der Verstrassung von Wanderwegen zu umgehen; mittlerweile werden sie als unzulässig eingestuft, aber weil Besitzstandswahrung gilt, brauchen die einstigen Sünden nicht zurückgebaut werden. Auf der Senda Sursilvana begegnet man gleich mehreren Mustern davon.
Nach ein paar hundert Metern weichen die Betonstreifen einem Schottersträsschen, das sich ins Tal des Schmuers zieht. Am gegenüberliegenden Hang signalisiert der Kirchturm von Pigniu bereits das nächste Zwischenziel der Wanderung. Vorbei am Rastplatz Plaun Asch geht es ins Tobel des Wildbachs (der allerdings durch die höher oben liegende Talsperre des Panixersees zu einem sanften Restwasser gezähmt wird). Nach dessen Überquerung steigt man auf einem Strässchen nach Pigniu auf.
Den Hartbelag lässt man erst nach der Kapelle der Schmerzhaften Mutter Gottes hinter sich. Für eine Weile wird die Wanderung nun etwas abenteuerlich. Ein schmaler Naturpfad zieht sich den bewaldeten Steilhang hinauf. Absturzgefahr besteht nirgends, doch man muss sich vorsehen, wohin man seine Füsse setzt. Später wechseln sich Abschnitte auf Weideland und durch Bergwald mehrmals ab. Wo man offenes Gelände durchschreitet, zeigt sich der Höhenweg nun sehr aussichtsreich: Aus immer wieder wechselnder Perspektive öffnen sich prächtige Ausblicke zum Piz Mundaun und zur Signina-Gruppe.
Leicht, aber kontinuierlich absteigend gelangt man schliesslich nach Siat. Beim westlichen Dorfeingang ragt auf einem Felssporn ein steiniges Gebilde in die Höhe, das auf den ersten Blick an einen spitzen Felsturm erinnert, sich aber bei näherem Hinsehen als Überbleibsel einer mittelalterlichen Burg erweist. Die Ruine Friberg ist auf mehreren, teilweise sehr steilen und exponierten Pfaden erreichbar. Das Wegnetz erschliesst den Klettergarten Grep Casti; am Fuss der Ruine befindet sich auch ein Spielplatz mit Naturkugelbahn sowie ein Rastplatz mit Brunnen und Feuerstelle. Wem es dort zu viel Rummel hat, verlegt seine Wanderpause auf die Holzbank an der Aussenwand von Sogn Glieci; die Kirche steht ein paar hundert Meter vom östlichen Dorfrand entfernt am Rand einer Geländestufe und bietet eine grossartige Aussicht auf das Vorderrheintal.
Auf einem Kiessträsschen, später auf Asphalt steigt man nach Ruschein ab. Ehe man dort das Postauto besteigt, sollte man noch einen kleinen Abstecher zu der südlich des Dorfs liegenden Collina Plontabuora unternehmen. Das ist besonders dann zu empfehlen, wenn man die Tour im Spätherbst unternimmt. Der Felsrücken, der sich von der Dorfkirche gegen Osten erstreckt, ist nämlich mit Lärchen bewachsen, deren Nadelkleid von Mitte Oktober an vom sommerlichen Grün zu rotgoldenen Farbtönen wechselt. Der Baumbestand ist nicht etwa natürlichen Ursprungs, sondern wurde vor langer Zeit gezielt gepflanzt, damit das Terrain als Waldweide genutzt werden konnte.
In der Gegend siedelten schon in prähistorischer Zeit Menschen. Davon zeugen verschiedene archäologische Funde sowie mehrere Schalensteine. Da schriftliche Zeugnisse fehlen, ist nicht erwiesen, wozu die Vertiefungen dienten. Man vermutet, dass sie für kultische Zwecke genutzt wurden. Unweit davon steht auch hier eine Burgruine: Die Burg Frauenberg (oder Casti da Frundsberg, wie sie im örtlichen rätoromanischen Dialekt genannt wird) wurde im 13. Jahrhundert gebaut, aber vermutlich schon im 14. Jahrhundert aufgegeben, nachdem die adlige Besitzerfamilie ausgestorben war.











