
Wanderung Flüelatal - Jöriseen
Bündner Juwelen: Die Jöriseen
Wanderzeit: 4 h 25 min
Schwierigkeitsgrad: T3 Anspruchsvolles Bergwandern *
Saison: Juli - Oktober
Mehrere blaugrün schimmernde Bergseen liegen auf einer ausgedehnten Hochebene unweit des Flüelapasses. Die Jöriseen lassen sich auf einer sehr schönen und abwechslungsreichen Rundwanderung erkunden, die zu einem grossen Teil durch karge, menschenleere Gerölllandschaft führt. Die Tour verläuft durchwegs auf Naturbelag.
Detaillierte Routenbeschreibung
Eine ganze Kaskade von Berggipfeln trennt Davos und Klosters vom Unterengadin. Immerhin stellen zwei Alpenpässe – Flüela und Vereina – eine Verbindung zwischen den beiden Regionen sicher. Zwischen diesen Passhöhen liegt das Jörital. Sein oberes Ende bildet eine Hochebene, auf der sich gut ein Dutzend kleinere und grössere Bergseen verteilen. Das sind die Jöriseen. Der Flurname geht auf die lokale Abwandlung des Männernamens Georg zurück.
Vom Vereinatal her ist das Plateau in einem langen, aber unkomplizierten Anmarsch erreichbar. Kürzer ist der Zugang aus dem Flüelatal, von dem das Gebiet allerdings durch den Bergzug zwischen dem Flüela Wisshorn und dem Jörihorn getrennt ist. Dieser Felskamm ist grösstenteils abweisend und unwegsam; er weist aber zwei Lücken auf, dank denen er sich gut überschreiten lässt. Die beiden Passübergänge ermöglichen eine interessante und landschaftlich sehr lohnende Rundwanderung aus dem Gebiet des Flüelapasses zu den Jöriseen.
Anders als es der Name suggerieren mag, ist das Wägerhus am Ausgangspunkt nicht etwa ein Restaurant, sondern eine private Hütte. Es gibt bei dieser Tour somit nicht nur unterwegs, sondern auch am Anfang und am Ende keine Einkehrmöglichkeit. Ein schöner, einfacher Fussweg führt von der Postautohaltestelle mässig steil ansteigend durch karg bewachsenes Weideland, das alsbald in steinige Heide übergeht.
Bei Punkt 2349 verzweigen sich die Wege. Hier wählt man mit Vorteil den rechts Richtung Winterlücke abgehenden Pfad. Er führt in weiterhin kontinuierlich, aber nicht übermässig steilem Anstieg in eine weite Mulde in der Nordflanke des Flüela Wisshorns. Mit zunehmender Distanz von der Passstrasse wird der Verkehrslärm ferner und leiser, bald einmal herrscht fast totale Stille. Die Vegetation schwindet zügig, nun dominieren Flühe, Felsblöcke und Geröllhalden – eine faszinierende Wildnis von spröder Schönheit.
Das menschenleere Tal verengt sich zusehends, die Abhänge werden steiler, und man beginnt sich zu fragen, ob hier ohne Kletterei überhaupt noch ein Durchkommen möglich sei. Doch dann windet sich der geschickt angelegte Bergweg einen letzten, von spärlichen Wildgrasbeständen durchsetzten Hang hinauf zu einem Geländesattel. Mit jedem Schritt, den man nun weiter aufsteigt, weitet sich das Gelände und damit auch die Sicht.
Schliesslich erreicht man die Winterlücke und damit den höchsten Punkt dieser Tour. Ähnlich wie wenn sich im Theater der Vorhang öffnet, entrollt sich hier schlagartig ein grossartiges Panorama: Unten auf der Bühne zeigen sich die ersten kleineren der Jöriseen, darüber breitet sich die Gipfelkette der Silvretta aus mit der markanten Pyramide des Piz Linard im Zentrum.
Vor dieser grossartigen Kulisse beginnt nun der Abstieg. Zunächst nutzt man dafür einen gut begehbaren, griffigen Pfad. Später geht es durch eine ausgedehnte Geröllhalde, in der man den Weg zuweilen etwas suchen muss. Die hier in recht dichten Abständen angebrachten weiss-rot-weissen Bergweg-Markierungen sind dabei hilfreich. Dennoch sollte man von einer Begehung dieses Abschnitts bei schlechter Sicht (Wolken/Bergnebel) absehen, da man in der Felswüste leicht die Orientierung verlieren kann.
Der Abstieg endet beim zweitgrössten der Jöriseen. In leichtem Auf und Ab geht es nun am Rand der Hochebene in westlicher Richtung zum grössten, gold-grün schimmernden Jörisee. Das flache Ufer eignet sich bestens für eine Rast und zum Spielen und Planschen am Wasser. An heissen Tagen wagen robuste Naturen womöglich gar ein paar Schwimmzüge.
Am westlichen Ende der Seenebene beginnt der Aufstieg zum zweiten Passübergang auf dieser Tour. Zunächst nur leicht, dann immer steiler geht es aufwärts zur Jöriflüelafurgga. Nur wenige Meter unterhalb der Passhöhe gilt es ein ausgesetztes, allerdings nur wenige Dutzend Meter langes Teilstück zu passieren. Ketten und Metalltritte erleichtern den Durchstieg. Die Schlüsselstelle lässt sich im Aufstieg deutlich einfacher bewältigen, als wenn man sie in umgekehrter Richtung von oben nach unten beschreitet. Deshalb empfiehlt es sich, die Jöriseen-Runde wie hier vorgeschlagen im Gegenuhrzeigersinn anzugehen.
Wer sich die Passage nicht zutraut, kann folgende Variante in Erwägung ziehen: Bei der Wegverzweigung beim östlichen der beiden grösseren Jöriseen (es ist der erste See nach dem Abstieg von der Winterlücke) schlägt man die in Richtung Jöriflesspass signalisierte Wanderroute ein und steigt durch das Val Fless zur Postautohaltestelle Röven an der Flüelapassstrasse ab.
Der Abstieg von der Jöriflüelafurgga zurück zum Wägerhus ist lang, aber genussreich. Er weist kein übermässiges Gefälle und keinerlei exponierten Stellen auf. Bei schönster Aussicht ins Flüelatal kann man daher unbeschwert talwärts marschieren.











