Der junge Inn fliesst durch ein weites Hochtal (hier bei S-chanf).

Winterwanderung La Punt - Cinuos-chel

Wintermarsch durch die «Pfarrei»

  • La Punt

  • Zuoz/Resgia

  • S-chanf

  • Susauna

  • Cinuos-chel


REGION: Graubünden
MARSCHZEIT: 4 h 40 min
AUFSTIEG: 210 m
TIEFSTER PUNKT: 1610 m
VERPFLEGUNG: Ustaria La Staila, S-chanf
ANREISE: Mit der Bahn nach La Punt–Chamues-ch
MERKMALE: Auch/nur im Winter / Höhenweg
Schwierigkeit: W1 Winterwandern
Streckenlänge: 15,3 km
Abstieg: 280 m
Höchster Punkt: 1736 m
Ideale Jahreszeit: Dezember bis März
Rückreise: Ab Cinuos-chel–Brail mit der Bahn
   

Abseits von Champagner und Pelzmänteln gibt es noch ein «anderes» Engadin. Die Region La Plaiv wird weder von Jetset noch von Pistengaudi dominiert, sondern bietet eher stille Genüsse. Zwar gibt es einzelne Skilifte, doch in erster Linie kommen hier Langläufer und Wanderer zum Zug. Viel wechselnde Aussicht bietet der Winterwanderweg, der sich von Dorf zu Dorf durch den breiten Talboden zieht.

La Plaiv: So heisst die nordöstliche Ecke des Oberengadins. Die Bezeichnung bedeutet auf Deutsch «Pfarrei» und hat historische Wurzeln: Die heutige Tourismusregion dieses Namens ist nahezu deckungsgleich mit dem Gebiet der einstigen Pfarrei Zuoz, die seinerzeit in scharfer Konkurrenz zum Nachbarn Samedan stand. Noch heute ticken die Uhren hier etwas anders und gemächlicher als weiter oben in den mondänen Destinationen von St. Moritz, Sils oder Pontresina.
La Plaiv: So heisst auch der Winterwanderweg, der das weite Tal des jungen Inn der Länge nach durchzieht. Aufgrund der Höhenlage ist es hier das ganze Jahr deutlich kälter als im Unterland, so dass sich die Landschaft sogar in relativ schneearmen Wintern meist im weissen Kleid zeigt.
Die hier empfohlene Wanderung folgt der SchweizMobil-Route Nr. 315 weitgehend, weicht aber an zwei Stellen auf noch etwas attraktivere Varianten aus. Weil die Höhendifferenz zwischen den beiden Endpunkten der Route marginal ist, lässt sich die Wanderung grundsätzlich in beiden Richtungen auf sinnvolle Weise ausführen. In der Gegenrichtung ist die Strecke allerdings nur punktuell signalisiert, so dass man sich besser an die hier vorgeschlagene Richtung hält.
Ein Tipp noch zur Zeitplanung: Es empfiehlt sich, die Wanderung besonders zur Zeit der langen Nächte nicht zu früh am Tag zu beginnen. Ausser bei Zernez verläuft das Tal des Inn durchwegs in nordöstlicher Richtung. Im Dezember und Januar halten die Dreitausender im Südosten die Sonnenstrahlen bis in den späten Vormittag vom Talboden fern. Umso besser besonnt ist das Tal dafür jeweils am Nachmittag.
Ausgangspunkt der Wanderung ist die Brücke über den Inn, die dem Ort La Punt zu seinem Namen verholfen hat. Von der Bahnstation erreicht man sie in kurzem, an der Kirche vorbeiführendem Abstieg. Das breite, maschinell präparierte Trassee verläuft in der ersten Hälfte der Route auf der Ostseite des Flusses. Dabei rückt es mehrmals nahe an die Kantonsstrasse heran, so dass man dort zwischendurch den Verkehr rauschen hört.
Das ändert bei Zuoz/Resgia. Der gepfadete Weg führt in mässigem Anstieg vom Talboden weg und danach durch einen bewaldeten Hang. Die Bäume schirmen die Wanderer von Lärm, Hektik und auch von der Sonne ab. Die Landschaft ruht deshalb in tiefem Frieden und zeigt sich oft wunderschön verschneit.
Bei S-chanf neigt sich der Winterwanderweg zur Kantonsstrasse und führt dieser entlang zur Inn-Brücke am östlichen Ende des Dorfs. Zum öden Marsch an der Seite der Autos gibt es jedoch eine Alternative: Ab Rudè bis Plaz ist höher oben am Hang ebenfalls ein Winterwander-Trassee gepfadet, das Stille und wesentlich mehr Aussicht bietet.
Nach der Überquerung des Talflusses gelangt man am winzigen S-chanfer Dorffriedhof vorüber zur Bahnlinie, unterquert diese und wandert in sanftem Aufstieg zum Wald hinauf. An der Wegkreuzung bei Pkt. 1721 schlägt man den nach dem früheren Bündner Signalisationssystem mit einer Schneeflocke auf rotem Grund gekennzeichneten Winterwanderweg Richtung Susauna ein. Ein hübscher, schmaler Pfad schlängelt sich durch den Wald. Noch ausserhalb des Weilers mündet er in ein Strässchen, das direkt nach La Resgia führt. Es lohnt sich allerdings, den kleinen Umweg zur Handvoll Häuser zu machen, die sich mit einer kleinen Kirche zum Dörfchen Susauna gruppieren. Ein weiteres Strässchen führt von dort auf der Nordseite des Vallember-Flüsschens und damit an etwas sonnigerer Lage nach La Resgia.
Das letzte Teilstück der Wanderung verläuft auf der Ostseite der Bahnlinie hoch über dem Inn zur Bahnstation von Cinuos-chel. Die Tour lässt sich um eine Abschlussrunde ergänzen: Ein ebenfalls gepfadeter Winterwanderweg führt rund um die Siedlung herum ins Dorfzentrum, von wo man nach kurzem Aufstieg zurück zum Bahnhof gelangt.