Die romanische Kirche San Romerio steht hoch über dem Puschlav, im Hintergrund die Höhen des Veltlin.

Wanderung Poschiavo - San Romerio - Viano

San Romerio und das Licht des Südens

  • Poschiavo

  • Saltaplana

  • Barghi

  • San Romerio

  • Piaz

  • Viano


REGION: Graubünden
MARSCHZEIT: 6 h 30 min
AUFSTIEG: 1170 m
TIEFSTER PUNKT: 1008 m
VERPFLEGUNG: Ristoro San Romerio
ANREISE: Mit der Bahn oder dem Postauto nach Poschiavo
MERKMALE: Höhenweg
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 16,1 km
Abstieg: 910 m
Höchster Punkt: 1849 m
Ideale Jahreszeit: Mitte Mai bis Ende Oktober
Rückreise: Ab Viano mit dem Postauto (Achtung, Rufbus – spätestens 1 h vor Abfahrt reservieren)
   

Einer der malerischsten Orte des Puschlavs ist die Alp San Romerio mit ihrem romanischen Kirchlein. Man erreicht ihn auf einer ausgedehnten Wanderung vom Hauptort des Tals durch Bergwälder und über Maiensässe. Der Abstieg führt ins Grenzdorf Viano. Zu Beginn und am Schluss der Wanderung jeweils rund 1,8 km auf Hartbelag, sonst praktisch durchwegs Naturwege.

Karger Boden, steile Hänge, urwüchsige Wälder, aussichtsreiche Alpen: Das Puschlav ist ein Bergtal wie viele andere auch, die es im Alpenraum gibt. Entsprechend bietet es auch Wanderern schöne Landschaften und eindrückliche Panoramen. Doch etwas ist anders. Von einer gewissen Höhe an nimmt hier das Licht eine Intensität an, die man andernorts in der Schweiz vergeblich sucht. Konkret: Im Talboden zeigt sich das Puschlav als wohl hübsche, aber keineswegs aussergewöhnliche Gegend. Doch oberhalb von 1500 M.ü.M zeigt sich die Luft in einer geradezu blendenden Klarheit. Es ist das Licht des Südens, das sich auf solche Weise manifestiert.
Ein wunderbarer Schauplatz, um dieses kaum fassbare und gleichwohl unglaublich präsente Leuchten zu erleben, ist die Alp San Romerio. Sie liegt auf einem klippenartigen Vorsprung hoch über dem Lago di Poschiavo.
Erreichbar ist dieser malerische Ort mit einer längeren Wanderung, die in Poschiavo, dem Hauptort des Tals, beginnt. Zunächst auf einem Strässchen, später auf Kieswegen geht es in sanftem Aufstieg über Cologna nach Saltaplana. Der Weg wird nun zusehends schmaler und steiler. Über die Maiensässe Vendület und Barghi geht es ins Val da Terman, das man in einem grossen Bogen umrundet. Nach der Überquerung des Bergbachs taucht man in das Naturwaldreservat Bosch dal Bügliol ein. Dichter Fichten- und Lärchenwald schränkt die Aussicht während längerer Zeit ein – als Wanderer ist man zusehends auf den Weg fokussiert, geniesst den kühlen Schatten der Bäume und blickt erwartungsfroh dem Wendepunkt entgegen, wenn sich der Wald lichtet und die Sicht freigibt.
Dieser Wendepunkt könnte kaum dramatischer und eindrücklicher sein. Fast auf einen Schlag öffnet sich am Ende des Bergwalds ein grossartiges Panorama: Voraus liegt das romanische Kirchlein von San Romerio, in der Tiefe erstreckt sich das Valposchiavo, dahinter reihen sich die Hügel und Berge des Veltlin aneinander. Und hier ist es nun auch deutlich zu erkennen: das Licht des Südens. Es umfliesst die nahe und ferne Umgebung mit blendender Klarheit und Intensität.
Zwei Holzbänke direkt am Abgrund laden zur aussichtsreichen Rast. Im benachbarten Ristoro kann man sich während der Alpsaison mit Speisen und Getränken stärken. Im Unterschied zum Aufstieg bietet der Abstieg viel Aussicht ins Tal und zu den umliegenden Bergen. Er führt über Piaz und Predasc und verläuft mehrheitlich auf Kiessträsschen, zwischendurch auch auf schmalen Pfaden im Wald. Erst ganz am Schluss muss man noch einige Minuten auf Asphalt wandern.
Das kleine Bergdorf Viano war bis in die 1970er-Jahre ein bedeutender Schauplatz für einen der damals wichtigsten Wirtschaftszweige im Tal: Von hier aus trugen Schmuggler hauptsächlich Zucker und Kaffee über die grüne Grenze hinweg nach Italien. Ihr Ziel war das Städtchen Tirano.