Der junge Inn auf dem ersten Kilometer seines langen Wegs zum Schwarzen Meer

Wanderung Maloja - Lunghin-Pass - Bivio

Zur kontinentalen Dreifach-Wasserscheide

  • Maloja

  • Lunghinpass

  • Septimerpass

  • Bivio


REGION: Graubünden
MARSCHZEIT: 5 h 30 min
AUFSTIEG: 900 m
TIEFSTER PUNKT: 1768 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit dem Postauto nach Maloja/posta
MERKMALE: Am Wasser / Passwanderung
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 14,3 km
Abstieg: 940 m
Höchster Punkt: 2644 m
Ideale Jahreszeit: Anfang Juli bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Bivio/posta mit dem Postauto
   

Die Bergwanderung von Maloja nach Bivio führt ins hydrologische Herz Europas: Vom Lunghinpass fliesst das Wasser in drei verschiedene Meere. Wird die Passwanderung in der vorgeschlagenen Richtung ausgeführt, dann folgt auf einen steilen Aufstieg ein gemächlicher Abstieg. Am Schluss der Route 1,5 km auf Hartbelag, sonst durchwegs Naturwege.

Wasserscheiden gibt es viele in der Schweiz. Nicht nur von sämtlichen Alpenpässen, sondern eigentlich von jedem Geländesattel fliesst das Wasser beidseits in unterschiedliche Richtungen ab. Spannender sind die kontinentalen Wasserscheiden. Von Grimsel-, Furka- oder Gotthardpass etwa fliesst das Wasser nordseits in die Nordsee, südwärts hingegen ins Mittelmeer. Am exklusivsten ist in dieser Hinsicht der Lunghinpass. Er ist der einzige Punkt nicht nur der Schweiz, sondern ganz Europas, an dem Bäche entspringen, die gleich drei verschiedene Ozeane speisen: Nach Südwesten strömt das Wasser in die Maira und später ins Mittelmeer, nach Nordwesten in die Aua da Sett, danach in den Rhein und schliesslich in den Atlantik, südöstlich der Passhöhe schliesslich entspringt der Inn, dessen Wasser in die Donau und ins Schwarze Meer fliesst.
Diesen einzigartigen Punkt erschliesst eine Bergwanderroute, die das Oberengadin mit dem Surses verbindet. Ausgangspunkt ist das Dorf Maloja am westlichen Ende der Engadiner Seenebene. Am nördlichen Dorfrand zweigt ein schmaler Kiesweg von der Hauptstrasse ab und führt sanft ansteigend nach Pila, wo ein Bergbächlein überquert wird. Es handelt sich um den Inn, der hier noch ein schmächtiges Wässerlein ist, sich aber auf seinem rund 500 Kilometer langen Lauf durch das Engadin, Österreich und Deutschland schon alsbald zu einem stattlichen Fluss entwickelt, bis er schliesslich bei Passau in die Donau mündet. Diese führt zwar deutlich weniger Wasser als der kräftige Bursche aus den Bündner Bergen, doch gleichwohl geht ihr Name auf das Fusionsgewässer über (in diesem Sinne teilt der Inn das Schicksal der kraftvollen Aare, die ihren Namen beim Zusammenfliessen mit dem schwachbrüstigen Rhein ebenfalls verliert).
Zusehends steiler werdend führt der Weg über Alpweiden hinauf zur Wegverzweigung Plan di Zoch und schliesslich auf die Hochebene des Lunghin-Sees (rätoromanisch: Lägh da Lunghin). Im Aufstieg öffnen sich immer wieder schöne Ausblicke zum Silsersee und ins Fornotal, das sich hinter Maloja öffnet.
Zwischen dem See und der Passhöhe ist die Routensignalisation nicht konsistent (Stand Sommer 2018). Die auf SchweizMobil eingezeichnete Route führt zunächst dem Seeufer entlang und steigt dann in mehr oder weniger direkter Linie zum Pass hoch; das Trassee verliert sich zuweilen zwischen Schutt und Felsen. Der auf dem Wegweiser beim See angegebene Weg hingegen verläuft etwas südlich davon und führt in einem wenig logischen Umweg auf die Passhöhe.
Wer mag, kann vor dem Abstieg auf der anderen Seite des Lunghinpasses noch einen Abstecher auf den Piz Lunghin unternehmen. Der Gipfel ist auf einer weiss-blau-weiss signalisierten Alpinwanderroute in einer halben Stunde von der Passhöhe aus erreichbar. Der Weg ist teilweise exponiert; bei der Durchquerung eines Couloirs muss man die Hände zu Hilfe nehmen (Schwierigkeitsgrad T4). Wem die Zusatzschlaufe zu aufwendig und zu ausgesetzt ist, kann sich mit einem Abstecher zum Grat begnügen. Der Tiefblick ins Bergell ist auch von hier spektakulär.
Kaum Schwierigkeiten bietet der Abstieg zum Septimerpass. Er verläuft auf griffigem Bergweg, der zunächst durch steiniges Terrain, später dann durch karg bewachsene Schafweiden führt. Der Ausblick ist doppelt attraktiv: Im Norden zeigen sich die Gipfel des Oberhalbsteins mit dem Piz Ela im Zentrum, im Süden öffnet sich die Sicht Richtung Bergell.
Von der Passhöhe des Septimers an ist das Gefälle kaum mehr merklich. Auf längeren Strecken ebenen Wegs, zwischendurch in sanftem Abstieg geht es nach Cadval und dem Septimerbach (Eva dal Sett) entlang weiter talauswärts nach Bivio.