Oberhalb Sent: Pinkfarbige Stangen als Orientierungshilfen. Auch beim Winterwandern scheint nicht immer die Sonne.

Winterwanderung Motta Naluns -Scuol

Piste für Pistenabstinente

  • Motta Naluns

  • Jonvrai

  • Vastur

  • Sent

  • Scuol


REGION: Graubünden
MARSCHZEIT: 5 h 10 min
AUFSTIEG: 280 m
TIEFSTER PUNKT: 1235 m
VERPFLEGUNG: Bergrestaurant Vastur, Sent
ANREISE: Mit der Gondelbahn von Scuol nach Motta-Naluns
MERKMALE: Rundwanderung / Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: W1 Winterwandern
Streckenlänge: 15 km km
Abstieg: 1140 m
Höchster Punkt: 2291 m
Ideale Jahreszeit: Dezember bis März
Rückreise: Ab Scuol-Tarasp mit der Bahn
   

Am Rande des Skigebiets Motta Naluns verläuft diese Winterwanderung zunächst talwärts nach Sent. Den Abschluss bildet das westlichste Teilstück der winterlichen Via Engiadina mit der Rückkehr zum Ausgangspunkt Scuol.

Es gibt gute Gründe, beim Winterwandern keine Seilbahn zu benützen. Die Kabinen bewältigen nämlich in der Regel ansehnliche Höhendifferenzen, die anschliessend in umgekehrter Richtung den Knien und Hüften zugemutet werden. Zudem erfüllen die Anlagen im Winter vor allem einen Zweck: Sie befördern Skifahrer, Skifahrer und nochmals Skifahrer in die Höhe. Als Wanderer fühlt man sich inmitten wattierter Skihäschen und Pistenkönige eher fehl am Platz, vor allem wenn Skistöcke und Skis ausser Kontrolle geraten und wie Keulen durch die Luft schwirren.
Es gibt gute Gründe, beim Winterwandern trotzdem ab und zu eine Seilbahn zu benützen. Die Kabinen bringen einen nämlich an Orte, die man zu Fuss nur schwerlich erreichen würde. Zudem erschliessen sie Routen, die eigentlich in lawinengefährdetem Gebiet liegen. Aus Sicherheitsgründen werden die Lawinen jeweils vor Betriebsbeginn künstlich ausgelöst; davon profitieren neben den Skifahrern auch die Winterwanderer.
Alles in allem ist Winterwandern in Skigebieten also eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Anschauliches Beispiel dafür ist etwa der Abstieg von Motta Naluns nach Sent im Unterengadin. Bei der Bergstation der Gondelbahn erklären geduldige Bähnler den orientierungslosen Wanderern freundlich, er müsse um die Talstation der Sesselbahn herumgehen, das Skischulgelände durchqueren und dann am östlichen Rand der Piste hochsteigen.
Schon bald lässt man den Skibetrieb hinter sich und gewinnt am Rand des Steilhangs über dem Clozzatal zügig an Höhe. Bis fast 2300 m hoch geht es, danach steigt man auf einem steilen Zickzackweg wieder ab zum Sesselbahn-Knotenpunkt Jonvrai. Auch hier muss man sich seine Route mit einigem detektivischem Gespür zusammenreimen. Es fehlt zwar nicht völlig an Signalisationen, doch im Wald der Pistenmarkierungen gehen die Winterwander-Tafeln naturgemäss weitgehend unter.
Während der Wanderweg im Sommer in leichtem Abstieg nach Vastur hinüberführt, gilt es im Winter nochmals einen recht saftigen Anstieg zu bewältigen. Dieser führt anfänglich einer Skipiste entlang, die schräg den Hang schneidet. Später dann wird die relativ flache Hochalp Sur Bos-cha durchquert. Bei klarem Wetter bieten sich schöne Blicke hinunter ins Inntal und hinüber zur Gipfelkette auf der anderen Talseite.
Meist auf eigenem Trassee, zuweilen aber auch erneut entlang der Skipiste führt der Winterwanderweg nun zunehmend steil abwärts, streckenweise im Wald, dann wieder über offenes Gelände. Vom Bergrestaurant Vastur an geht es mit relativ geringem Gefälle talwärts. Die Skipisten hat man jetzt endgültig hinter sich gelassen. Nach einer letzten Spitzkehre bei Tuffarolas wandert man bei schöner Aussicht nach Sent auf das Dorf zu.
Etwas ausserhalb des Siedlungsgebiets, beim Eingang zum bewaldeten Tobel des Val da Muglins, findet sich die Abzweigung nach Scuol. Das breite Trassee führt durch die mit zahlreichen Hecken strukturierte Terrassenlandschaft von Sent vorerst ebenen Wegs, danach in leichtem Abstieg zum Gehöft Chauennas und dann weiter nach Scuol. Durch das langgezogene Dorf und am Mineralbad Bogn Engiadin vorbei erreicht man den Bahnhof.