Im Aufstieg vom Schönbüel zur Balme; Blick zum Kanderfirn

Wanderung Selden-Lötschenpass-Lauchernalp

Gletscherquerung am Lötschenpass

  • Selden

  • Gfelalp

  • Lötschenpass

  • Lauchernalp


REGION: Berner Oberland / Wallis
MARSCHZEIT: 6 h
AUFSTIEG: 1290 m
TIEFSTER PUNKT: 1538 m
VERPFLEGUNG: Lötschenpasshütte
ANREISE: Mit dem Kleinbus nach Selden/Gasthaus Steinbock (Reservationspflicht)
MERKMALE: Passwanderung
Schwierigkeit: T3 Bergwandern
Streckenlänge: 12,1 km
Abstieg: 870 m
Höchster Punkt: 2690 m
Ideale Jahreszeit: Anfang Juli bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Lauchernalp mit der Seilbahn nach Wiler (Lötschen)/Talstation, weiter mit Postauto
   

Schon in der Steinzeit wurde der Lötschenpass genutzt, obwohl die Route durch hochalpine Landschaft führt und eine Gletscherüberquerung einschliesst. Über den nördlichen Alpenhauptkamm hinweg verbindet sie das Berner Oberland mit dem Wallis. Die Passwanderung verläuft ausschliesslich auf Naturwegen.

4000 Jahre alte Pfeilbogenfunde haben gezeigt, dass der Lötschenpass bereits in prähistorischer Zeit begangen wurde. Noch im Mittelalter war er die kürzeste Verbindung von Bern Richtung Simplon und Italien. Doch mit dem Bau eines neuen Fusswegs in der Gemmiwand bei Leukerbad entstand in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ein Übergang von Bern ins Wallis, der deutlich leichter zu bewältigen war. In der Folge verlor der Lötschenpass an Bedeutung.
Der Versuch zweier Berner, ihn Ende des 17. Jahrhunderts durch den Bau eines befestigten Saumwegs aufzuwerten, endete in einem Fiasko: Die Initianten verfügten zwar über die Unterstützung des Kantons Bern, hatten es aber versäumt, vor Baubeginn auch die Walliser Behörden zu konsultieren. Als diese von den Arbeiten Wind bekamen, gab es Krach. Hintergrund war der seit der Reformation bestehende Zwist zwischen den neu- und altgläubigen Kantonen der Schweiz. Erst 40 Jahre zuvor hatten sie sich in Villmergen einmal mehr eine religiös motivierte Schlacht geliefert. Die Nerven lagen blank – Bern musste dem Lötschenpass-Projekt die Unterstützung entziehen, das Vorhaben wurde unvollendet eingestellt.
Als Dank für die ihm gewährte Gastfreundschaft (oder aus schlechtem Gewissen wegen unerfüllter Versprechungen?) überliess einer der beiden Initianten den Einwohnern des Gasterntals eine voluminöse Piscator-Bibel. Sein Geschenk verband er mit der Auflage, das Buch solle «allezeit» in der Obhut des jeweils ältesten Talbewohners sein.
Das wird bis heute so gehandhabt. Das Tal ist zwar seit über 150 Jahren nicht mehr ganzjährig bewohnt, doch während der Sommermonate wird die Bibel gleichwohl dort aufbewahrt und kann auf Voranmeldung besichtigt werden. Jeweils am ersten Sonntag im August kommt sie bei der Gasternpredigt zum Einsatz.
Ausgangspunkt auf Berner Seite für die Tour über den Lötschenpass ist das Gasterntal. Beim Gasthaus Steinbock wird die junge, in einem breiten Flussbett mäandrierende Kander auf einer Hängebrücke überquert. Auf einem steilen Zickzack-Pfad gewinnt man zunächst durch Bergwald, später auf offenem Alpgelände zügig an Höhe. Über die Gfelalp geht es nach Schönbüel; der idyllische, praktisch flache Weidegrund bietet eine grossartige Aussicht auf den hinteren Teil des Gasterntals, der von der Blüemlisalpgruppe und dem Petersgrat umgrenzt und vom Kanderfirn abgeschlossen wird. Erneut steigt der Weg steil an. Das Terrain wird zusehends steiniger. Bei der Balme schwindet jede Spur von Pflanzenwuchs: Der Felsüberhang markiert den Übergang in die hochalpine Gletscherzone.
Auf einer mit orangen Pfosten markierten Linie wird der Lötschengletscher überquert. Wie die meisten Gletscher im Alpenraum hat auch dieser in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Volumen und Länge eingebüsst. Dennoch sollte man sich nicht täuschen lassen: Unter den Steinhaufen, über welche die (weitgehend flache) Gletscherpassage teilweise verläuft, liegt nicht etwa fester Grund, sondern nach wie vor Eis.
Wieder auf festem Boden setzt man zu einer letzten Aufstiegspassage an; sie verläuft teilweise in einem etwas exponierten Steilhang (Stahlseile bieten Halt und Sicherheit). Danach erreicht man die überraschend flache und weite Passhöhe. Gleich bei der SAC-Hütte verzweigen sich die Wege für den Abstieg ins Lötschental. Rechts geht es auf der klassischen Saumroute via Kummenalp nach Ferden; der Direktabstieg in den Talgrund führt 1300 Höhenmeter steil hinunter.
Angenehmer und abwechslungsreicher ist die Variante via Lauchernalp; sie endet bei der Bergstation der Luftseilbahn Wiler-Lauchernalp und umfasst nur 700 Höhenmeter. Die Zeitangabe «2 h» auf dem Lötschenpass liegt für diese Strecke allerdings an der unteren Grenze. Die erste Hälfte verläuft zwar annähernd horizontal, ist aber kein Höhenweg im klassischen Sinne: Der Pfad schmiegt sich in stetem Auf und Ab ins steile, von Steinen und Felsblöcken durchsetzte Gelände. Das ist sehr abwechslungsreich und attraktiv, kostet aber Konzentration – und Zeit. Wer die grossartige Aussicht ins Lötschental und zum Bietschhorn auskosten will, bleibt zwischendurch besser stehen.
Mehr Gefälle weist der zweite Teil des Abstiegs auf. Er beginnt kurz nach der Wegverzweigung bei Pkt. 2566 und führt über den Mälcherboden nach Lauchernalp/Stafel und von dort in praktisch gerade Linie hinunter zur Seilbahn-Bergstation.