Alphütten im Gebiet Broch mit den Engelhörnern im Hintergrund

Winterwanderung Rosenlaui

Auf weissen Wegen zur Schwarzwaldalp

  • Gschwantenmad

  • Rufenen

  • Broch

  • Schwarzwaldalp


REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 1 h 30 min
AUFSTIEG: 200 m
TIEFSTER PUNKT: 1302 m
VERPFLEGUNG: Hotel Schwarzwaldalp
ANREISE: Mit dem Postauto bis Gschwantenmad
MERKMALE: Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: W1 Winterwandern
Streckenlänge: 3 km
Abstieg: 50 m
Höchster Punkt: 1452 m
Ideale Jahreszeit: Mitte Februar bis anfangs März
Rückreise: Ab Schwarzwaldalp mit dem Postauto
   

Das Reichenbachtal ist im Winter ein Eldorado für Skitourenfahrer und Schneeschuhläufer. Doch auch Winterwanderer können die eindrückliche Stille und Weite des Tals auskosten. Ein gewalzter Weg führt vom Gschwantenmad durch Bergwald und über verschneites Weideland zur Schwarzwaldalp.

Kein Pistenzirkus, keine Skilifte, kein Rambazamba: Das Tal des Reichenbachs gehört im Winter ganz den Wildtieren und den Liebhabern einsamer Naturlandschaften. Zugänglich ist es nur über eine schmale Strasse von Meiringen herauf. Der sommerliche Postautoverkehr über die Grosse Scheidegg ist zu dieser Jahreszeit eingestellt. Einzig über Weihnachten/Neujahr sowie im Februar verkehrt ein Schlittelbus. Er erleichtert auch Winterwanderern die Anreise. Ihnen steht ein gepfadeter Winterwanderweg zur Verfügung, der jeweils nach Schneefällen frisch gewalzt wird.
Ausgangspunkt ist die Haltestelle Gschwantenmad. Spektakuläre Felsbastionen schliessen die weite Hochebene gegen Süden und Osten ab: Die messerscharfen Zacken der Engelhörner formen eine fast unwirkliche Silhouette. In leichtem Anstieg führt die Route an Alphütten, jahrhundertealten Käsespeichern und mächtigen Bergahornen vorbei taleinwärts. Allmählich nimmt die Steigung zu, und nach einigen Kehren unterquert man in einem kurzen Tunnel die Flanke des Rufenenhubels.
Nun geht es bei prachtvoller Aussicht mehr oder weniger ebenen Wegs weiter. Über dem Passübergang der Grossen Scheidegg ragt finster die Nordwand des Wetterhorns hoch, dahinter ist ein Stück des Eigers zu sehen. Ein Gipfel jedoch beherrscht das Gebiet mehr als alle anderen: Das Wellhorn richtet sich wie ein monströser Riese über dem Talgrund auf. In seine östliche Flanke schmiegt sich der Rosenlauigletscher.
Dem gewaltigen Felsturm verdankt das Tal eine relativ hohe Schneesicherheit, denn er schirmt die Hänge an seinem Fuss während der kurzen Tage des Jahres nahezu vollständig von der Wintersonne ab. Dieser Umstand hat allerdings auch buchstäblich seine Schattenseite: Im Hochwinter erreichen nur wenige Sonnenstrahlen den Talboden. Von einer Begehung um den Jahreswechsel ist eher abzuraten, weil dann die Sonne so tief steht, dass sie nicht über den Gipfelkamm zu steigen vermag. Im Februar hingegen gibt es auf der Route bereits viel Licht und Glitzern.
Nach einer Weile verengt sich der gepfadete Weg, die Route führt in den Wald. Weiter unten am Hang hört man den Rychenbach rauschen. Sonst ist in dieser einmaligen Stille kaum ein Geräusch zu vernehmen. Im Gebiet Broch verlässt man den Bergwald und betritt erneut offenes Weideland. Wie verlorene Findlinge sehen die tief eingeschneiten Alphütten aus, die verstreut in der Ebene stehen. Ein letzter kurzer Auf- und nachfolgender Abstieg führt zur Strasse und damit zum Ziel der Wanderung, dem Hotel Schwarzwaldalp.
Wem die Wanderung in der hier beschriebenen Form zu kurz ist, kann sie mit dem Abstieg in umgekehrter Richtung kombinieren. Im Gschwantenmad auf das nächste Postauto zu warten ist allerdings bei tiefen Temperaturen nicht unbedingt angenehm – es gibt dort kein Gasthaus. Deshalb empfiehlt es sich, bei der Anreise gleich bis zur Schwarzwaldalp zu fahren, ins Gschwantenmad zu wandern und von dort wieder zur Schwarzwaldalp zurückzukehren, um sich dann im Restaurant aufzuwärmen. Wer noch mehr Zeit hat und Lust auf eine Schlittelpartie verspürt, mietet auf der Schwarzwaldalp einen Schlitten, fährt mit dem Postauto bis zur Grossen Scheidegg und fährt auf der auch als Schlittelpiste genutzten Strasse zurück zur Schwarzwaldalp.