Oberhalb der Wyssenfluhhütte, Tiefblick auf den Brienzersee und ins Haslital

Wanderung Niederried-Habkern

Quer über den Hardergrat

  • Niederried

  • Hardergrat/Tritt

  • Horetalp

  • Habkern


REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 6 h
AUFSTIEG: 1420 m
TIEFSTER PUNKT: 578 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit der Bahn nach Niederried
MERKMALE:
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 11,6 km
Abstieg: 940 m
Höchster Punkt: 1861 m
Ideale Jahreszeit: Mitte Mai bis Ende Oktober
Rückreise: Ab Habkern/Post mit dem Postauto
   

Üblicherweise wird der Hardergrat der Länge nach begangen. Bei dieser Variante überquert man ihn auf ganz andere Weise, indem man ihn vom Brienzersee heraufsteigend erreicht und dann in Richtung Habkern absteigend wieder verlässt. Das ist ordentlich anstrengend, aber wunderbar aussichtsreich. Am Schluss der Route 1,5 km auf Hartbelag, sonst ausserhalb des Siedlungsgebiets durchwegs Naturwege.

Auf dieser Wanderung können sich die Schenkel so richtig austoben: Zunächst geht es zünftig aufwärts, dann eine Weile annähernd flach voran, schliesslich wieder steil runter. Es ist eine dieser Wanderrouten, bei denen man annehmen muss, dass sie nicht von sehr vielen Personen begangen werden. Einer aber ist sicher jedes Jahr unterwegs: Der örtliche Markierungsmitarbeiter der Berner Wanderwege sorgt dafür, dass die Strecke einwandfrei signalisiert ist.
Überdurchschnittlich fordernd dürfte seine Aufgabe im vorliegenden Fall allerdings nicht sein. Vom Bahnhof Niederried hält man sich einfach an die Richtung Augstmatthorn signalisierte Bergwanderroute. In der ersten Stunde passiert man noch einige Verzweigungen, doch man kann sie getrost ignorieren, denn die Richtung ist eindeutig: Es geht einfach aufwärts, und zwar klar und schnörkellos.
Die Aufstiegsroute führt eigentlich durch einen sehr sonnenexponierten Südhang, doch weil ein grosser Teil davon im Wald verläuft, ist man weitgehend vor sengender Sonne geschützt. Dafür gibt es zumindest anfänglich auch nicht viel Aussicht. Immerhin erlauben zwischendurch Lücken zwischen den Bäumen eindrückliche Tiefblicke zum See.
Ab etwa 1200 m Höhe wird das Terrain zusehends felsiger und abschüssiger; der Weg bleibt aber angenehm breit und ist deshalb an keiner Stelle nirgends exponiert. Von der Wyssenfluhhütte an (sie liegt auf 1502 m.ü.M. und bietet einen geschützten Rastplatz mit Feuerstelle) beginnt sich der Wald zusehends zu lichten. Kurz danach öffnet sich der Laubvorhang vollends und gibt eine spektakuläre Sicht auf den Brienzersee und ins Haslital frei. Die Gipfel der Obwaldner und Berner Alpen vom Titlis über Wetterhorn und Schreckhorn bis zu Eiger, Mönch und Jungfrau prägen den Horizont.
Unverwandt weiter steil ansteigend führt die Route zum Hardergrat/Tritt hoch. Das Augstmatthorn und auch die Lombachalp lässt man nicht links, sondern rechts liegen und schlägt den Gratweg in westlicher Richtung ein. Der Weg verläuft auf dem nun folgenden Abschnitt meist einige Meter unterhalb des Hardergrat und ist deshalb an keiner Stelle exponiert. Daher kann man die Aussicht, die sich hier nach Norden und Westen öffnet, entsprechend gefahrlos geniessen. Zwischen Hohgant und Sieben Hengsten sieht man bei klaren Verhältnissen bis zum Jura und Schwarzwald; über das Niederhorn hinweg erblickt man die Simmentaler und Waadtländer Alpen.
Mit dieser grossartigen Kulisse vor Augen geht es sanft absteigend über die Horetegg zur Horetalp, wo man den Hardergrat hinter sich lässt und weiterhin in leichtem Abstieg zum Horet Läger gelangt. Hier nimmt das Gefälle schlagartig Fahrt auf. Tüchtig steil geht es über unzählige Stufen, Wurzeln und Steine im Wald abwärts. Nach der Überquerung des Lombachs gelangt man auf einem Kiessträsschen ebenen Wegs nach Tschiemen. Wie so oft nach Bergwanderungen findet sich auch hier ein längeres Asphaltstück, das den Wandergelenken zum Abschluss noch ordentlich zusetzt. Immerhin ist die Strasse annähernd flach. Zwischendurch schwenkt die Wanderroute von ihr ab und führt mässig steil den Wald hinunter. Von der Maillart-Brücke an, die sich über den Traubach spannt, geht es dann nochmals auf Asphalt zur Postautohaltestelle Habkern/Post.