Markante Architektur in hochalpiner Umgebung: Das Hotel Grimsel Hospiz

Winterwanderung Grimsel Hospiz

Grimsel: Zwischen Himmel und Schnee

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REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 10 min
AUFSTIEG: 30 m
TIEFSTER PUNKT: 1960 m
VERPFLEGUNG: Hotel Grimsel Hospiz
ANREISE: Ab Guttannen mit Postauto, Kraftwerk-Seilbahn und Stollenbus nach Grimsel Hospiz
MERKMALE: Rundwanderung / Familientauglich / Auch/nur im Winter
Schwierigkeit: W1 Winterwandern
Streckenlänge: 0,4 km
Abstieg: 30 m
Höchster Punkt: 1979 m
Ideale Jahreszeit: Dezember bis März
Rückreise: Ab Grimsel Hospiz mit Kraftwerk-Seilbahn, Stollenbus und Postauto nach Guttannen
   

Nicht einmal einen halben Kilometer misst der gepfadete Rundweg, der im Winter rund um das Hotel Grimsel Hospiz angelegt ist. Damit dürfte er der kürzeste Winterwanderweg der Schweiz sein. Die Länge ist nicht die einzige Besonderheit der Route. Auch die Anreise zum Ausgangspunkt ist ein aussergewöhnliches, ja abenteuerliches Unterfangen.

Etwa eine halbe Stunde benötigt man für die Fahrt von Innertkirchen zum Grimsel Hospiz – im Sommer. Mindestens viermal so lang dauert die Reise im Winter. Wenn auf der Passstrasse meterhoch Schnee liegt, muss auf andere Wege ausgewichen werden. Mit dem Postauto geht es vorerst zur Handeck, dann mit der Luftseilbahn hinauf zur Gerstenegg, von dort mit Kleinbussen durch gewundene Tunnels zum Sommerloch und schliesslich nochmals mit einer Luftseilbahn zum Ziel, einem Felskopf oberhalb des Grimselsees.
In erstaunlichem Kontrast zur abenteuerlichen Anreise durch die Wildnis von Fels und Schnee tritt das Grimsel Hospiz in Erscheinung: Das Viersterne-Hotel wartet mit stilvollem Komfort und behaglicher Atmosphäre auf. Das Gebäude wurde 1929/30 von den Kraftwerken Oberhasli erbaut. Es ersetzte das ursprüngliche Hospiz, das während Jahrhunderten Säumern und Händlern als Zufluchtsstätte auf ihrem langen und beschwerlichen Weg zwischen dem Berner Oberland und Norditalien gedient hatte und nun in den Fluten des Grimsel-Stausees verschwand.
Die unverwechselbare äusserliche Gestalt des unter Denkmalschutz stehenden Bauwerks wird vom augenfälligen Treppengiebel und von der Bruchsteinverkleidung geprägt, die charakteristisch sind für die markante Formensprache der vor Jahrhundertfrist in diesem Gebiet entstandenen Kraftwerksbauten. Seit einer aufwendigen Restauration im Jahr 2009 wartet der Bau im Inneren mit einer ansprechenden Verbindung von traditionellen Elementen aus der Gründerzeit und zeitgemässem Ausbaustandard auf. Die Hotelgäste können auf diese Weise nicht nur die Annehmlichkeiten modern eingerichteter Zimmer geniessen, sondern auch die Ambiance im Stil der 1940er-Jahre, wenn beispielsweise im «Arvensaal» abends ein heimeliges Kaminfeuer knistert.
Was gibt es an diesem abgelegenen Ort zu erleben? Nicht viel, und das ist ein grosser Vorzug. Man findet hier weder Pisten noch Lifte, weder Disco noch Rambazamba. Auf übliche Schneesportfreuden gilt es somit zu verzichten. Dafür gibt es Stille, Weite, Schnee, Licht, Luft und Einsamkeit: Wohin man auch blickt – nirgends ist ein anderes bewohntes Gebäude auszumachen.
In den Genuss dieser grandiosen Bergwelt kommt man am besten, wenn man die einzige Outdoor-Bewegungsmöglichkeit nutzt, die es hier gibt: Rings um das Hotel ist ein knapp 400 Meter langer, mit Stangen signalisierter Weg gepfadet. Wer will, kann sich an der Réception Winterstiefel und Schneeschuhe ausleihen. Die kurze Strecke bietet eine erstaunliche Vielfalt an landschaftlichen Perspektiven: Über der endlos weiten, schneebedeckten Fläche des Grimselsees erheben sich mächtige Felsrücken, die von scharf gezackten Kämmen gekrönt sind. In atemberaubendem Gegensatz dazu steht der grossartige Tiefblick ins Aaretal (den man übrigens auch an der Wärme, nämlich vom gediegenen Lesesaal aus, geniessen kann).
Der Rundweg auf nahezu 2000 Metern Höhe verläuft nicht etwa flach. Ein kurzer, aber kräftiger Aufstieg führt zum höchsten Punkt des Spittelnollens, wo sich eine Wetterstation befindet. Etwas unterhalb davon liegt die winzige, aus Holz gebaute Hospiz-Kapelle.
In meteorologischer Hinsicht ist die Grimsel so etwas wie der Nabel der Schweiz: Wenn sich das Wetter in irgendeiner Himmelsrichtung ändert, kann selbst die dichteste Wolkendecke schlagartig aufreissen. Einheimische Kenner behaupten deshalb, am Hospiz komme jeden Tag im Jahr während mindestens einer Stunde die Sonne hervor.