Auf dem Weg zum Seebodensee, im Hintergrund der Bockberg (Mitte) und das Gwächtenhorn (rechts)

Wanderung Steingletscher-Gadmen

Eis, Fels und Wasser am Susten

  • Steingletscher

  • Seebodensee

  • Steingletscher

  • Wyssemad

  • Gadmen


REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 3 h 50 min
AUFSTIEG: 400 m
TIEFSTER PUNKT: 1170 m
VERPFLEGUNG: Picknick beim Rastplatz Wyssenmad
ANREISE: Mit dem Postauto nach Steingletscher/Susten
MERKMALE: Am Wasser / Passwanderung
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 11 km
Abstieg: 1060 m
Höchster Punkt: 2087 m
Ideale Jahreszeit: Mitte Juni bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Gadmen/Post mit dem Postauto
   

Als historischer Saumweg in einer überwältigend schönen Gebirgslandschaft ist der Sustenpassweg schon an sich ein lohnendes Wanderziel. Zusätzlich bereichert wird die Tour, wenn sie um eine Schlaufe zum Seebodensee ergänzt wird. Durchwegs Naturbelag.

Er sei ein «verkehrsgeschichtlicher Sonderfall», heisst es im Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz über den Sustenpass. Die Querverbindung zwischen den wichtigen Transitrouten über Gotthard und Grimsel hatte als Handelsstrasse einst nur eine untergeordnete Bedeutung. Doch dann kam Napoleon, annektierte das Wallis und unterbrach damit die Route für den Export von Käse aus dem Haslital nach Süden. Die Kantone Bern und Uri forcierten deshalb den Bau einer für damalige Verhältnisse hochmodernen Fahrstrasse über den Susten.
Nach dem Sturz Napoleons blieb das Werk auf Urner Seite unvollendet, weil man dort nun dem Gotthard-Ausbau Priorität einräumte. Erst im 20. Jahrhundert kam die Verbindung erneut aufs Tapet, diesmal aus touristischen Gründen: Im Stil eines amerikanischen Parkways wollte man eine Passstrasse bauen, die «mit der erhabenen Gebirgslandschaft zur Einheit werde». Die Sustenstrasse wurde am Tag ihrer Eröffnung im Herbst 1946 von 15'000 Automobilen befahren – einem Achtel des damals in der Schweiz immatrikulierten Fahrzeugbestands.
Der alte Fahrweg von 1811 wird nach wie vor genutzt: Er steht den Wanderern zur Verfügung, welche die reizvolle Gegend abseits der Strasse durchstreifen wollen. Das schönste Teilstück des Saumwegs auf Berner Seite führt von der Postautohaltestelle Steingletscher hinunter nach Gadmen. Bevor man es beschreitet, lohnt es sich, einen Abstecher ins Gebiet Steingletscher zu unternehmen. Wird diese Zusatzrunde weggelassen, dann verkürzt sich die Wanderzeit um rund 90 Minuten; dafür verpasst man spannende Eindrücke von einer grossartigen Alpenlandschaft.
Die Schlaufe führt zunächst auf dem in Richtung Steinlimigletscher signalisierten Bergwanderweg ins Tal des Steiwassers. Wenige Schritte nach der Einmündung der Wanderroute in die asphaltierte Strasse wird bei einem grossen Felsblock hangwärts abgezweigt. Der folgende Abschnitt war früher als «Gletscherpfad» markiert; einzelne Tafeln und Farbzeichen erinnern noch daran, die Strecke ist aber nicht mehr durchgehend signalisiert.
Das Naturschutzgebiet In Miseren ist eine unberührte hochalpine Landschaft. Das hügelige Terrain ist mit Alpenrosenbüschen und Wacholderstauden karg bewachsen, die Mulden dazwischen sind teilweise mit Wasser gefüllt. Das ergibt ein wunderschönes Mosaik mit zahlreichen Tümpeln und Seelein; der grösste davon ist der idyllische Seebodensee.
Nach einem kurzen, aber teilweise recht steilen Abstieg kehrt man zurück zur Alpkäserei Steingletscher, wo nun die Wanderung auf der Passroute beginnt. Sie verläuft zunächst praktisch ebenen Wegs durch das Naturschutzgebiet. Während zwischendurch noch das Dröhnen der Motorräder auf der Passstrasse zu vernehmen ist, taucht man beim Wyssemad in köstliche Stille ein – der nahe Wyssemadhubel sorgt gleichsam für einen akustischen Schutzschirm.
Der jetzt folgende Abschnitt ist ein besonders gut erhaltenes Teilstück des Saumwegs von 1811. Mit kunstvoll angelegten Kurven werden mehrere steile Passagen elegant überwunden. Nach der Überquerung des Steiwassers geht es im Wald über die Wegkreuzung Saageli in den Talboden. Nahezu ebenen Wegs gelangt man dem Talflüsschen, das nach dem Zusammenfluss mit dem Wendenwasser nun Gadmerwasser heisst, nach Gadmen.