Viel Geröll und bizarre Kalktürme prägen den Lammbachgraben

Wanderung Brienz-Lammbachgraben

Mondlandschaft am Lammbach

  • Brienz

  • Oberschwanden

  • Aegerdi

  • Unterschwanden

  • Brienz


REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 4 h
AUFSTIEG: 730 m
TIEFSTER PUNKT: 564 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit der Bahn nach Brienz BE
MERKMALE: Rundwanderung
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 10 km
Abstieg: 730 m
Höchster Punkt: 1245 m
Ideale Jahreszeit: Anfang Mai bis Mitte November
Rückreise: Ab Brienz BE mit der Bahn
   

Die Wanderung in den Lammbachgraben führt in eine Welt eindrücklicher Kontraste. Während der Bergweg mässig steigend im Wald verläuft, zeigt sich auf der gegenüberliegenden Talseite eine felsige Wüste von apokalyptischen Dimensionen. Grossartige Tiefblicke gibt es beim Abstieg entlang des Schwanderbachs. Kaum Hartbelag ausserhalb des Siedlungsgebiets.

Der Strandweg führt vom Bahnhof Brienz direkt dem Seeufer entlang zum Strandbad. Unter der Bahnlinie hindurch steigt man zur Kantonsstrasse hoch und erreicht nach wenigen Schritten den Lammbach, der hier über eine mehrere Meter hohe Mauer als künstlicher Wasserfall fliesst. Gleich dahinter liegt der Zusammenfluss des Lammbachs mit dem nahezu parallel verlaufenden Schwanderbach. Hier verlässt man den signalisierten Wanderweg. Auf der Westseite des Wasserlaufs erreicht man den Schutzdamm, wandert kurze Zeit auf dessen Krone und zweigt dann in den Wald ab.
Dem Vita-Parcours entlang geht es zum Sportplatz Schwanden, danach auf schmalem Pfad stets nahe dem Lammbach weiter aufwärts zum Schwander Waldschwimmbad. In Oberschwanden gelangt man zurück ins Wanderwegnetz. Die Richtung Irtschelen signalisierte Route führt oberhalb des Dörfchens in den Lammbachgraben. An Steinfeldern vorbei und durch Bergwald gewinnt man in anhaltendem, doch nicht übermässig steilem Anstieg zügig an Höhe.
Während der Vegetationszeit hemmen Bäume zwar oft den direkten Ausblick in das gewaltige Bett des Wildbachs. Umso spektakulärer ist dafür die Perspektive, wenn sich die Sicht zwischendurch unvermutet öffnet. Das Wasser fliesst meist als munter plätscherndes, harmlos scheinendes Bächlein talwärts, doch der Hang auf der Ostseite des Wasserlaufs zeigt, dass der vermeintlichen Ruhe nicht zu trauen ist: Über einer gigantischen Geröllhalde ragen mächtige Kegel aus bröckligem Kieselkalk in die Höhe.
Letztmals Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einem gewaltigen Ausbruch des Wildbachs. Der Murgang führte im Tal unten zu grossen Schäden. Weil das Terrain trotz jahrzehntelangen Aufforstungs- und Verbauungsbemühungen nach wie vor instabil ist, gehen Naturgefahrenexperten davon aus, dass sich im Bachbett bei beträchtlichen Niederschlagsmengen grosse Geschiebemengen in Bewegung setzen können; die Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einem Grossereignis, wie es sich im statistischen Durchschnitt alle 300 Jahre ereignet. Die Prävention erfordert immer wieder aufwendige Bau- und Unterhaltsmassnahmen.
Im Treichiwald lässt sich bequem auf die Seite des Schwanderbachs wechseln. Der Abstieg via Aegerdi weist etwas mehr Gefälle auf als die Aufstiegsroute. Dafür führt er jedoch auch zu besonders aussichtsreichen Punkten. Einer davon befindet sich auf der Stützmauer, die mitten im nahezu senkrechten Schwanderbach-Tobel steht. Er bietet einen faszinierenden Tiefblick auf Brienz und den östlichen Teil des Brienzersees, über dem die Faulhornkette und die Schwarzhorngruppe in den Himmel ragen.
Von der Chnublerbrigg gelangt man via Unterschwanden und Glyssen zum Brienzer Tierpark. Die Anlage mit Steinbock-, Gäms- und Hirschgehegen sowie einer Volière wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Den Schülern der im Dorf ansässigen Schule für Holzbildhauerei wollte man damit Gelegenheit geben, einheimische Wildtiere aus der Nähe zu beobachten und sie detailliert zu zeichnen. Vom Park führt ein steiler Fussweg direkt zum Bahnhof hinunter.