
Wanderung Chastalet-Rundweg Gsteig
Das Kastell im «Wohnzimmer der Natur»
Wanderzeit: 2 h 25 min
Schwierigkeitsgrad: T1 Wandern *
Saison: Mai - Oktober
Der Chastalet-Rundweg vermittelt einen Einblick in die Kulturgeschichte der südlichsten Ecke des Berner Oberlands. Die leichte Rundwanderung führt vom Dorf Gsteig in die Flanke des Spitzhorns. 70% der Strecke verlaufen auf Naturbelag.
Detaillierte Routenbeschreibung
Mehrere grossartige Bergwanderungen haben in Gsteig ihren Ausgangspunkt. Die Top-Route der Region führt über den Sanetschpass – die Marschzeit beläuft sich auf knapp fünf Stunden. Etwas karger ist hingegen das Angebot an kürzeren und leichteren Wanderungen. Eine interessante und lohnende Ausnahme ist der Chastalet-Rundweg; er eignet sich für eine einfache, aber kontrastreiche Halbtagestour.
«Chastalet»: So wurde Gsteig im 14. Jahrhundert genannt. In dieser Bezeichnung schwingt unüberhörbar das Wort Kastell mit. Tatsächlich befand sich einst hoch über dem Dorf eine Burg. Der Standort bot einen perfekten Blick hinüber zum Col du Pillon und ermöglichte damit die Kontrolle des Verkehrs über den Pass. Vom Kastell ist fast nichts übriggeblieben. Einzig einige Spuren im Boden sowie der Flurname «Burg» zeugen noch von der früheren Anlage.
Der Chastalet-Rundweg ist als kulturgeschichtlicher Lehrpfad angelegt. Kleine Informationstafeln entlang der Route vermitteln Wissenswertes, etwa über Geschichte und Geologie der Gegend oder über ihre Sagenwelt. Eine der Stationen widmet sich auch den Joderbräuchen, mit denen sich die Gsteiger noch lange nach der Reformation mit ihren Walliser Nachbarn verbanden – bis diese die Tradition mit Weisswein ertränkten. Vertiefende Informationen zu verschiedenen Themen bietet eine Broschüre, die beim Tourismusbüro Gsteig erhältlich ist.
Auch das Naturerlebnis kommt auf dem Chastalet-Rundweg nicht zu kurz. Eine der Informationstafeln appelliert denn auch an die «Werten Wanderer» (Frauen sind vermutlich mitgemeint), man möge Rücksicht und Respekt üben, denn: «Auf diesem Rundweg bewegen wir uns im Wohnzimmer der Natur»; die Vielfalt der Pflanzen sei hier jedenfalls eine wahre Augenweide. Tatsächlich lassen sich im Frühsommer auf den blumenreichen Wiesen und Weiden unter anderem Knabenkraut, Sterndolde und gelber Enzian ausmachen.
Der Rundweg führte ursprünglich auch an einem massigen Felsbrocken vorbei, von dem bekannt ist, dass er aus der Westflanke des Spitzhorns stammt. Als am 25. Januar 1946 ein heftiges Erdbeben das Wallis und die angrenzenden Gebiete erschütterte, löste sich der Block vom Berg und donnerte in einer mächtigen Staubwolke in die Tiefe. Seither kam es in der Westflanke des Spitzhorns immer wieder zu Felsstürzen, so dass der Chastalet-Rundweg in diesem Gebiet verlegt werden musste. Wer den Felsblock dennoch besichtigen möchte, verlässt im Abstieg bei der Wanderwegverzweigung Rotegrabe den Chastalet-Rundweg und steigt auf dem Sanetschweg wieder etwa 20 Minuten auf, zweigt dann auf einen links abgehenden Pfad ab und erreicht auf diesem den auf der Landeskarte mit Pkt. 1478 bezeichneten Felsen.
Der Ausgangspunkt des Chastalet-Rundwegs liegt mitten im Dorf gleich gegenüber dem Gasthof Bären. Durch die Rohrstrasse gelangt man zur Saane und am Moorgebiet Rohr vorbei zum bewaldeten Hang östlich des Dorfs. Alsbald geht das Trassee in einen Kiesweg über, der seinerseits nach einer Weile einem schmalen Fusspfad weicht. Dieser zieht sich in mässig steilem, aber stetigem Anstieg durch Bergwald und über Weideland in die Höhe.
Nur noch in leichtem Anstieg gelangt man von der Längmatte auf einem Kiessträsschen hinüber zur Burg, dem Kulminationspunkt der Tour. Ein kleiner Rastplatz mit Feuerstelle bietet dort eine eindrückliche Sicht zu den Felshängen des Spitzhorns und des Sanetschgebiets. Danach senkt sich der Wanderweg vorerst sanft zum Rotegrabe und führt danach auf dem historischen Trassee des alten Sanetsch-Saumwegs in etlichen, zuweilen recht steilen Kehren oberhalb der Saane talwärts. Von der Talstation der Sanetschbahn geht es dann auf einem Asphaltsträsschen zum nahen Kraftwerk und nach Innergsteig. Idyllisch ist das letzte Teilstück der Tour: Ein Uferweg verläuft der jungen Saane entlang vorbei an Wiesen zurück zum Moorgebiet Rohr. Von dort gelangt man zurück nach Gsteig.











