Oberhalb von Rüötsperri, Blick auf Wellhorn und Wetterhorn

Wanderung Meiringen-Engelhornhütte-Rosenlaui

Auf Umwegen zur Rosenlaui

  • Meiringen

  • Geissholz

  • Hohbalm

  • Engelhornhütte

  • Rosenlaui


REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 6 h 20 min
AUFSTIEG: 1440 m
TIEFSTER PUNKT: 603 m
VERPFLEGUNG: Engelhornhütte
ANREISE: Mit der Bahn nach Aareschlucht/West
MERKMALE: Höhenweg
Schwierigkeit: T3 Bergwandern
Streckenlänge: 14,9 km
Abstieg: 720 m
Höchster Punkt: 1914 m
Ideale Jahreszeit: Anfang Juni bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Rosenlaui/Hotel mit dem Postauto
   

Das Rosenlauigebiet gilt als eine der schönsten alpinen Landschaften der Schweiz. Üblicherweise passiert man es im Rahmen der klassischen Passwanderung über die Grosse Scheidegg. Sehr reizvoll ist allerdings auch eine Tour, die ab Meiringen auf Nebenwegen dorthin führt. Einige Passagen im Bereich der Engelhornhütte sind etwas ausgesetzt. Ausserhalb des Siedlungsgebiets grösstenteils Naturbelag.

Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden die Engelhörner alpinistisch erschlossen, von furchtlosen Pionieren wie der britischen Ausnahmebergsteigerin Gertrude Bell. Heute gelten die scharf gezackten, teilweise senkrecht abfallenden Kalkgipfel hoch über dem Reichenbachtal als eines der schönsten Klettergebiete der Schweiz. Für Wanderer ist das Massiv nicht geeignet. Doch ein aussichtsreicher Bergweg, der dem Fuss der Kette entlangführt, gewährt spannende Einblicke in die spektakulären Felsformationen.
Gestartet wird bei der Bahnstation Aareschlucht/West in Meiringen. Ein Kiespfad führt in gemächlichem Anstieg auf den Kirchet. Unterwegs entdeckt man da und dort helle Granitblöcke, die der Aaregletscher nach der letzten Eiszeit hier zurückgelassen hat. Im 19. Jahrhundert wurden die prächtigsten Findlinge vor Ort zurechtgehauen und nach Bern transportiert, wo sie zur Verzierung des Hauptbogens der Nydeggbrücke verwendet wurden.
Im Lammi wird die zur Sommerzeit von uferlosen Scharen von Motorrädern intensiv befahrene Strasse überquert, danach steigt man zum Dörfchen Geissholz auf, das zur ausgedehnten Gemeinde Schattenhalb gehört (zu der auch das Reichenbachtal mit dem Rosenlauigebiet zählt).
Über Wiesen und durch Wälder geht es auf stillen, kaum frequentierten Landwirtschaftssträsschen zunächst fast ebenen Wegs weiter, dann zum Zwirgi hoch und von dort auf dem alten Saumweg, der zur Grossen Scheidegg führt, nach Chaltenbrunnen. Die letzten rund 800 m müssen direkt auf der Passstrasse zurückgelegt werden. Danach zweigt die Route Richtung Rüötsperri ab. Der kuriose Flurname geht darauf zurück, dass man dort früher brünstige Stiere in einem abgesonderten Gehege hielt.
In sanftem Anstieg führt ein Kiessträsschen talauswärts nach Hohbalm. Es lohnt sich, zwischendurch innezuhalten und zurückzuschauen. Der Blick ins Reichenbachtal ist nämlich ausserordentlich malerisch. Mächtige Bergahorne zieren die Alpweiden, dahinter erheben sich Wellhorn und Wetterhorn mit ihren fast senkrechten Nordwänden.
Auf einem schmalen, zuweilen sehr steilen Pfad gelangt man zur Alp Chly Rychenbächli am Fusse des Tennhorns. In leichtem Abstieg geht es weiter zur Alp Gross Rychenbach, danach erneut steil hinauf zur Engelhornhütte. Im letzten Teil des Aufstiegs ist das Terrain teilweise sehr abschüssig. Einige besonders ausgesetzte Passagen sind mit Seilen gesichert.
Den schroffen Felszinnen der Engelhörner sehr nahe kommt man bei der Querung des abgeschiedenen Ochsentals – einer der reizvollsten Abschnitte der ganzen Wanderung. Der Abstieg ins Tal erfolgt auf Felspfaden und auf Kieswegen, die wegen des lockeren Materials teilweise sehr rutschig sind. Unterwegs geniesst man wiederholt den Ausblick auf den trotz Eisschwund noch immer eindrücklichen Rosenlauigletscher. An der Gletscherschlucht vorbei gelangt man zum Jugendstilhotel Rosenlaui, von wo einen das Postauto zurück nach Meiringen bringt.