Links: Der Morgetebach bei der Einmündung in den Buuschebach; rechts: Ausblick von der Hängebrücke zum unwegsamen hinteren Teil der Schlucht.

Wanderung Weissenburg-Leiternweide-Oberwil

Schluchtabenteuer am Morgetebach

  • Weissenburg

  • Weissenburgbad

  • Leiternweide

  • Oberwil


REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 2 h 10 min
AUFSTIEG: 360 m
TIEFSTER PUNKT: 782 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit der Bahn nach Weissenburg
MERKMALE: Am Wasser
Schwierigkeit: T3 Bergwandern
Streckenlänge: 6,1 km
Abstieg: 310 m
Höchster Punkt: 1099 m
Ideale Jahreszeit: Anfang Mai bis Ende Oktober
Rückreise:
   

Kaum zugänglich ist die Leiternweide im Simmental, und doch war sie früher dauerhaft besiedelt. Dass heute zumindest Bergbauern und Wanderer wieder dort hingelangen können, ist einer Hängebrücke zu verdanken, die auf eindrückliche Weise einen schauerlichen Abgrund überwindet. Die kurze Wanderung weist einen saftigen Aufstieg auf, dafür kaum Hartbelag.

Von der Bahnstation Weissenburg führt ein breiter Weg in angenehmem Aufstieg zum Standort des ehemaligen Hotels Weissenburgbad. Ein Pavillon und eine Reihe von Kastanienbäumen zeugen vom einstigen herrschaftlichen Kurbetrieb an dieser Stätte. Auf schmalem Pfad gelangt man in der sich rasch verengenden Schlucht zu den Überresten des noch älteren Vorläuferhotels.
Wenige hundert Meter nach dieser Stelle war bis vor einigen Jahren Schluss mit Wandern: Buusche- und Morgetebach fliessen dort zwischen senkrechten Felswänden zusammen, die beiden Schluchten sind völlig unwegsam. Seit 2013 aber quert eine kleine Hängebrücke den Morgetebach gleich bei dessen Einmündung in den Buuschebach. Auf diese Weise gelangt man leicht und bequem auf die andere Seite der Schlucht.
Damit ist allerdings noch wenig gewonnen, denn das Terrain auf der Nordseite ist unglaublich steil. Früher wurde der bewaldete Hang mit Holzleitern überwunden, doch diese sind schon lange zerfallen. Jetzt führen Metalltreppen in scharfem Aufstieg in die Höhe. Auf wenigen Dutzend Metern Horizontaldistanz werden rund 100 Höhenmeter bewältigt. Handläufe und Geländer bieten zwar Halt, doch zwischendurch gibt es immer wieder Tiefblicke, die bei nicht ganz schwindelfreien Personen den Puls deutlich erhöhen dürften.
Jetzt hat man erst einmal die Leitereweideni erreicht. Hier kann man kurz Atem schöpfen und sich etwas umsehen. Der Schauplatz weist eine spektakuläre Lage auf: Die beiden Schluchten umgrenzen ihn Richtung Süden, im Rücken ragen abschüssige Flühe in die Höhe.
Der definitive Kick steht erst noch bevor. Der Morgetebach wird ein zweites Mal überquert – diesmal aber in ausgesprochen luftiger Höhe. Eine zweite, wesentlich grössere Hängebrücke überspannt auf einer Länge von 110 m die Schlucht und gestattet atemberaubende Tiefblicke in den grandiosen Canyon.
Vom jenseitigen Brückenkopf führt ein Bergwanderweg hinauf zum Morgetepass und ins Gurnigelgebiet. Wer im Simmental bleiben will, nimmt das Kiessträsschen, das aus dem bewaldeten Graben herausführt. Über Bochteweideni kann man zum ehemaligen Weissenburgbad und von dort nach Weissenburg zurückgelangen, dem Ausgangspunkt der Tour. Spannender ist die Fortsetzung der Tour auf schmalem Pfad hinauf zum Zwärgliloch, das schon zu prähistorischer Zeit von Menschen als Unterschlupf genutzt wurde, und über Ställenen nach Oberwil.