Links: Die Granitnadeln am Weg haben dem Nägelisgrätli zu seinem Namen verholfen; rechts: Ausblick zum Rhonegletscher.

Wanderung Grimselpass-Nägelisgrätli

Gletscher-Arena an der kontinentalen Wasserscheide

  • Grimselpass

  • Nägelisgrätli

  • Grimselpass


REGION: Berner Oberland / Wallis
MARSCHZEIT: 3 h 50 min
AUFSTIEG: 720 m
TIEFSTER PUNKT: 2161 m
VERPFLEGUNG: Picknick aus dem Rucksack
ANREISE: Mit dem Postauto nach Grimsel/Passhöhe
MERKMALE: Familientauglich / Höhenweg
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 9,8 km
Abstieg: 720 m
Höchster Punkt: 2664 m
Ideale Jahreszeit: Anfang Juli bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Grimsel/Passhöhe mit dem Postauto
   

Auf der Wanderung über das Nägelisgrätli lässt man die laute Betriebsamkeit der Grimsel-Passhöhe rasch hinter sich und taucht in eine unberührte Landschaft ein. Eine Begehung der Route vor Mitte Juli kann problematisch sein, da an schattigen Stellen oft bis in den Sommer hinein Schneefelder auf dem Weg liegen. Durchwegs Naturbelag.

Als Wasserschloss der Schweiz wird das Grimselgebiet bezeichnet. Enorme Mengen an Regen- und Schmelzwasser fallen hier an. In mehreren Stauseen auf der Berner Seite des Grimselpasses wird das kostbare Nass gesammelt und für die Produktion von elektrischer Energie genutzt. Mit ihren Anlagen stellen die Kraftwerke Oberhasli Strom für nicht weniger als 1,2 Millionen Haushalte bereit.
Ganz anders sieht es auf der Walliser Seite aus: Dort fliesst das Wasser ungenutzt in die Rhone. Doch nicht nur punkto Wassernutzung unterscheiden sich Nord- und Südseite der Grimsel. Die Passhöhe liegt gleichzeitig direkt an der kontinentalen Wasserscheide: Nach Norden fliesst das Wasser in die Aare, später in den Rhein und mündet schliesslich in Holland in die Nordsee. Richtung Süden hingegen strömt es in die Rhone und in Südfrankreich letztlich ins Mittelmeer.
Entlang dieser unsichtbaren Grenze verläuft die Wanderung zum Nägelisgrätli. Sie führt von der Passhöhe in nordöstlicher Richtung praktisch auf der Kantonsgrenze zum Grätlisee hinauf. Das Grimselgebiet ist eine urtümliche Welt, geprägt von felsigem Boden mit karger Vegetation. Dank dem gut ausgebauten Bergwanderweg lässt sich die Strecke mühelos bewältigen.
Wie andere mit Strassen erschlossene Alpenpässe ist die Grimsel ein Paradies für Motorradfahrer. Laut heulen die Motoren an sonnigen Sommer- und Herbsttagen – ein bizarrer Kontrast zur spröden Weite dieser Landschaft, in der sonst einzig die Staumauern der Kraftwerksbetriebe von menschlichem Wirken zeugen. Wohltuend nimmt sich dagegen die Stille aus, die einen schon kurz nach der Passhöhe auf dem Bergwanderweg umfängt.
An der Kapelle auf der Passhöhe und an der mit Steinen begrenzten Aussichtskanzel vorüber geht es in leichtem, doch stetigem Anstieg über steinige Bergweiden zum Nägelisgrätli und diesem entlang weiter hinauf zum Grätlisee. Den Weg säumen bizarre Formationen aus spitzen Granitsteinen – die nadelartigen Felsnägel haben dem Gebiet zu seinem Namen verholfen. Richtung Süden verändert sich die Szenerie zusehends: Der mächtige Eisstrom des Rhonegletschers rückt allmählich ins Blickfeld.
Vom Grätlisee aus lohnt sich der Abstecher zum Aussichtspunkt Rhonegletscher/Bim grosse Stei. Er kann ohne nennenswerte Höhendifferenzen auf teilweise wegloser Route erreicht werden. Unterwegs werden Felder aus Geröll und mächtigen, mit Flechten bunt getupften Steinblöcken gequert, unter denen Bergbäche unsichtbar, aber laut sprudelnd talwärts fliessen. Die Rückkehr über den Grätlisee zur Grimsel erfolgt auf gleicher Strecke wie beim Hinweg.