Wanderung Stechelberg-Schiirboden
Wo Wildnis und Anmut Hand in Hand gehen
Wanderzeit: 4 h 45 min
Schwierigkeitsgrad: T2 Bergwandern *
Saison: Juni - Oktober
Das hintere Lauterbrunnental gilt wegen seiner Weite und Unberührtheit als eines der schönsten Täler der Alpen. Sein ausgedehntes Wanderwegnetz eignet sich vorzüglich für mehrtägige Touren. Doch auch eine Tageswanderung lädt dazu ein, die besonderen Reize dieser Gegend kennenzulernen – zum Beispiel zwei verborgene Wasserfälle. Die vorliegende Runde verläuft durchwegs auf Naturbelag.
Detaillierte Routenbeschreibung
In der Schweiz gibt es eine unabsehbare Zahl sehenswerter Landschaften. Eine der eindrücklichsten ist jene des hinteren Lauterbrunnentals. Der weite Talkessel ist Teil des Unesco-Welterbes Jungfrau-Aletsch. Weit oben liegen zwei Berghotels, die weder über elektrischen Strom noch über fliessendes Wasser verfügen; dafür geniesst man von dort einen grandiosen Rundblick, der vom Gipfel der Jungfrau bis zum Hochgebirgskamm reicht, der das Berner Oberland vom Wallis trennt.
Man braucht nicht einmal so hoch zu steigen, um diese einmalige Gegend in den Blick zu fassen, eine einfachere Tour genügt dafür. Ausgangspunkt ist die Postautoendstation Stechelberg. Wer von dort taleinwärts blickt, mag denken, wenige hundert Meter weiter südlich sei das Tal zu Ende. Doch eine knappe Wanderstunde später, nachdem man über Trachsellauenen in den Talhintergrund gelangt ist, erkennt man, dass sich hinter dem Engpass eine neue, bezaubernde Welt öffnet. Der Schiirboden etwa ist ein paradiesisch schöner Ort. Von Alpweiden umgeben steht dort in einem weiten, flachen Boden eine mehr als 200 Jahre alte Scheune und unweit davon ein prächtiger Bergahorn. Etwas weiter unten fliessen zwei Bergbäche zur Weissen Lütschine zusammen.
Der Aufstieg setzt sich fort Richtung Wildi Egg. Etwa auf halbem Weg lohnt es sich, einen Abstecher zum Talbachfall einzuschalten. Ein schmaler Pfad führt ein paar Hundert Schritte zur Hangkante, wo sich jählings ein spektakulärer Ausblick öffnet: Am gegenüberliegenden Hang donnert das Wasser durch eine senkrechte Rinne in ein tiefes Becken. Im unteren Teil wird der Wasserfall von einem Felsband verdeckt, so dass es aussieht, wie wenn die Fluten durch ein Loch im Fels schiessen.
An der Wildi Egg stehen ein paar Schritte oberhalb des Wegweisers zwei solide Holzbänke mit schöner Sicht zur gegenüberliegenden Bergkette. Majestätisch fliesst dort am Fuss von Mittaghorn und Grosshorn der Schmadribach mehrarmig über einen felsigen Steilhang – der Schauplatz ist einer Rast würdig. Bevor man den höchsten Punkt der Tour erreicht, geht es nochmals ein paar Dutzend Höhenmeter abwärts zu einem idyllischen Talboden mit dem simplen Namen Im Tal. Nach der Überquerung der Tschingel-Litschina steigt am gegenüberliegenden Hang nochmals leicht aufwärts ins Läger.
Die Szenerie, die einen dort erwartet, stellt eine eigentümliche Mischung von romantischer Wildnis und anmutiger Kulturlandschaft dar: Im Vordergrund ziehen sanfte Wasserläufe durch eine liebliche Wiesenlandschaft, darüber donnert der Schmadribach zwischen urtümlichem Bergwald und mächtigen Flühen in die Tiefe, und im Hintergrund ragen Gletscherzungen von himmelhohen Bergen herab.
Etwa auf halbem Weg des Abstiegs zurück zum Schiirboden ist eine Abzweigung zu den Holdrifällen signalisiert. Auch diesen Abstecher sollte man sich nicht entgehen lassen. In drei Kaskaden – zwei nebeneinander, die dritte – donnern die Wassermassen des Schmadribachs in ein grosses Becken.
Auf gleicher Strecke wie beim Hinweg geht es via Trachsellauenen zurück nach Stechelberg.











