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Kirchliche Rebellen
26. November 2025

Kirchliche Rebellen

«Furna? Nie gehört!» Das ist die übliche Antwort, wenn jemand die Rede auf das Dorf Furna im Prättigau bringt und am Ende gar die Absicht bekundet, in der im Unterland weitgehend unbekannten Gegend eine Wanderung zu unternehmen. Dabei gibt es dort mehrere angenehme und abwechslungsreiche Touren. Eine davon führt als Rundwanderung zur Alp Rona. Am Weg liegt auch die Dorfkirche – ein unspektakulärer Ort, an dem allerdings Geschichte geschrieben wurde. Hier übernahm nämlich im Jahre 1931 Greti Caprez-Roffler als erste Pfarrerin der Schweiz die Betreuung einer Kirchgemeinde in Alleinverantwortung. Die Leute von Furna hatten sie gegen den erbitterten Widerstand der Bündner Synode gewählt. Die Obrigkeit sah in diesem Akt einen Ausdruck mangelnder Gottesfurcht und weiblicher Sturheit. Dabei ist zu vermuten, dass die Furner nicht einmal besonders feministisch eingestellt waren, sondern wohl einfach Mühe hatten, die Pfarrstelle ihres abgelegenen Dorfs zu besetzen. Dem kantonalen Kirchenrat liess die Gemeinde den schönen Bescheid zukommen: «Wenn unser Pfarrer keinen anderen Fehler hat, als dass er einen Rock trägt, behalten wir ihn.» Dennoch musste die Gemeinde seitens der Synode massive Pressionen gewärtigen, so dass die Pfarrerin nach drei Jahren zermürbt wegzog. Erst 1965 wurden in Graubünden Frauen offiziell zum Pfarramt zugelassen.

 greti caprez roffler

Greti Caprez-Roffler als 25-Jährige kurz vor der Wahl zur Pfarrerin in Furna (links) und 1966 bei einer Hochzeit in Nufenen (Quelle: Nachlass Caprez-Roffler)