Auf der Rinderalp beginnt der Schlussspurt zum Stanserhorn-Gipfel

Wanderung Stans-Stanserhorn

Nahe den Engeln zittert der Teufel

  • Stans

  • Luegeren

  • Ahornhütte

  • Tiifels Zittere

  • Stanserhorn


REGION: Zentralschweiz
MARSCHZEIT: 5 h
AUFSTIEG: 1440 m
TIEFSTER PUNKT: 447 m
VERPFLEGUNG: Restaurant Rondorama, Stanserhorn
ANREISE: Mit der Bahn nach Stans
MERKMALE: Aussichtsberg
Schwierigkeit: T3 Bergwandern
Streckenlänge: 10,2 km
Abstieg: 30 m
Höchster Punkt: 1853 m
Ideale Jahreszeit: Mitte Mai bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Stanserhorn mit der Seilbahn nach Stans
   

Das Stanserhorn ist ein bekannter Aussichtsberg, von dessen Gipfel man ein reichhaltiges Panorama geniesst. Obwohl eine Seilbahn hochfährt, lohnt sich der Aufstieg zu Fuss. Die Route über Luegeren und Tiifelszittere in der Nordflanke etwa ist nur mässig steil und bietet grossartige Ausblicke zum Vierwaldstättersee. Zu Beginn 1 km auf Hartbelag, danach durchwegs Naturwege.

Vom Bahnhof Stans erreicht man in wenigen Minuten den Stanser Dorfplatz, wo verschiedene Routen auf das Stanserhorn zur Auswahl stehen. Steil und direkt ist der Aufstieg über Chälti und Bluematt. Gemächlicher ist die Variante über Luegeren. Sie beginnt mit einem weiten Bogen, der über die Chlostermatte führt. Von dort geht es zunächst über Wiesland, schon bald aber im Wald zügig weiter aufwärts. Die Steigung bleibt aber in aller Regel mässig und die nun folgenden Waldpassagen werden immer wieder durch Lichtungen unterbrochen, so dass man regelmässig in den Genuss des sich zunehmend weitenden Panoramas kommt. So werden über den Rücken des Bürgenstocks hinweg schon bald das Luzerner und das Küssnachter Becken des Vierwaldstättersees sichtbar; dahinter breitet sich das Luzerner Mittelland wie ein gewellter Teppich aus.
Flankiert wird diese Szenerie vom breiten Rücken der Rigi und dem «gebrochenen Berg», wie man den Pilatus früher nannte. Meist verläuft die Route auf steinigen, aber breiten und gut ausgebauten Fusspfaden, zwischendurch aber auch auf Kiessträsschen. Von der mitten im Wald liegenden Wegverzweigung Luegeren geht es in weiterhin mässigem Anstieg hinauf zum Chalcherli; mitten in dem schönen Fleck Weideland steht eine Alphütte mit viel Aussicht.
Auch Richtung Osten weitet sich nun die Sicht: Das nahe Buochserhorn rückt ins Blickfeld, und über den See hinweg erkennt man die Gipfel der beiden Mythen. Bei der Ahornhütte steht ein lauschiges Rastplätzchen mit eindrücklichem Tiefblick bereit. Für den weiteren Aufstieg stehen zwei Varianten zur Verfügung: Etwas weiter und weniger steil ist der grosse Bogen via Blatti; direkt und abenteuerlicher ist die Route über Tiifels Zittere. Wer annimmt, der Hang sei hier so steil und der Weg so schmal, dass selbst der Teufel ins Zittern käme, täuscht sich. Das Gelände ist zwar etwas exponiert, auf einem kurzen Abschnitt säumt gar ein Stahlseil den Weg, doch für geübte Bergwanderer ist auch diese Passage problemlos zu bewältigen (der Abschnitt ist der einzige der Route mit Schwierigkeitsgrad T3).
Der seltsame Flurname geht auf eine Episode aus den 1930-er Jahren zurück. Der Nidwaldner Oberförster Max Kaiser führte an einem schönen Herbsttag eine Gruppe von Behördenmitgliedern durch die Lawinenverbauungen am Stanserhorn, als ein Knall jäh die Bergstille zerriss. Vermutlich hatte ein Wilderer gerade eine Gämse geschossen. «S Tiifels Zittere, was mached ai die da obe!?» rief der Förster erschrocken aus. Der Ausruf des Erstaunens war damals im Nidwaldner Dialekt gebräuchlich. Der ebenfalls anwesende eidgenössische Forstinspektor hatte ihn jedoch noch nie gehört, nahm ihn mit Erstaunen zur Kenntnis und liess ihn sich wortreich erklären. Fortan wurde das Gebiet von den Einheimischen nur noch «Tiifels Zittere» (das Zittern des Teufels) genannt.
Passenderweise endet der Aufstieg im Muetergotteswald. Ebenen Wegs gelangt man von dort zur Rinderalp hinüber. Der Schlussspurt führt über den breiten Grat hinauf zum Gipfel. Das Panorama, das einen oben erwartet, ist grandios. Es reicht im Süden von den Glarner, Urner und Obwaldner Alpen bis zu Eiger, Mönch und Jungfrau, während im Norden über das Mittelland hinweg die Jurakette, der Schwarzwald und die Vogesen zu sehen sind.
Am Ziel endet freilich auch die Einsamkeit der Gebirgswelt, die den Aufstieg geprägt hat: Auf der Restaurantterrasse tummeln sich Ausflügler von nah und fern in Sandalen und Flipflops. Sie sind mit wesentlich weniger Schweisstropfen und Anstrengung in den Genuss der Gipfelsicht gekommen, indem sie mit der Cabrio-Bahn hochgefahren sind. Die aussergewöhnliche Luftseilbahn ist mit doppelstöckigen Kabinen ausgestattet, deren Oberdeck offen ist und den Fahrgästen eine Freilicht-Fahrt ermöglicht. Die Bahn ist denn auch für Bergwanderer eine ebenso attraktive wie gelenkschonende Möglichkeit zur Rückkehr ins Tal.