Wetterpech im Regennass

05. Juli 2013.

Was für ein Wetterpech! Seit Tagen verhiessen die Meteorologen optimale Bedingungen. Noch am Vorabend versprach die Prognose wiederholte Regenschauer. Und dann dies: blaue Löcher in der Wolkendecke, ja Sonnenschein. Unsere Expedition in das Niederschlagsuniversum des Schwarzbubenlands drohte zum Fiasko zu werden.
Wir waren aufgebrochen, um den Regen im Wald von Regennass auszukosten, wollten herausfinden, ob der Niederschlag dort von anderer Qualität ist als etwa auf dem Sonnenbärgli im Entlebuch. Wir werden es vorläufig nicht beurteilen können, denn Petrus liess uns schmählich im Stich. Die Tour ins Regennass war trotzdem interessant, denn sie führte uns an einen kuriosen Ort:
thumb reservoir

Irgendwann im Mittelalter spazierte einst ein Bauer durch das Schwarzbubenland, wurde von einem Wolkenbruch überrascht und bis auf die Knochen durchnässt. Seine Nachbarn fanden das dermassen ulkig, dass sie ihn fortan «den Regennassen» nannten. Irgendwann ging die kecke Bezeichnung dann auch auf seinen Hof über. Das Regennass gibt es noch heute, allerdings findet man dort kein Bauernhaus mehr, ja nicht einmal eine schäbige Hütte, sondern nur noch ein Wasserreservoir. Der Ort mit dem seltsamen Namen ist nichts weiter als ein kleines, bewaldetes Tal, durch das ein namenloses Bächlein plätschert. Das mag enttäuschend sein. Vielleicht hat man ja eine nach unerklärlichen Prinzipien funktionierende Naturdusche erwartet – so eine Art Dauerregen, der selbst bei Sonnenschein fällt.

Bei unserem Besuch in Regennass blieb der erhoffte Regen zwar aus, doch weil es noch in der Nacht zuvor tüchtig gegossen hatte, war die Landschaft wie frisch gewaschen: Das Laub glänzte üppig, der Boden gab unter den Schuhsohlen mit weichem Schmatzen nach, der Wald war still und einsam. Weiter vorne hoppelte ein Hase vorbei, wenig später preschte ein Reh über den Weg. Und plötzlich hörten wir es, das Nichts: Keine Autos, keine Flugzeuge, keine Mähdrescher. Dafür Vogelgezwitscher und das Summen von Insekten. In Regennass lauscht man dem tiefen, ruhigen Atmen der Natur.