Im Licht des Südens: Soglio, dahinter – Italien.

Wanderung Stampa-Castasegna

Prunksucht an der Schwelle zum Paradies

  • Stampa

  • Caccior

  • Soglio

  • Dasciun

  • Castasegna


REGION: Graubünden
MARSCHZEIT: 3 h
AUFSTIEG: 290 m
TIEFSTER PUNKT: 690 m
VERPFLEGUNG: Hotel Palazzo Salis, Soglio
ANREISE: Mit dem Postauto nach Stampa/Villaggio
MERKMALE: Höhenweg
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 9,4 km
Abstieg: 610 m
Höchster Punkt: 1112 m
Ideale Jahreszeit: Mitte April bis Ende November
Rückreise: Ab Castasegna/Vecchia Dogana mit dem Postauto
   

Auf der Wanderung von Stampa nach Soglio und Castasegna erfährt man, wie sich im 19. Jahrhundert protzen liess und wovon die Leute im Bergell einst lebten. Und man erhält eine Ahnung davon, wie es im Paradies aussehen könnte. Mehrere Abschnitte der Route verlaufen auf eindrücklichen historischen Verkehrswegen; zu Beginn 2,5 km auf Hartbelag.

Der Höhenweg «Via Panoramica» ist der bekannteste Wanderweg im Bündner Südtal Bergell – und wohl auch einer der schönsten. Er zieht sich der sonnigen Talseite entlang und bietet immer wieder eindrückliche Aussichten. Bei allen unbestreitbaren Vorzügen weist er allerdings auch einen Nachteil auf: Er lässt sich kaum in einer abgekürzten Version erleben, ohne dass happige Zustiege in Kauf genommen werden.
Umgehen lässt sich dies, indem man vom Tal nur bis Soglio hochsteigt. Auf direktem Weg ist dies gut ab Promontogno möglich. Interessanter ist aber die Route ab Stampa. Deren Einstieg verläuft zwar anfänglich auf einer längeren Strecke über Asphalt, führt aber dafür an einem ebenso kuriosen wie interessanten Bauwerk vorbei – dem Palazzo Castelmur beim Dörfchen Coltura.
Der Zuckerbäcker Giovanni de Castelmur baute das einstige Herrenhaus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem neugotischen, maurisch-italienisch inspirierten Schloss um. In Frankreich war er zu üppigem Reichtum gekommen, den er nach seiner Rückkehr in die Heimat auch architektonisch zur Schau stellen wollte. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Baudenkmal, das in der wunderbar stillen und unaufgeregten Naturlandschaft des Bergells allerdings auch ein wenig deplatziert wirkt.
Die Wanderroute führt weiter zum Weiler Caccior, wo die Asphaltstrecke endet. Der Weg geht nun in steiles, bewaldetes Terrain über und gewinnt in mehreren Kehren, die mit Trockenmauern kunstvoll angelegt sind, zügig an Höhe. Alsbald erreicht man die Hochebene von Soglio.
Die Wiesen und Gärten rund um das Dorf gewähren wunderschöne Ausblicke ins Tal der Maira und zu den umliegenden messerscharf gezackten Berge. Den Ort selbst kennzeichnet eine kühne Mischung von dicht aneinandergeschmiegten Bauernhäusern und herrschaftlichen Palazzi des hier beheimateten Adelsgeschlechts der von Salis. Giovanni Segantini bezeichnete das malerische Dorf als «Schwelle zum Paradies».
Auf einem Kiessträsschen gelangt man praktisch ebenen Wegs zur Alp Dasciun. Von dort steigt man ins Tal ab, zuerst auf einem schmalen Pfad über Wiesen und durch Wald, später über einen alten Steintreppenweg. Etwas oberhalb von Castasegna mündet die Route in ein Strässchen, das durch einen ausgedehnten Kastanienhain ins Dorfzentrum führt.