Zuweilen direkt am Wasser, dann wieder etwas entfernt verläuft der Uferweg zwischen Iseltwald und Giessbach.

Wanderung Iseltwald-Giessbach

Der Brienzersee – zutiefst Aare

  • Iseltwald

  • Glooten

  • Giessbach/See


REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 1 h 50 min
AUFSTIEG: 160 m
TIEFSTER PUNKT: 563 m
VERPFLEGUNG: Hotel Giessbach
ANREISE: Mit dem Postauto oder mit dem Schiff nach Iseltwald
MERKMALE: Familientauglich / Am Wasser
Schwierigkeit: T1 Wandern
Streckenlänge: 5,4 km
Abstieg: 160 m
Höchster Punkt: 583 m
Ideale Jahreszeit: Mitte Mai bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Giessbach/See mit dem Schiff
   

Der Wanderweg von Iseltwald zum Giessbach gilt als einer der schönsten Uferwege der Schweiz. Fast durchwegs direkt dem Brienzersee entlang angelegt, führt er durch märchenhaften Bergwald mit knorrigen Stämmen, zu lauschigen Badeplätzen und zu einem prachtvollen Jugendstil-Hotel. Ausserhalb des Siedlungsgebiets durchwegs Naturbelag.

Grundsätzlich ist ein See eigentlich nichts anderes als ein verdickter Fluss. Wenn hinten Aare hineinfliesst und vorne Aare herausströmt, spricht nichts dagegen, das Stück dazwischen ebenfalls als Aare zu betrachtenn. In diesem Sinne weist die Aare im Kanton Bern insgesamt sechs solche Verdickungen auf. Drei davon – Grimselsee, Räterichsbodensee und Wohlensee – sind Stauseen und damit menschengemacht. Die anderen drei – Brienzersee, Thunersee und Bielersee – sind viel älter: Sie wurden schon während den Eiszeiten ausgehoben.
Beim Brienzersee verlief die Schleifarbeit der Gletscher besonders gründlich und erfolgreich. Auf halbem Weg zwischen Brienz und Interlaken, etwa in der Mitte des Sees, liegen sich die beiden Dörfer Iseltwald und Oberried gegenüber. Zwischen ihnen befindet sich der tiefste Punkt nicht nur des Brienzersees, sondern des gesamten Aarelaufs. Er liegt exakt 304 m über Meereshöhe – und damit satte zehn Meter tiefer als die Flusssohle der Aare bei der Mündung in den Rhein. Man kann durchaus folgern, im Brienzersee zeige sich die Aare zutiefst.
Auf der Südseite des Brienzersees gibt es eine weitere Merkwürdigkeit: Dort liegt eine überaus reizvolle Nebenwirkung des Strassenbaus. Grundsätzlich vertragen sich Strassen und Wanderwege schlecht – seit Jahrzehnten fallen immer wieder hübsche Naturwege den Asphaltmaschinen zum Opfer. Doch manchmal geht es auch anders. Als in den 1980-er Jahren der Abschnitt Interlaken-Brienz der Autobahn A8 gebaut wurde, baute der Kanton Bern als Kompensation für diesen Eingriff in Natur und Landschaft einen Wanderweg, der praktisch durchwegs direkt dem See entlangführt. Weil die Autobahn deutlich weiter oben und zudem auf längeren Strecken in Tunnels verläuft, stören weder Lärm noch Abgase den Wandergenuss.
In Iseltwald folgt man zunächst der Uferpromenade. Sie endet beim Strandbad, wo der besagte Uferweg beginnt. Der Kiesweg folgt in leichtem Auf und Ab dem Uferverlauf. Zuweilen führt er direkt dem Wasser entlang, dann wieder überwindet er einzelne unwegsame Uferpartien mit mässiger Steigung. Der einzigartig intensive Türkis-Ton des Brienzersees begleitet einen während der Wanderung ständig.
Wer Badekleidung dabei hat, findet an verschiedenen idyllischen Badeplätzen Gelegenheit für eine erfrischende Abkühlung. Allerdings muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass der vorwiegend mit Gletscherwasser gespeiste Brienzersee zu den kältesten unter den grösseren Seen der Schweiz zählt. Nur gerade an windstillen Hochsommertagen erreicht er Badetemperaturen, die als mehrheitsfähig gelten können.
Im Gebiet des Picknickplatzes Glooten gilt es einen etwas grösseren Anstieg zu bewältigen. Dafür winkt anschliessend ein besonders schöner Abstieg durch einen urwüchsigen Wald. Vom Ziel der Wanderung, der Schiffländte Giessbach/See, führt ein zehnminütiger Aufstieg oder die Bergfahrt mit der ältesten Standseilbahn Europas zum Hotel Giessbach hinauf, das sich an einzigartiger Aussichtslage gegenüber den Giessbachfällen befindet.