Der Grimselsee, darüber der Brünberg mit seinem Kamm aus Urgestein

Wanderung Grimselpass-Guttannen

Aare (1): Grimsel talwärts

  • Grimselpass

  • Seeuferegg

  • Räterichsbodensee

  • Handegg

  • Guttannen


REGION: Berner Oberland
MARSCHZEIT: 4 h 45 min
AUFSTIEG: 230 m
TIEFSTER PUNKT: 1050 m
VERPFLEGUNG: Hotel Handegg
ANREISE: Mit dem Postauto auf die Grimsel/Passhöhe
MERKMALE: Passwanderung
Schwierigkeit: T2 Bergwandern
Streckenlänge: 16,3 km
Abstieg: 1340 m
Höchster Punkt: 2164 m
Ideale Jahreszeit: Mitte Juni bis Mitte Oktober
Rückreise: Ab Guttannen mit dem Postauto
   

Das Quellgebiet der Aare ist eine karge Landschaft voller spröder Reize. Die Route verläuft zu einem grossen Teil auf dem alten Säumerweg. Manchenorts ist das ursprüngliche Trassee allerdings in Stauseen verschwunden. Dort wurde die Strecke verlegt. Kaum Hartbelag, aber mehrere zum Teil heikle Überquerungen der intensiv befahrenen Passstrasse.

An sommerlich-sonnigen Wochenendtagen gibt es kein Halten mehr: Wie Schwärme riesiger Insekten surren endlose Kolonnen von Motorrädern und Autos über den Grimselpass. Das Heulen der Motoren begleitet einen während der Wanderung auf dem alten Passweg fast ständig - oft als diskretes Hintergrundgeräusch, zwischendurch aber auch als penetrantes Jaulen, das auf geradezu absurde Weise mit der grandiosen Weite der Landschaft kontrastiert.
Die Geräuschkulisse ist der hörbare Ausdruck eines kuriosen Rituals, Natur in motorisierter Masse zu konsumieren. Man sollte sich davon nicht verdriessen lassen - die Grimsel verfügt über viele Reize, die solchen Klamauk bei weitem aufwiegen. Die Passhöhe liegt deutlich über der Baumgrenze. Spärlicher Graswuchs und niedrige Büsche sorgen für grüne Farbtupfer. Allgegenwärtig sind die von Flechten überwachsenen Felsplatten, die während der Eiszeiten von den Gletschern glattgeschliffen wurden. Jene Teile der Gebirgskämme, die damals aus dem urzeitlichen Eismeer ragten (etwa der Brünberg über dem Grimselsee oder die östlich davon liegenden Gerstenhörner), zeigen sich demgegenüber als wild gebrochene Ketten von aneinander gestapelten Felsplatten.
Die Höhendifferenz, die es beim Abstieg nach Guttannen zu bewältigen gilt, ist beachtlich. Die insgesamt 1100 Höhenmeter verteilen sich jedoch auf mehrere Stufen, zwischen denen es längere flache und entsprechend erholsame Abschnitte gibt. Besonders der erste Teil von der Passhöhe bis zum Grimselsee ist zudem ausgesprochen gefällearm angelegt und somit relativ gelenkschonend.
Auf den letzten anderthalb Kilometern bis zur Abzweigung zum Grimsel-Hospiz verläuft der Bergwanderweg direkt der Passstrasse entlang. Etwas mehr Ruhe herrscht beim steilen Abstieg am Rand der Seeuferegg-Staumauer sowie bei der praktisch ebenen Wegs verlaufenden Passage zum Räterichsbodensee. Nahezu unbeeinträchtigt ist die Bergstille bei Pkt. 1802 südlich des Sees; Holzbänke laden dort zur Rast ein.
Nach dem Abstieg zur Gerstenegg folgt ein besonders schöner Abschnitt des historischen Saumpfads: Vor Jahrhunderten schon wurden an der Hälen ( = glitschigen) Platte Steinstufen in den Fels gehauen, damit die heikle Passage gefahrlos überwunden werden konnte. Von der Handegg an führt der Saumweg fast durchwegs nahe der Passstrasse talwärts. Einzig dank dem Strassentunnel bei den Stäibenden bleiben Abgasschwaden und Lärm für eine Weile verbannt. Beim Tschingelmad entfernt sich der Wanderweg von der Strasse und führt in einem grossen Bogen über die Rotlaui nach Guttannen. Auf der Brücke, welche die beiden Dorfteile Sunnsyten und Schattsyten miteinander verbindet, erblickt man nochmals die Aare, die sich hier trotz der eingeschränkten Restwassermenge bereits als respektables Gebirgsflüsschen zeigt.