Unsinnige Schlaumeierei

19. Juli 2014.

Wanderrouten verlaufen bekanntlich nicht immer auf Wanderwegen, sondern manchmal auch auf Asphalt- oder Betonstrassen. Die meisten Wanderer (ausser jene mit Kinderwagen oder im Rollstuhl) finden das nicht so toll. Deshalb gibt es ein Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege, das eine Bestimmung zu Wegstrecken mit Belägen enthält, „die für Fussgänger ungeeignet sind“. Das Gesetz verhindert, dass Waldsträsschen und Kieswege einfach nach Lust und Laune asphaltiert werden können. Doch die Regelung liess sich eine Zeitlang „kreativ“ umgehen, indem die Kiessschicht mit sogenanntem Recycling-Granulat verstärkt wurde.

Recycling – klingt doch gut, oder? Das Material stammt aus dem Strassenbau. Wenn eine Strasse saniert werden muss, wird der alte Deckbelag weggefräst und zu einer Art Kies zermahlen. Wenn man dieses Granulat später schön erhitzt, an einem Hochsommertag ausbringt und danach ein paarmal mit dem Lastwagen drüberfährt, hat man die betreffende Strecke quasi asphaltiert – und den Schutz der Wanderwege ausgehebelt. Die unsinnige Schlaumeierei hat dazu geführt, dass seit der Jahrtausendwende viele Kilometer Naturwege klammheimlich verstrasst wurden.

Weil das Zeug jedoch nichts anderes als Sondermüll ist, darf es heute nicht mehr einfach so auf Naturwegen ausgebracht werden. Was aber passiert mit den Strecken, die bereits damit ausgestattet wurden? Werden sich die Eigentümer dieser Strassen später einmal bei einer Sanierung darauf berufen, der entsprechende Abschnitt sei jetzt ja bereits asphaltiert gewesen und dürfe daher – nunmehr legal – mit einer neuen Asphaltschicht ausgebessert werden? Vernünftigerweise müsste man diesen Dreck jetzt gleich beseitigen und die betreffenden Strecken in den ursprünglichen, natürlichen Zustand zurückversetzen. Ein attraktiver Kandidat für eine solche Rückbauaktion wäre der Wanderweg von Chaltenbrunnen über Rüötsperri nach Hohbalm im Rosenlauigebiet. Die Strecke führt durch eine zauberhafte Landschaft mit saftigen Alpweiden und mächtigen Bergahornen, dahinter formen Wellhorn und Wetterhorn eine grandiose Kulisse. Der Kiesweg ist mit Recycling-Granulat behelfsmässig stabilisiert und sieht entsprechend unansehnlich aus.