Sparen im Restaurant

24. März 2016.

thumb lully

Wir unternahmen einen Spaziergang durch das Genfer Hinterland (Lully-Laconnex: Rebberge, Wälder, Wiesen – also viel Grün und Natur) und strandeten am Ziel im Café „Chez le docteur“, wo eine Tafel „Apérothérapie“ empfahl. Selbiger unterzogen sich im urchig-heimeligen Etablissement einige ältere Herren aus dem Dorf, es ging ja auf Mittag zu. An der Wand stach uns ein Metallkasten ins Auge. Er enthielt 60 regelmässig angeordnete und nummerierte Schlitze. Der „Cagnomatic“, wie das klobige Ding heisst, ist ein Kind der 1960er-Jahre. Damals wurde er verschiedenenorts in Dorfbeizen installiert.

thumb cagnomatic

Die Kiste ermöglicht individuelles Sparen im Kollektiv: Man mietet einen Schlitz und verpflichtet sich, regelmässig ein paar Franken hineinzuschieben. Ende Jahr wird ausbezahlt. Zinsen gibt es nicht, dafür Sachauslagen mit buchstäblich wirtschaftsförderndem Charakter, denn alle Ein- und Auszahlungen sind natürlicherweise mit Konsumationen in der Beiz verbunden. Hingegen kann auf elegant gekleidete Finanzpriester verzichtet werden, die sich ihren faulen Zauber mit absurden Boni vergolden lassen. Ein herrlicher Anachronismus im Zeitalter des institutionalisierten Raubrittertums (vulgo „Banken“). Die Sparvereine sind natürlich am Aussterben.