kopfbild-07

Sonnenschein und Wasserschleier

Geschrieben von Andreas Staeger am .

Schirm, Regenjacke, Regenhose und Pullover blieben gestern ungenutzt im Rucksack, dafür kam wider Erwarten die Sonnencreme zum Einsatz. Der Sommer 2014 ist immer wieder für Überraschungen gut. Die Meteorologen finden ihn allerdings wegen seines unsteten Charakters nicht besonders spassig. Würde es nicht fast täglich regnen, dann gäbe es auch dieses Kleinod im Simmegrund bei Zweisimmen nicht zu entdecken: Über eine Tuffsteinwand rieselt, tröpfelt, rinnt, rauscht und sprudelt Wasser herab, in teils kräftigen, teils hauchzarten Fäden. Das zauberhafte Schauspiel war passender Schlusspunkt zu einer auch sonst sehr reizvollen Wanderung. Die Route: Zweisimmen-Holaasfluh-Rychestei-Zweisimmen.

thumb simmegrund

Unsinnige Schlaumeierei

Geschrieben von Andreas Staeger am .

Wanderrouten verlaufen bekanntlich nicht immer auf Wanderwegen, sondern manchmal auch auf Asphalt- oder Betonstrassen. Die meisten Wanderer (ausser jene mit Kinderwagen oder im Rollstuhl) finden das nicht so toll. Deshalb gibt es ein Bundesgesetz über Fuss- und Wanderwege, das eine Bestimmung zu Wegstrecken mit Belägen enthält, "die für Fussgänger ungeeignet sind". Das Gesetz verhindert, dass Waldsträsschen und Kieswege einfach nach Lust und Laune asphaltiert werden können. Doch die Regelung liess sich eine Zeitlang "kreativ" umgehen, indem die Kiessschicht mit sogenanntem Recycling-Granulat verstärkt wurde.

Kühles Wasser für heisse Tage

Geschrieben von Andreas Staeger am .

Die Suonen im Wallis sind eine tolle Sache. Die ersten dieser traditionsreichen Wasserläufe wurden bereits im Mittelalter gebaut. Noch heute dienen sie der Bewässerung trockener Hänge. Auch für leichte Wanderungen eignen sich die Suonen perfekt, da sie oft von schmalen Fusspfaden gesäumt werden, die kaum Höhendifferenzen aufweisen. Im Hochsommer freilich muss die Route mit Bedacht gewählt werden. Falls man unüberlegterweise am sonnenexponierten Südhang hoch über dem Rhonetal unterwegs ist, wird man von der sengenden Walliser Sonne gnadenlos durchgeschmort. Wesentlich besser geeignet ist da etwa die Wanderung der Alten Suon entlang, die von Bürchen Richtung Eischoll führt. Hier findet man selbst an Hundstagen Sommerfrische.

Flucht aus der Idylle

Geschrieben von Andreas Staeger am .

100 Leute wohnen heute noch in Saxeten. Seit letztem Jahr hat das Berner Oberländer Bergdorf keine eigene Schule mehr. Die Kinder fahren jetzt mit dem Postauto nach Wilderswil. Auf der Rückfahrt ist das Fahrzeug fast leer. Der Chauffeur (er ist nebenbei noch Landwirt und war früher Gemeindepräsident) erzählt Witze. Zum Beispiel: Wenn zwei Saxeter sich begegnen, sagen sie nicht mehr "Salü". Vielmehr fragen sie: "Ist deine Frau noch nicht davongelaufen?"

Im Dorf, erzählt der Chauffeur, habe es in jüngster Zeit eine bedenkliche Häufung von Trennungen gegeben; diese Frauen, vermutet er, hätten wohl die ruhige Lage des Dorfs nicht mehr ertragen. Was gestressten Flachländern ein perfekter Fluchtpunkt ist, erscheint der ansässigen Bevölkerung offenbar teilweise als Belastung. Doch bei aller Tragik darf man feststellen: Es ist wirklich sehr schön dort oben im Saxettal - siehe die Rundwanderung zur Ramsermatte.