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Winterausklang im Engadin

Geschrieben von Andreas Staeger am .

Bank mit Besen
Bank mit Besen, bei Ardez (Unterengadin)

Winterwander-Recherchen im Engadin Ende Februar 2016. Winter? Die Schneehöhe variierte zwischen 2 cm (Sonnenhang), 10 cm (Schattenhang) und 30 cm (beschneite Piste). Etwas verloren wirkten die Handbesen und die Schäufelchen, die an den meisten Aussichtsbänken angebracht sind. Die Gerätschaften sind eine nette, ja geradezu fürsorgliche Geste: Wenn es frisch geschneit hat und man sich auf der Bank ausruhen möchte, braucht man sich nicht auf den Schnee zu setzen, sondern kann ihn vorher wegbeseln.

Dann kam der März und mit ihm nach alter Vorstellung das neue Jahr. In den Dörfern ziehen blaugewandete Kinder mit Kuhglocken umher, besammeln sich zwischendurch und singen Lieder. In Scuol und natürlich auch im "Schellenursli"-Dorf Guarda ist der Chalandamarz eine Art touristischer Event. Dahinter steckt aber mehr, nämlich ein traditionsreicher, seit unzähligen Generationen gepflegter Brauch.

Als ich von der Wanderung ins Val Sinestra nach Vnà zurückkehrte (das ist ein winzig kleines Dorf hoch oben über dem Inntal), waren die Dorfkinder zusammen mit den Kindern aus dem Nachbardorf Ramosch gerade in den Gassen unterwegs. Sie läuteten und sangen für ein Dutzend Zuschauer: Eltern, Grosseltern, man kannte sich und man kannte die Lieder - die Erwachsenen summten mit, so wie wohl auch ihre Eltern und Grosseltern mitgesummt hatten, als sie selbst damals durch die Gassen zogen.

Die Wanderungen:
Via Engiadina Winter
Motta Naluns - Scuol
Vnà - Zuort
Vnà - Ramosch

Verspieltes Beromünster

Geschrieben von Andreas Staeger am .

Dieser Tage war ich in Sachen Winterwander-Recherchen unterwegs im Michelsamt (das ist die Gegend von Beromünster, dem Sitz des im Mittelalter gegründeten Chorherrenstifts St.Michael). Im Aufstieg von Schenkon nach Beromünster kommt man an einer Art Bauernhof vorbei, auf dem man sich kinderfreundlich gibt. Die Umgebungsgestaltung lässt einem aber das Blut gefrieren. Da gibt es Berge von Siloballen, ganze Batterien von Containern, und die Strasse dazwischen ist eisig glatt, weil offenbar ständig mit Traktoren herumgefahren wird. Möchte man als Kind tatsächlich an einer solchen Stätte spielen?

Dann aber der Radioweg, ausgestattet mit Audio-Stationen, bei denen man an Knöpfen herumdrehen und der Geschichte von Radio Beromünster lauschen kann. Und erst die Waldkathedrale. Was sich Stiftsbaumeister Purtschert dort Ende des 18. Jahrhunderts ausgedacht hat, verblüfft in seiner spielerischen Ernsthaftigkeit noch heute. Wanderung: Sursee-Menziken.

thumb beromünster

Ode an die Aare

Geschrieben von Andreas Staeger am .

Die Aare, das ist die Mutter aller Schweizer Flüsse – das schönste und vielseitigste Gewässer des Landes. 300 km lang ist sie, was 19 handlichen Wanderetappen entspricht. 14 davon liegen im Kanton Bern. Um sie geht es im Buch «Berner Aare-Gang». Der Band ist soeben als Privatdruck der Berner Druck- und Verlagsunternehmung Rubmedia erschienen.

pdfBerner Aare-Gang

Nach A. gewollt, in B. gelandet

Geschrieben von Andreas Staeger am .

Freiheit von gesellschaftlichen Konventionen strebten sie an, die Reformer auf dem Monte Verità. Einen Nachhall dieser Eigenständigkeit spüren Wanderer auch heute, 100 Jahre später: Der Hausberg von Ascona ist nämlich frei von jeglicher Wanderwegsignalisation. Man muss ratend über den Hügel streifen, Karten hin- und herwälzen und sich durchfragen, bis man irgendwann den Sentiero delle Betulle findet. Frohgemut schreitet man aus, doch dann beschreibt der Weg plötzlich eine neckische Schlaufe. Man befragt das GPS-Orakel, guckt ratlos in den Wald, wirft dann leicht genervt die Wanderkarte in den Rucksack und ergibt sich dem Schicksal. Dieses lautet: Vergiss dein Ziel Arcegno, jetzt geht's nach Brissago.

Tags zuvor war die Signalisation allerdings tadellos: Der Wanderweg von San Bernardo oberhalb Monte Carasso zur taufrischen Monsterhängebrücke über das Tal der Sementina ist neu gebaut und ergo auch neu ausgeschildert. Die Route ist spannend und abwechslungsreich.