„Fort damit“: Fortschritt in Schwyz

8. Februar 2018

Oje, diese schlimmen Berner. Wie die Vampire saugen sie ihren Miteidgenossen den Finanzausgleich aus der Tasche und verplempern die Kohle für allerlei unnötigen Quatsch. Zum Beispiel für ein flächendeckendes und leistungsfähiges Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln. Was für ein Luxus, wenn Wanderer im Halbstundentakt nach Innertkirchen, Stechelberg oder Grindelwald fahren können. Die Sache lässt sich nämlich auch ganz anders bewerkstelligen. Nehmen wir als Beispiel …

… das Steuerparadies Schwyz. Ja, genau, das ist jenes Schutzgebiet von selbsternannten Oberpatrioten, die gerne das Schreckgespenst von einer Zerstörung eidgenössischer Werte durch fremde Mächte an die Wand malen – und sich gleichzeitig befleissigen, Kulturgüter wie die ältesten Holzhäuser nicht nur der Schweiz, sondern ganz Europas dem Erdboden gleichzumachen.

Von Schwyz gab es früher mal eine Busverbindung auf den Pragelpass. Was ist damit heute? Weggespart. Oder die Buslinie auf die Ibergeregg? Wird noch immer bedient, aber nur im Sommer, darum fräsen im Winter Aberhunderte von Autos auf die Passhöhe, wo man bequem auf die Skipiste wechseln kann. Privatverkehr ist schliesslich super, weil privat – das ist das liberale Gegenmodell zur sozialistischen Idee des öffentlichen Verkehrs. Ein bisschen Kommunismus leistet man sich allerdings sogar noch in Schwyz. Man stellt ihn jenen Ewiggestrigen zur Verfügung, die unbegreiflicherweise nicht mit ihrem eigenen Auto ins Muotatal fahren mögen. Solche Nostalgiker können ab dem Bahnhof Schwyz mit dem Bus fahren. Weil der Fahrplan nicht übertrieben dicht ist (es hat bloss für einen Stundentakt gereicht), braucht sich niemand alleine zu fühlen – die Fahrzeuge sind proppenvoll. Die Reise ist sehr gemütlich, denn der Bus fährt nicht nur zur Talstation der Bergbahnen auf den Stoss und nach Illgau, sondern erschliesst gleichzeitig als Ortsbus den Kantonshauptort. Das bedeutet, dass er alle 200 Meter einen Halt einlegt, worauf sich das Gemenge im Fahrgastraum peristaltisch bewegt, bis die eine Person, die ein- oder aussteigen möchte, aufgesogen oder ausgespien ist. Danach dauert es jeweils geraume Zeit, bis die Lichtschranken bei den Türen freigegeben sind und sich die beräderte Schnecke wieder in Bewegung setzt.

Was bedeutet das jetzt für Wanderer? Mehr, als man auf Anhieb denkt. Das einzigartige Wanderangebot der Schweiz fusst nämlich nicht nur auf einem flächendeckenden Netz von signalisierten Routen, sondern noch auf einem zweiten, meist unterschätzten Aspekt. Dies ist die Erschliessung von Ausgangs- und Zielpunkten von Wanderungen mit Bahnen, Bussen, Seilbahnen und Schiffen. Natürlich kann man so etwas ohne weiteres kaputtsparen, so wie es Frankreich vorgeführt hat. Gewandert werden kann dann trotzdem noch. Einfach nur von Leuten, die a) über ein Auto verfügen, b) bereit sind, ausschliesslich Rundwanderungen durchzuführen. Auch Passwanderungen oder Überschreitungen bleiben natürlich möglich. Dazu braucht es halt einfach zwei Autos: Am Morgen stellt man das eine Fahrzeug am Zielpunkt ab, fährt mit dem anderen an den Start und holt dieses Abends mit dem ersten Fahrzeug wieder ab. So einfach ist das!